Interactive Print: Clickable Paper von Ricoh startet in Europa

3. April 2014, 14:11 Uhr | Hot/Flop, Neues, Technik

Auf der drupa 2012 zeigte Ricoh seine Interaktiv-Anwendung für Druckprodukte namens Clickable Paper. Den Namen fand ich damals schon eingängig, er verspricht aber auch viel. Worum es da im Prinzip geht, ist eine Bilderkennung für Interaktionen in Zusammenhang mit Druckprodukten. Der Vorteil: Geeignet ist praktisch jedes Vorlagensujet, ob nun Text, Grafiken oder Bilder, und man kann bestehende Inhalte verwenden, ohne sie für die Interaktionsfähigkeit zu modifizieren. Auf Papier klicken muss man dabei jedenfalls nicht.

Clickable Paper gehört in das Feld der Bilderkennung für User Engagement, über das hier auf beyond-print ja erst vor kurzem geschrieben wurde. Nach der drupa 2012 war lange nichts Neues von Ricohs Interactive Print für die Druckbranche zu hören. Nun, nach einigen Pilotprojekten in Großbritannien, den Niederlande und Frankreich, steht die Technik vor der Einführung in den europäischen Ländern.

Was ist Clickable Paper? Im Kern ein Cloud-Service. Der ermöglicht, dass Leser via Smartphone ergänzende Online-Inhalte zu einem bestimmten Papier-Content finden. Wie gesagt, muss man dazu kein Element der Druckseite selber modifizieren oder Extra-Elemente, wie es etwa bei einem QR-Code der Fall wäre, einfügen. Oder vielleicht doch?

Im Cloud-Dienst von Clickable Paper indizierte Druckvorlage.

Im Cloud-Dienst von Clickable Paper indizierte Druckvorlage.

Das Authoring besteht darin, dass man anhand der PDF-Druckvorlagen mit einem Editor namens Snapedit Hot Spots definiert, denen bei Clickable Paper bis zu sechs Medienkanäle zugewiesen werden können. Der zusätzliche Mediencontent muss dabei noch gar nicht mal verfügbar sein oder kann auch später aktualisiert werden. Als Beispiel fällt mir dabei ein: Ein Reisehandbuch, das per Smartphone zu jedem Landschaftsbild das aktuelle Wetter dort zeigt, und einen Youtube-Film, und eine Navigationsanwendung, die mich zu dem fotografierten Ort führt. Ihnen fällt sicher noch etwas ein…

Zipperkopf_SkeptischNachdenklich

Man muss schon abwägen, wie Clickable Paper einen echten Nutzen hat. Es braucht wie QR-Code eine App, und irgendetwas auf dem Druckprodukt muss kommunizieren, dass Clickable Paper vorhanden ist.
– Bernd Zipper

Ja, und nun kommt der Cloud Server ins Spiel. Von dort aus werden die Ergänzungsinhalte zum Druckprodukt nämlich gefunden und ein ziemlich komplexer Dienst gleicht die Smartphone-Fotos der Leser mit den im Dienst indizierten Druckseiten ab. Dazu benötigt der Cloud-Dienst eine auf dem Smartphone des Lesers installierte App. Im Falle Ricoh ist das die ebenfalls Clickable Paper benannte App (iOS, Android), herausgegeben von Ricoh USA.

Die durch Fotografieren mit dem Smartphone aktivierten Interaktiv-Links.

Die durch Fotografieren mit dem Smartphone aktivierten Interaktiv-Links.

Mit bis zu sechs Kanälen auf einen Klick (oder besser „Tipper“) auf dem Smartphone-Display ist Clickable Paper gegenüber dem QR-Code laut Ricoh im Vorteil, den der kann direkt nur einen Interaktiv-Kanal bedienen. Aber ein QR-Code kann auf eine Landing-page mit beliebig vielen Media-Links führen, also wiegt die Argumentation von Ricoh für mich nicht so sehr. Beiden Methoden, QR-Code und Bilderkennung, gemeinsam ist aber, dass ein User Engagement nur dann möglich ist, wenn der Leser auch gewillt ist, sein Smartphone einzusetzen und davor auch noch die passende App zu installieren. Im Druckprodukt muss das also immer kommuniziert werden, und so habe ich doch wieder ein Extraelement im Content, wenn auch nicht zwingend auf jeder Seite.

Neben der Clickable-Paper-App kommt aus demselben Stall auch die App Ocutag Snap; beide setzen auf die Ricoh Visual Search Technologie auf. Um Ocutag ist es momentan ziemlich ruhig geworden, möglicherweise war der Dienst bislang auch nur ein Versuchsballon für den indischen Markt. Der Unterschied zu Clickable Paper: Hier werden reale Dinge anstatt gedruckte Abbildungen indiziert und fotografiert. Beispielsweise: Möchte ich wissen, in welchem Online Shop ich den coolen Hut meines Nachbarn kaufen kann, zücke ich mein Smartphone und mache mit der Ocutag-Snap-App ein unauffälliges Foto von ihm.

Auf jeden Fall sollte Ricoh mehr über den hinter diesen Apps stehenden Cloud-Dienst erzählen – wer, was, wo, und was passiert mit den Daten? Wer liest mit, was wird gespeichert? Kann ich meine eigene App mit dem Dienst via API verknüpfen? Wie fahre ich Analysen zur Nutzung? Und was kostet das? Darüber verrät Ricoh Europa öffentlich ebenfalls noch nichts. Ich bin mir aber sicher, dass Ricoh dies wie bei Ocutag auf Per-Klick-Basis abrechnen will.

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Bernhard Heiligtag

    4. April 2014

    Wie immer sehr interessant.
    Danke.


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