Onlinedruckshop: Größendarstellung von Print-Produkten

5. Mai 2014, 15:25 Uhr | Hintergrund, Technik

Eigentlich ist es eine ganz einfache Bezugsgröße, doch die sehe ich zu selten genutzt: Eine echte 1:1-Größendarstellung von Druckprodukten auf dem Monitor scheint vielen Anbietern von grafischer Software oder auch von Onlinedruckshops mit WYSIWIG-Editoren vernachlässigbar. Dabei macht es doch einen erheblichen Unterschied, ob ein Flyer-Druckprodukt online in der richtigen Größe dargestellt wird oder mit beispielsweise 30 Prozent Größenabweichung. Kunden besonders im B2C-Bereich sind sich dem oftmals gar nicht bewusst, aber Betreiber von Onlinedruckereien und Lösungsanbieter für E-Business Print könnten die nötige Information über die Monitorauflösung leicht berücksichtigen – und Grafikprofis sollten dies mit ihren Editoren ohnehin tun, wenn sie ihre Druckvorlagen im passenden Maßstab checken wollen.

(Bild: wisdomlights/flickr)

(Bild: wisdomlight/flickr)

Immer wieder stelle ich fest, dass es ein verbreiteter Irrglaube ist, die Monitorauflösung würde 72 ppi beitragen. Das ist ein uralter Wert, der noch aus der Zeit der ersten Computermonitore mit Röhrenbildschirmen stammt. Heutige Desktop-Monitore haben höhere Auflösungen – ein Zentimeter eines Druckproduktes wird folglich auf einem Zentimeter Monitor mit mehr Monitorpixel beziehungsweise einer höheren Pixeldichte dargestellt. Geht nun die Software weiter von 72 ppi Bildschirmauflösung aus, wird dann eine Originalgrößenansicht zu klein ausfallen.

Nehmen wir mal als Beispiel die ersten 17-Zoll-LCD-Displays: Da waren eine Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten üblich, bei einem Breiten/Höhenverhältnis von 4 zu 3. Bei effektiven 16,7 Zoll Bildschirmdiagonale kamen diese Displays schon auf 77 ppi. Heutige Notebook-Monitore kommen beispielsweise bei Full-HD (1920 x 1080 Pixel) bei 15,6 Zoll Diagonale bereits auf 141 ppi. Und noch höhere Pixeldichten werden immer mehr Mainstream oder sind bei Mobilgeräten bereits längst üblich.

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Maßstabsgetreue Darstellungen von Druckprodukten in Onlinedruckshops sind möglich, der Kunde muss dazu nur eine einzige Angabe machen.
– Bernd Zipper

Nehmen wir mal das obige Beispiel Full-HD-Notebook. Bei diesem 15,6-Zöller würde ein Druckprodukt, wenn der Darstellungssoftware eine Monitorauflösung von 72 ppi mittgeteilt wird, eine Druckvorschau „in Originalgröße“ nur halb so groß dargestellt als beabsichtigt. Wenn Sie meinen, das käme selten vor, muss ich Sie enttäuschen. Selbst Profigrafiker ändern oftmals nicht den Vorgabewert in ihren Layoutprogrammen. Weil so verbreitet, möchte ich dazu mal das Beispiel Adobe Photoshop heranziehen. Warum auch immer sind dort in den Voreinstellungen/Maßeinheiten und Lineale seit Urzeiten 72 ppi als Standard voreingestellt. Für seinen eigenen Monitor lässt sich das leicht ändern. Der ppi-Wert des eigenen Displays ist Ihnen nicht bekannt? Dafür gibt es im Internet mehrere Pixeldichte-Rechner, in die man die passenden Daten für das verwendete Display einträgt. Übrigens, falls der Pixeldichte-Rechner Kommastellen auswirft – runden Sie ganzzahlig auf oder ab. In Displays werden nur ganze Pixeleinheiten verwendet…

Adobe Photoshop erlaubt das Einstellen der tatsächlich verwendeten Pixeldichte.

Adobe Photoshop erlaubt das Einstellen der tatsächlich verwendeten Pixeldichte.

Wenn Sie nun die tatsächliche Pixeldichte (Bildschirmauflösung) eingetragen haben, erhalten Sie nach Wahl von Ansicht > Druckformat eine stimmende 1:1-Größendarstellung des Dokuments gemäß der eingestellten Druckauflösung.

Aber ausgerechnet in InDesign, dem Programm, mit dem überwiegend Druckdokumente erzeugt werden, hat Adobe diese Möglichkeit nicht eingebaut. In den ersten Versionen verwendete InDesign wie Photoshop den 72-ppi-Standardwert. Diesen Vorgabewert hat Adobe zwar mittlerweile auf eine höhere Pixeldichte angepasst – er ist aber dennoch ein fixer Wert, der sich nicht auf abweichende Pixeldichten anpassen lässt. Bei InDesign CC liegt er bei 96 ppi. Immerhin lässt sich das durch Scripts lösen, die einige InDesign-Anwender im Internet veröffentlicht haben. Bei InDesign heißt die Ansicht in Druckgröße übrigens Originalgröße.

Nun möchte ich aber zurück zu der Problematik kommen, die sich in WYSIWIG-Editoren auf Browser-Basis stellt. Wie eingangs erwähnt dürfte besonders der B2C-Bereich in Onlineprintshops betroffen sein. Und es dürfte auch ein legitimer Wunsch von Konsumenten sein, ihr selbstgestaltetes Druckprodukt auf Wunsch in Originalgröße am Display zu sehen. Meiner Meinung nach besteht ein negativer Einfluss auf die Konversion, wenn beispielsweise Unklarheit darüber besteht, wie groß die Schrift im Template denn nun wirklich ist oder etwa eine Visitenkarte in einer vorgeblichen Originalgröße um 40 Prozent zu klein angezeigt wird.

Jedoch: Ich kann mich nicht entsinnen, eine solche Funktion bereits in einem WYSIWIG-Editor für Onlinedruckshops gesehen zu haben. Einzelne Editoren haben zwar eine Detailvorschau, manchmal auch missverständlich 1:1-Darstellung benannt, aber eben keine maßstabsverbindliche. Und dabei ließe sich eine solche Funktion in browserbasierten Editoren leicht einbauen. Denn bis auf die Angabe der Monitordiagonale dürften der jeweiligen Softwarelösung alle anderen Parameter bekannt sein. Der Kunde im Onlinedruckshop müsste also nur seine Display-Diagonale angeben, da sich Pixelbreite und Pixelhöhe automatisch (und auch anonym) via Browser ermitteln lassen.

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