Digital-Rückgrat Marke Eigenbau: IDG Communications startet eigenentwickeltes CMS Apollo

12. Juni 2014, 12:39 Uhr | Hintergrund, Neues, Technik

Computerwoche, PC Welt oder Macwelt, das sind einige der Titel, die Sie vielleicht vom Namen her eher kennen als die Verlagsgruppe IDG, die diese Magazine als Print und Online publiziert. Wie praktisch jeder Verlag ist auch IDG Communications ständig mit dem Medienwandel konfrontiert und muss seine Inhalte in mehreren Online-Medienkanälen verwerten. Rückgrat dafür ist ein Content Management System (CMS), und nun hat IDG auf seine eigenen Anforderungen hin sich ein proprietäres CMS namens Apollo geschaffen, das seit Dienstag zunächst in den USA „live“ geschaltet ist. Den auf den ersten Blick erstaunlichen Zug finde ich gar nicht so ungewöhnlich.

Abbildung: IDG/foliomag.com

Abbildung: IDG/foliomag.com – Klick zum Vergrößern

Zur Abschätzung der Größenordnung von IDG zunächst mal ein paar Zahlen: Mit Apollo will der Verlag an die 2000 Redakteure in 86 Ländern einbinden und elf eigene New-Dienste in acht Ländern miteinander verknüpfen. Publiziert wird auf 460 Websites, in 180 Print-Titeln und etwa 200 Apps. Nicht zu verachten ist die große Anzahl der externen „Contributors“, womit Autoren, Videoproducer und andere Externe gemeint sind – auch sie sollen Content in das CMS schaufeln dürfen. Darüber hinaus will IDG über Apollo auch Anzeigen besser handhaben, deren Sichtbarkeit erhöhen und sie gezielter streuen. Selbstredend liefert das CMS auch Daten für die eigene Analytics.

Interessanterweise hat IDG als traditioneller Publisher „statischer“ Bilder bei der Entwicklung des CMS auch einen Fokus auf Video-Content. Erst auf den zweiten Blick ist das nicht verwunderlich, denn alleine in den USA haben Videos von IDG inzwischen eine Verbreitung von über 100 Millionen Streams monatlich und tragen mit bereits sieben Prozent zum Umsatz bei. Das Wachstum beim Umsatz mit Videos liegt aktuell bei 50% jährlich.

Zipperkopf_GuteNachricht
Kommt der Trend der Eigengewächs-CMS bei großen Publishern jetzt bald nach Europa?
– Bernd Zipper

Gab es denn nun keine am Markt existierende Lösung, die die Anforderungen von IDG hätte erfüllen können? Bei Axel Springer hat man sich lieber an InterRed beteiligt. Bertelsmann ist in Sachen CMS der reinste Gemischtwarenladen. Aber blickt man über den großen Teich, so steht die proprietäre Eigenentwicklung Apollo nicht alleine. Andere große US-Verlage haben ähnliches gemacht, so etwa Forbes mit seinem Falcon-CMS oder das viel beachtete Chorus von Vox Media.

Alle größeren Publisher sind sich der essentiellen Bedeutung eines CMS als Rückgrat des Online-Publishing bewusst. Bei vielen Unternehmensgrößen machen offene CMS wie WordPress VIP oder Plattformen á la Pantheon ja Sinn, aber ab einer gewissen Größe wird es schwierig mit Performance und Skalierbarkeit und (finanziell stemmbare) Eigenentwicklungen werden zur Alternative. Dabei steht übrigens die Vereinbarkeit von Print-Content und Online-Content wahrlich nicht an erster Stelle der Prioritätenliste. Mal sehen, vielleicht schwappt der Trend der Eigengewächs-CMS ja bald auch zu uns herüber.

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