Vistaprint kreist D/A/CH ein – Übernahme von Pixartprinting ist die bislang größte europäische Transaktion im Online Print Markt

2. April 2014, 8:50 Uhr | Meinung, Neues

Mit der Übernahme des italienischen Onlinedruckers Pixartprinting, einem der „Big Five“ in Europa, verfolgt Vistaprint weiter seine Strategie, die ich bereits in meinem Beitrag zur jüngst erfolgten Übernahme der niederländischen Nummer 1 im Onlinedruck umrissen habe. Vistaprint stellt sein Geschäftsmodell für den europäischen Markt anders auf als bisher und drängt in den Markt mit KMUs als Onlinedruck-Kunden. Die fast 100-prozentige Beteiligung an Pixartprinting macht auch klar, wer dabei das Ruder in der Hand halten wird. Kooperationen sind wohl eher ein Fremdwort für Vistaprint.

Die De-Facto-Übernahme von Pixartprinting kostet Vistaprint rund 150 Millionen Euro zuzüglich eines Earn-out von 10 Millionen Euro. Dafür erhält Vistaprint 97% Beteiligung, die restlichen 3% bleiben in Besitz des Pixartprinting-Gründers. Vistaprint will Pixartprinting als eigenständige Marke erhalten und auch in die italienische Onlinedruckerei investieren. Bis Ende 2014 soll die Akquise abgeschlossen sein. Zu den Synergieeffekten zähle ich, dass die Produktpaletten beider Marken sich gegenseitig ergänzen sollen. Mit Pixartprinting verfolgt Vistaprint also dieselben Ziele, wie ich sie schon zur Übernahme der niederländischen People & Print Group skizziert habe: Übernahme des nationalen Branchenführers, Erhaltung dessen Zielgruppe und damit Erweiterung des eigenen Kundenkreis in Richtung größere Unternehmenskunden.

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Vistaprint kauft kein Fallobst, sondern gesunde Onlinedruckereien auf Wachstumskurs. Das alleine ist ein Zeichen für die Dynamik dieses Marktes.
– Bernd Zipper

Und noch etwas finde ich spannend: Beide Übernahmen betreffen keine kriselnden Unternehmen, sondern gesunde Marktführer, die beide auch noch ein gesundes Wachstum hinlegen, also auch aus eigener (Finanz)kraft weiter gut im Markt hätten agieren können. Knapp formuliert könnte man sagen: Vistaprint kauft die Erfolgreichen. Bei Pixartprinting lag der Umsatz 2013 bei rund 56 Millionen Euro – das sind zwar keine beeindruckenden Zahlen im Vergleich zu deutschsprachigen Branchengrößen – aber auch die Marge von Pixartprinting ist grundsolide. Im letzten halben Jahr habe ich aber schon durch die vermehrten einschlägigen Aktivitäten von Pixartprinting den Verdacht gehabt, dass sich da „eine Braut schön macht“.

Drucksaal der Pixartprinting Srl in Quarto D´Altina (Bild: pixartprinting)

Drucksaal der Pixartprinting Srl in Quarto D´Altina (Bild: pixartprinting)

Pixartprinting ist eine reine Online-Druckerei, hat seinen Sitz im venetischen Quarto D´Altino und beschäftigt dort ungefähr 330 Mitarbeiter. Bislang konnte die Onlinedruckerei über 100 000 Kunden verzeichnen, die sich vor allem aus Geschäftskunden, Agenturen, Printbuyer und auch einen bemerkenswerten Anteil an Druckereien zusammensetzt. Produziert werden im Dreischichtbetrieb die typischen Akzidenzen für Geschäftsausstattung sowie Bücher, Magazine und Kataloge, außerdem hat Pixartprinting sich auch deutlich in den Bereichen Large Format und Werbemittel aufgestellt – mit Textildruck, Displays, Banner, Labels und anderen Produkten. Die Produktionsfläche wird gerade um 14 000 Quadratmeter auf 30 000 Quadratmeter erweitert. Die Maschinenflotte vermittelt ein deutliches Bild der Diversifizierungen, die das Unternehmen verwirklicht hat. Pixartprinting setzt relevanten Techniken von Offsetdruck, Digitaldruck mit Schwerpunkt HP Indigo und Wide Format mit Maschinen verschiedener Hersteller ein. Beim Offsetdruck sind in der Hauptsache Bogen-Offsetmaschinen im Mittelformat installiert. Im Januar 2014 nahm Pixartprinting mit der Komori LIthrone GL 840P eine Maschine der 70×100-Formatklasse mit synchronisiertem Plattenwechsel in Betrieb.

Länderpräsenzen von Pixartprinting in Europa.

Länderpräsenzen von Pixartprinting in Europa.

Die E-Commerce-Shoptechnik ist eine Eigenentwicklung und wird inzwischen in 11 Landesversionen in ganz Europa realisiert. Dabei konnte Pixartprinting neben dem heimischen Markt den größten Erfolg in Spanien und Frankreich verzeichnen. Laut Andrea Pizzola, Sales und Marketing Director von Pixartprinting, verfolge man dabei eine Strategie der landestypischen Umsetzung, die neben den notwendigen Beachtungen gesetzlicher Vorschriften besonders die verschiedenen Kaufgewohnheiten in den Ländern berücksichtigt. In Deutschland jedoch stieß Pixartprinting auf einen Markt, der von der Firma als gesättigt und von harten Mitbewerbern besetzt erlebt wurde.

In den letzten Jahren wurde das Wachstum der ursprünglich privat gehaltenen Firma durch die Beteiligung des italienischen Anlagefonds für Wirtschaftskapital Alcedo abgesichert. Mit der 75%-Beteiligung an dem Unternehmen ab 2011 wurde dann die europäische Expansion sehr schnell realisiert. Im Schnitt konnte Pixartprinting dabei 40% Umsatzplus pro Jahr verwirklichen.

An der Seite von Pixartprinting saß dann die Firma Altium am Verhandlungstisch. Der Mid-cap-Finanzberater baut stetig seinen Schwerpunkt bei Transaktionen im Bereich „Internet und Technologie“ aus und das E-Business Print gehört eindeutig dazu. Schon vor dem Vistaprint-Deal brachte Altium 2013 die deutsche Onlineprinters GmbH mit TA Associates zusammen. Die Aufmerksamkeit der Finanzbranche ist dem dynamischen Onlineprint-Markt also gewiss. Und auf ihre eigene Art sehen die Finanzanalysten den Markt für E-Business Print in gewisser Weise getrennt von der traditionellen Druckbranche. Für mich also auch aus dieser Richtung ein Zeichen, wo Wachstumschancen im Druckgeschäft liegen.

Für die deutschen Akteure im Online Print wird es nun spannend: Der deutschsprachige Markt wird anscheinend von Vistaprint „umzingelt“ und ich rechne nach wie vor damit, dass das börsennotierte Unternehmen sich früher oder später auch in Osteuropa in ähnlicher Form engagiert. Seine Aktionäre und die Analysten, die auf der letzten Telefonkonferenz vor den zwei Übernahmen unbequeme Fragen zur Lage in Europa stellten, wird Vistaprint erst einmal beruhigen können. Mit den beiden Firmen hat sich Vistaprint auch Wachstum gekauft.

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Hendryk Schäfer

    3. April 2014

    Vis­ta­print kreist D/A/CH ein – Über­nahme von Pix­art­prin­ting ist die bis­lang größte...; – Merke: Man muss nicht immer kri­selnde Unter­neh­men auf­kau­fen. Vis­ta­print gönnt sich lie­ber die Marktführer.


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