Postkasten 2.0 – DHL-Paketboxen funktionieren nur exklusiv und Mitbewerb rührt sich erst jetzt

10. Juni 2014, 14:01 Uhr | Meinung, Neues

Eigentlich sollte man annehmen, in der Logistikbranche sind sie von der schnellen Truppe. Das mag ja oftmals zutreffen, aber beim Schmieden von Allianzen sind sie nicht so flott. Seit die Deutsche Post DHL im letzten Jahr anfing, mit Paketkästen zu experimentieren und deren flächendeckende Markteinführung vorzubereiten, habe ich mich gefragt, wo denn die Antwort der Mitbewerber bleibt. Darüber verging auch der Mai mit dem offiziellen Start der DHL Paketkästen, mit denen Kunden auch während ihrer Abwesenheit daheim beliefert werden können. Nun endlich regt sich die Konkurrenz: DPD, GLS, Hermes und UPS wollen laut einer Ankündigung in der Deutschen Verkehrszeitung nun einen Arbeitskreis gründen, bei dem ein branchenoffenes Konzept für einen Paketkasten gefunden werden soll, das alle beteiligten Versandlogistiker und damit auch die DHL nutzen können.

(Bild: Deutsche Post DHL)

(Bild: Deutsche Post DHL)

Damit sind sie nun wirklich spät dran. Und auch der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste ließ sich bis Mitte Mai Zeit, um sich dann zu beschweren. DHL Paketkästen seien ein Wachstumshindernis für den Onlinehandel. Gleichzeitig gründete der Verband die Open Postal Alliance. Ziel sei es unter anderem, international kompatible offene Zustellsysteme zu unterstützen. Wenn ich auf deren Website einen Blick auf die verzeichneten Dienstleister werfe, sehe ich alle möglichen Startups, Tochtergesellschaften und regionale Anbieter. Und siehe da: Darunter sind auch lauter Paketbox-Anbieter wie Mypaketkasten, OneBox, Parcelhome und etliche weitere.

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Ein Vorteil für die Auslieferung von Onlinedruckereien zeichnet sich mit den jetzigen Lösungen noch nicht wirklich ab.
- Bernd Zipper

Da scheint also ein Wettbewerb vieler Zwerge gegen einen Großen zu laufen, dem die anderen großen Logistiker im Paketbox-Bereich bislang praktisch tatenlos zugesehen haben. Einzig DPD hat inzwischen mit Lockbox einen gar nicht mal unpfiffigen Service zum Kooperationspartner für vorläufig ein begrenztes Testgebiet gewählt. Während DHL mit seinen Paketkästen die Vorgärten von Ein- und Zweifamilenhäusern bevölkern will, ist Lockbox ein Ansatz, auch Großstädtern während deren Abwesenheit Pakete sicher an die Wohnungstür zu liefern. Aber Achtung, wenn der Nachbar plötzlich mit dem Seitenschneider herumläuft!

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(Bild: Lockbox)

Auch ich bin für eine branchenoffene Lösung, denn in der Rolle als Kunde im E-Commerce würde ich mich nur ungern auf einen Logistik-Dienstleister festlegen wollen. Abgesehen von meiner bescheidenen Meinung dürfte auch die EU etwas gegen anbieterexklusive Lösungen haben. Offene Standards müssen her. Erst dann sind Paketkasten-Konzepte für mich halbwegs wasserdicht. Und damit meine ich nicht nur, dass darin die ausgelieferten Flyer nicht durchnässt werden.

Über den Autoren

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. Er ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus). ---- Founder and CEO of zipcon consulting GmbH, a leading consultancy for the printing and media industry in Central Europe. He initiated the E-Business Print Online Studie (EPOS) and acts - in addition to his consulting activity - as an author, lecturer, speaker and moderator. See his profiles on Xing, LinkedIn and GooglePlus.

1 Kommentar

  1. Antworten

    Andreas Schumann

    18. Juni 2014

    Leider hat sich die Branche viel Zeit gelassen in diesem Thema, dem kann ich zustimmen.

    "Da scheint also ein Wettbewerb vieler Zwerge gegen einen Großen zu laufen, dem die anderen großen Logistiker im Paketbox-Bereich bislang praktisch tatenlos zugesehen haben." - Im Anbieterverzeichnis sind nicht nur die Zwerge sondern nahmhafte und etablierte Paketboxanbieter vertreten, incl. des Anbieters, der mit der Deutschen Post AG arbeitet. Insofern kann man hier nicht nur von Zwergen sprechen.

    In Erwägung sollte auch gezogen werden, dass nicht allein die Logistikanbieter das Thema Paketboxen angehen können. Auch die Händler oder andere Dritte könnten z.B. Ihren Kunden Paketboxen anbieten ähnlich subventioniert wie bei den Handy's. Dafür gibt es international einige Beispiele.

    Am 24.6. gibt es den ersten Workshop der open postal alliance zum Thema, danach gibt es neue Informationen: http://www.open-postal-alliance.de/kep-termine/paketboxen-postdienstuebergreifende-loesungen-und-standardisierung/

    "dürfte auch die EU etwas gegen anbieterexklusive Lösungen haben" - derzeit ist ein europäischer Standard für PAketboxen in der Verabschiedung. Hier sind Rahmenbedingungen für anbieterneutrale Lösungen festgelegt.


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