Nachbetrachtung zum Online Print Symposium 2014, Teil 1

20. Mai 2014, 16:15 Uhr | Meinung, Neues, Technik

Wer online nicht präsent ist, verliert. Das ist eine der Erkenntnisse aus der EPOS Studie, die den Anspruch des Online Print Symposiums als Leitevent für das E-Business Print, das vorrangige Wachstumsthema der Druckbranche zu thematisieren, bekräftigt. Ich denke, darüber waren sich alle Beteiligten, die letzte Woche das Online Print Symposium besuchten, klar. Was mir besonders gefiel: Die Themenwahl der Veranstalter bvdm, Fogra und zipcon consulting (meiner Firma) zeigte einerseits, dass E-Business Print „normal“ ist und ebenso seine Lektionen zu lernen hat wie andere Sparten des E-Business auch. Und bei den Besuchern der Veranstaltung scheinen wir mit unserer Themensetzung den Nerv getroffen zu haben. Die uns wichtigen Themen fanden großen Zuspruch.

Publikum_OPS14

(alle Abbildungen: Kai Schlender)

Im Folgenden möchte ich meine Nachbetrachtungen zum Online Print Symposium 2014 und die Kernaussagen der Vorträge mit Ihnen teilen. Bei der Fülle der Themen werde ich heute allerdings nur vom ersten Tag berichten, der zweite Teil folgt dann hier auf diesem Blog morgen.

Man könnte es auch provokativ nennen, die Keynote des ersten Tages ausgerechnet zum Thema 3D-Druck abzuhalten. Das ist ein Bereich, der nun wirklich wenig Schnittmenge mit den Druckverfahren hat, mit denen die Online Print Industrie umgeht. Das stellte auch der Sprecher der Keynote Clément Moreau von der 3D-Onlinedruckfabrik Sculpteo auch deutlich klar.

Clément Moreua, Sculpteo, bei der Keynote.

Clément Moreau, Sculpteo, bei der Keynote.

Aber, um eine Teilnehmerstimme wiederzugeben, fand dies Anklang, „um das Querdenken zu starten“. Die interessanten Aspekte der Keynote waren für mich einmal die Feststellung, dass die größten Chancen für den 3D-Druck im Enterprise Business Markt liegen, zum zweiten der Seitenblick auf andere Industrien mit ihren Geschäftsmodellen und schließlich die Anmerkung, dass Konsumenten bei Mass Customization das Gefühl haben, ein eigenes Werk zu erschaffen. Zum Thema „Gefühle“ kam auf dem Online Print Symposium (OPS) 2014 später übrigens noch mehr.

Der anschließende Vortrag von Stephan Bühler von Bechtle Druck & Service wurde nach meinem Eindruck von einigen im Publikum schon mit Spannung erwartet, ging es doch darum, wie man als Rotationsdrucker sich im E-Business aufstellen kann – ein von manchen eher ungläubig betrachtetes Konzept. Was da aber gesagt wurde, bekräftigt meine Aussage, dass alle Drucksparten für E-Business Kanäle offen sind. Es gibt keine Nische, in der man „offline“ bleiben kann. Stephan Bühler stellte hoch informativ dar, wie sich das E-Business Konzept von dierotationsdrucker.de von der ursprünglichen Idee 2009 bis heute gewandelt hat: War es erst ein Testballon, so stehen nun genaue und messbare Ziele im Vordergrund. Und ein klein wenig anders sind die Herausforderungen im Coldset- und Heatset-Rotationsdruck dann doch auch. Da gibt es zum Beispiel den Knackpunkt Papierverfügbarkeit oder die höhere Erklärungsbedürftigkeit der Produkte.

Peter Kolb, Inhaber von Österreichs Marktführer druck.at

Peter Kolb, Inhaber von Österreichs Marktführer druck.at

Viel diskutiert wurde der auch unterhaltsame Beitrag von Peter Kolb, der Österreichs Onlinedruck-Marktführer druck.at aufgebaut hat. Seine offenen Worte zu den Rahmenbedingungen, der Mitarbeitermotivation und Unternehmenskultur, der strategisch richtigen Betriebsgröße, der richtigen Angebotsbreite des Sortiments und „das wichtigste Gut“ Kundenvertrauen kamen sehr gut im Publikum an. Daneben sind mir aber auch noch ein paar besondere Statements im Ohr: „Man muss produzieren wie Toyota und verkaufen wie Amazon.“ Oder, auf die Frage nach einer Internationalisierung: „Man muss nicht bei jedem Gemetzel dabei sein.“ Und: „Onlinedruck ist ein Betriebskonzept und kein Abteilungskonzept.“

Wo schon Peter Kolb anmerkte, dass Drucker mehr das (online) Verkaufen lernen sollten, wurde dies in den nächsten Vorträgen des ersten OPS-Tages noch weiter vertieft. Den Auftakt dazu gab Michael Benz, seines Zeichens Vertriebsleiter der OXID eSales AG. Er ging auf das Thema Multichannel ein und zeigte Schlüsselfaktoren für ein erfolgreiches Multichannel E-Commerce. Dabei ist klassischer Vertriebsinnen-/außendienst plus Onlineshop nicht das Ende der Fahnenstange. Denn selbst reine Online-Player haben sich einen stationären Touchpoint zugelegt. Und solche Stores gibt es bekanntermaßen auch schon im Online Print Business, wie etwa von Flyerline, CEWE oder flyeralarm. Was wir bereits von Stephan Bühler hörten, bekräftigte auch Michael Benz: „Mobile E-Commerce ist keine Prognose, sondern bereits Realität.“

