Web-Desktop ist nicht Web-Mobile: Marfeel auto-optimiert Publikations-Websites für Touch-Geräte

31. März 2014, 15:44 Uhr | Hot/Flop, Meinung

Der Umgang mit mobilen Geräten, das fällt mir immer wieder auf, ist beim Konsumieren von Inhalten im Wortsinn kinderleicht. Schon Kleinkinder sind schnell in der Lage, mit der Touch-Bedienung durch Inhalte zu navigieren und Aktionen anzustoßen. Mobile Nutzer haben daher auch schnell eine Erwartungshaltung, was die Touch-Unterstützung betrifft. Das Leseerlebnis auf Touch-Geräten (Tablets, Smartphones) sollten daher Publisher darauf optimieren. Auch die Darstellung der Inhalte sollte optimalerweise anderen Prioritäten als bei „Schreibtisch“-Websites folgen.

Schön wäre da eine Lösung, die bestehende Web-Auftritte, die ja meist für Desktop-Rechner konzipiert sind, automatisiert in eine touch-optimierte Version für mobile Geräte umsetzt. So wären Verleger nicht darauf angewiesen, eine eigene mobile Anwendung samt möglicherweise redundanter Einpflege der Inhalte stemmen zu müssen. Aus diesem Blickwinkel habe ich die Entwicklungen bei der jungen Firma Marfeel aus Barcelona seit einiger Zeit verfolgt. Marfeel wurde von dem Ex-Adobe-Entwickler Xavi Beumala gegründet und hat offensichtlich genug Kapital – unter anderem von Bertelsmann Digital Media Investments – für die Entwicklung einsammeln können.

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Publikationen mobil konsumieren bedeutet nun mal Wischen zum Blättern statt Klicken. Wer das als Publisher nicht beachtet, verliert mobile Leser. Oder gewinnt sie erst gar nicht hinzu.
– Bernd Zipper

Die SaaS-Lösung von Marfeel generiert automatisch eine mobil- und touch-optimierte Version von Websites, also eine magazinartige Aufmachung, wie man sie sonst von mobilen Magazin-Apps gewohnt ist, sowie Unterstützung von Gesten wie Wischen, Drop-down-Menüs und mobil-gerechte Integration von Bewegtbild und Social Media. Marfeel fand zunächst bei spanischen Zeitungsmedien Einsatz und sieht sich seit kurzem so weit, auch international in Europa auftreten zu können. Look & Feel der Desktop-Versionen der Website werden weitgehend beibehalten – je nachdem, wie streng man die Designkriterien anlegt. (Meine Web Designer würden sicherlich protestieren…)

Touch-optimierte mobile Website des Bonner General-Anzeiger (hier iPad-Darstellung).

Touch-optimierte mobile Website des Bonner General-Anzeiger (hier iPad-Darstellung) mit ausgeklappter Rubrik-Navigation.

Einer der ersten Referenzanwender ist der General-Anzeiger aus Bonn. Die Publikation setzt seit Januar 2014 auf Marfeel. Constantin Blaß, Leiter Online-Inhalte beim General-Anzeiger, bescheinigt im Gespräch mit uns der Umsetzung (hier die mobile Web-Adresse: mobil.ga-bonn.de) eine bessere Lesefreundlichkeit, Usability und positives Leser-Feedback. Was Verleger auch aufhorchen lässt, sind sicherlich mehr mögliche page impressions und ein Modell für Anzeigenumsätze. Marfeel setzt hier CPM (cost per impression) und integriert Anzeigennetzwerke. Dabei wird maximal eine Anzeige je Mobilseite geschaltet. Für Publisher hierzulande ist auch die Unterstützung der Analysewerkzeuge von Nielsen und IVW relevant.

Auch Blogs mit dem WordPress-CMS oder via Blogger hat Marfeel im Auge. Die Aufgabe dürfte etwas leichter sein, folgen die Blogs doch alle einer gleichen technischen Grundlage. Das Probeergebnis mit unserer Seite kann in vielen Aspekten bereits bestehen.

Die Umsetzung von Marfeel für beyond-print.de

Die Umsetzung von Marfeel für beyond-print.de

An sich arbeitet Marfeels Lösung vollautomatisch, die notwendigen Schritte für Verleger und Blogger sind in wenigen Sätzen erklärt. Jedoch sollte man ruhig mit den Marfeel-Leuten reden, wenn es im Vorfeld um nötige Anpassungen geht. Ich denke da beispielsweise an die Konfiguration von Rubriken im Dropdown-Menü oder Anpassungen für News-Ticker oder ähnliches.

Und ich muss – Stand heute – auch erwähnen, dass Marfeel noch so einige Hausaufgaben zu erledigen hat. Die Mobilgeräte-Unterstützung gehört weiter ausgebaut, verschiedene mobile Browser zeigen fehlerhafte Darstellungen (in den wichtigen wie Chrome oder Safari ist die Darstellung aber ok) und die Social-Media-Integration sollte um wichtige Kanäle ergänzt werden. Und dann werden viele Verleger auch die Option für Push-Benachrichtigungen vermissen – eine Medienkonsumbesonderheit der mobilen Anwender. Auch eigene Mobildienste (Wetter, lokale Navigation,…) sollten sich integrieren lassen. Vielleicht macht Marfeel ja noch so eine Art Zubehör-Baukasten auf.

Aber insgesamt bin ich von Marfeel doch einigermaßen angetan. Was da so automatisiert und ganz ohne eigene App-Programmierung für Blogger und Verleger an Mobilgeräte-Optimierung möglich ist, kann schon beeindrucken.

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Reinhard lasar

    1. April 2014

    Danke Bernd!
    Klar eine desktop Website muss andere benutzeroptimierte Eigenschaften haben als die Website für mobile... Gut dass das mal ein kompetenter Speaker mitteilt. Man hat als Nutzer noch immer zu oft die Wahrnehmung dass das ein Geheimnis sei...


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