Was macht eigentlich Epsons Kampfansage an die Druckmaschinenhersteller?

17. Juni 2014, 14:55 Uhr | Meinung, Neues, Technik

Die Zukunft in vielen Bereichen des Druckens – von Office über kommerziellen Digitaldruck bis hin zu industriellen Anwendungen – gehört bekanntlich der Inkjet-Technologie. Dabei ist mir einer der großen Player in letzter Zeit ein wenig aus den Augen geraten. Das liegt daran, dass Epson in den typischen Onlineprint-Märkten im Gegensatz zu HP und anderen Digitaldruckherstellern eher in Nischen präsent ist. Dazu zählen der digitale Etikettendruck, wo Epson mit seinen SurePress-Maschinen positioniert ist, der Large-Format-Bereich, Fine Art Printing und der Textildruck.

Ebenso bekannt: Letztes Jahr stellte Epson seine neue Kern-Technologie für den Inkjet-Druck PrecisionCore (Whitepaper, PDF-Link) vor – eine von Heim- und Office-Anwendungen bis durchsatzstarkem Auflagendruck skalierbare Inkjet-Technologie, die nun auch bei den Etikettendruckern Einzug hält. Bereits 2012 hatte Epson-CEO Minoru Usui dazu starke Worte gefunden und einen Frontalangriff auf die traditionellen Druckmaschinenhersteller angekündigt. „Wir wollen den konventionellen Druck ersetzen – vollständig“, sagte er damals gegenüber dem Handelsblatt. Wie das zwei Jahre später aussieht, verdeutlichte er jüngst bei einer Factory-Tour für die internationale Presse im japanischen Nagano.

Prototyp eines autonomen, zweiarmigen Industrieroboters (Abb.: Seiko-Epson)

Prototyp eines autonomen, zweiarmigen Industrieroboters (Abb.: Seiko-Epson)

Bei dieser Tour listete Minoru Usui vier Hauptbereiche auf, in denen Epson nach seiner Restrukturierung nun sein Wachstum sieht: Projektoren, Wearable-/Sensorprodukte, Roboter und Druckmaschinen. Ok, Projektoren sind ein robustes Geschäft, bei dem Epson eigene Schlüsseltechnik hat und weiter wachsen kann. Bei Wearable und Sensorprodukten ist Epson bislang durch Produkte wie die Smart-Brillen Moverio BT-100 und -200 aufgefallen. Zudem sieht sich (Seiko-)Epson im entstehenden Markt der Wearables mit seinen Sensoren und Erfahrungen bei der Uhrenfertigung gut platziert. Und in der Druckbranche weniger bekannt ist Epsons bereits bestehendes Engagement bei Fertigungsautomatisierung und Industrieroboter. Hier kommt nun 2016 ein zweiarmiger Roboter auf den Markt, dessen Prototyp auf der Tour bereits zu sehen war.

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Starke Worte vom Epson-Chef, aber ich sehe noch nichts, was die „konventionellen“ Druckmaschinenhersteller erzittern ließe.
– Bernd Zipper

Beim vierten Kernbereich, den Druckanwendungen, will Epson aufgrund des langsameren Wachstums im Home- und Small-Office-Bereich verstärkt in den Bereich der kommerziellen Druckanwendungen gehen, womit Minoru Usui seine Aussage von 2012 zwar nicht so dramatisch wie damals wiederholt, aber doch bekräftigt. Laut ihm soll zukünftig alles mit Epson-Technik (be)druckbar sein – was mich wiederum an einen Aspekt der Neuausrichtung des „konventionellen“ Druckmaschinenherstellers Heidelberger erinnert. Jedoch sehe ich am Horizont noch nichts von Epson, was sich in den produktiven, für E-Business Print geeigneten Digitaldruck einreihen und die Druckmaschinenhersteller nun erzittern ließe.

Zu den Druckanwendungen zählt Epson offenbar auch der 3D-Druck, den die Firma von vornherein nur für kommerzielle Anwendungen und nicht für den Heimmarkt entwickeln will. Jedoch gibt es hierzu ebenso wenig wie für kommerzielle Druckmaschinen offizielle Ankündigungen. Im 3D-Druck will Epson in fünf Jahren mit ersten Geräten aufwarten und eine komplette Produktlinie in zehn Jahren anbieten können. Im Vergleich dazu wollte Hewlett-Packard ein wesentlich schnelleres Tempo vorlegen. Eine erste konkrete Produktankündigung im 3D-Druck verschob HP allerdings auf vorläufig Oktober 2014.

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