Wer Web-Tracking betreibt (und das tun alle), bekommt Kennzahlen nur so um die Ohren gehauen. Was soll man damit sinnvoll anstellen? Marcus Koch von Goldbach Interactive ist Experte im Performance- und Suchmaschinenmarketing und konnte mit seinem aktiven Vortrag zu Kennzahlen im Online Marketing jede Mittagsmüdigkeit vertreiben, und das bei so erläuterungsbedürftigen Sachen wie dem ROPO-Effekt. Nun, es kommt auf die strategische Zielsetzung, und das bitte auf höchster Unternehmensebene an. Mein Lieblingssatz aus diesen Vortrag wurde dann auf dem OPS noch öfters zitiert: „Grips vor Software.“

Für Dennis Kleine ist Usability die Basis einer hohen Konversionsrate

Für Dennis Kleine ist Usability die Basis einer hohen Konversionsrate

Wussten Sie, dass es im Online Marketing neben dem Begriff „Touch Points“ (das Wort des Nachmittags – wo erreichen wir unsere Kunden?) auch den Begriff „Pain Points“ gibt? Da stößt der Online-Kunde auf ein Problem und das ist User Experience, die man nicht haben will. Dennis Kleine, Senior Information Architect bei der kühlhaus AG, ging auf dieses Thema auch aus seiner persönlichen Erfahrung ein. Er als Druck-Laie empfindet Druckprodukte als „schwierig“ – und genau diese Zweifel zu zerstreuen, gehört zu einer guten User Experience. Für ihn ist Usability die Basis einer hohen Konversionsrate. Und er plädiert dafür, dass B2B-Shops dabei die gleiche Herangehensweise erfahren wie B2C-Shops. Zustimmung, auch die Geschäftspartner kaufen privat bei Zalando, Amazon etc. ein und erwarten eine ähnliche Usability auch im Business-Shop.

Usability ist ja schon eine subjektive Sache (auch wenn es dafür die ISO-Norm 9241 gibt) und nun kamen beim Impuls-Vortrag von Jessica Salver (manymize) die Gefühle und Empfindungen der Online-Kunden dran. Beim Thema Verkaufspsychologie kann nach ihrer Einschätzung das Online Business noch vom klassischen Verkauf lernen. Die meisten E-Business-Modelle würden hingegen eher nach dem Aldi-Prinzip funktionieren. Dabei kann der Priming-Effekt ebenso im Onlinedruckshop eingesetzt werden wie das Framing. Für Jessica Salver sind Design, Preis, Technik, Service und sogar Usability leicht vom Mitbewerb kopierbar. Wer aber Emotionen schafft, schafft etwas für die Konkurrenz schwer entschlüsselbares.

Nun, so eine Usability und Verkaufspsychologie will auch technisch bewerkstelligt werden. Und eines der Tools oder Sprachen dazu ist HTML5 – ein Buzzword, von dem das Management vielleicht schon viel gehört hat, es aber nicht so recht einordnen kann. Hier gab der Webentwickler, Trainer und Autor Peter Kröner dem (Führungskräfte-)Publikum einen humorvollen Einblick in das, womit ihre Programmierer denn so zu kämpfen haben, welche Funktionen mit HTML5 möglich sind und wie diese Technologie einzuschätzen ist. Wo ist der Haken bei der Sache? HTML5 ist unabhängig vom Endgerät, aber alle Browser müssen getestet werden: „Write once, debug anywhere.“ Und zum Abschluss dieses ersten OPS-Tages wagte Alexander Sperrfechter, Geschäftsführer der rissc solutions GmbH, einen Blick in die Glaskugel, mit besonderer Betrachtung des WYSIWYG im Online-Editor. Es kommt auf uns zu: 3D-Visualisierung für die Massen (und Dennis Kleine wird dann den Unterschied zwischen Wickel- und Altarfalz viel leichter erfassen), Print-Ausgabe von HTML5, responsive Editoren. Und er postuliert „Ohne API-Anbindung geht es nicht bei der Wahl eines Editors.“

Das Moderatorenteam des Online Print Symposiums (von rechts): Dr. Andreas Kraushaar (Fogra), Jens Meyer (PrintXMedia Süd) und Bernd Zipper (zipcon consulting)

Das Moderatorenteam des Online Print Symposiums (von rechts): Dr. Andreas Kraushaar (Fogra), Jens Meyer (PrintXMedia Süd) und Bernd Zipper (zipcon consulting)

Zum Abschluss meiner Nachbetrachtung des ersten OPS-Tages möchte ich hier aus meinem eigenen Beitrag nur ein paar Fakten und Trends weitergeben, da ich die Inhalte an anderer Stelle weiter vertiefen werde:

  • Der Umsatz im Online Print Markt in D/A/CH beträgt jetzt 2,4 Milliarden Euro
  • Nach Umsatz sind heute nur 400 Unternehmen relevant, und davon sind 100 Marktrelevant
  • Die Top-Trends: Mobile Print Shops, Special Interest Shops, Print via Add-on, Service, Industrie 4.0
  • Online Print verkaufen wird komplexer; die Einstiegshürden werden höher

Soviel nun zum ersten Tag des Online Print Symposiums 2014 – morgen geht es hier mit meiner Nachbetrachtung zum zweiten Tag und einem Fazit weiter.

zum Beitrag zum zweiten Tag des Online Print Symposiums und mein Fazit

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Jessica Salver

    22. Mai 2014

    Schöne Zusammenfassung eines interessanten Veranstaltungstages. Vielen Dank auch für die großartige und reibungslose Organisation. Online Print ist eine spannende Branche, die sicher in den kommenden Jahren noch viel Dynamik zeigen wird.


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