Cewe Color: Wie der Fotofinisher zum Onlinedrucker wurde – und Offset jetzt ein Wachstumstreiber ist

23. Juni 2014, 16:11 Uhr | Hintergrund, Meinung

In diesen Tagen hat Cewe Color die Marke von 30 Millionen produzierten Fotobüchern erreicht. Da lohnt ein Blick zurück: In der Firmenhistorie musste Cewe einen radikalen Wechsel von Analog auf Digital vollziehen, was mit dem Einzug der Digitalkameras zusammenhängt. Vom Markt der Fotofinisher-Labore alter Schule ist ja inzwischen kaum etwas übergeblieben. Schon vor mehr als zehn Jahren ging dabei eine Firma nach der anderen ein, darunter große Namen. Cewe hatte auch zu kämpfen, aber sich früher als die meisten Mitbewerber auf den Digitalmarkt eingestellt – vom POS bis in die Produktion. Dabei hat Cewe seit 2002 über 350 Millionen Euro in die Digitalisierung investiert. Einhergehend mit dem Wandel zum Digitalfoto hielt dort, in der Produktion, der Digitaldruck Einzug. Heute ist der Anteil des nach wie vor betriebenen Fotofinishing von Film nur noch marginal (aber er wird wie Vinyl in der Musikindustrie weiter überleben). Die Masse aber ist das Drucken von Fotoprodukten – und hier konnte sich Cewe schnell und auch dank seiner großen Präsenz im Handel (aktuell 34 000 POS) mit seiner Marke Cewe Fotobuch etablieren und auch massenhaft die entsprechende Bestell- und Gestaltungssoftware auf die heimischen Computer (und später auch Tablets) der Konsumenten bringen. Seit neun Jahren gibt es diese Marke, die 2012 bei 20 Millionen produzierten Fotobüchern lag und bis jetzt nochmals großes Wachstum hinlegte. Zu guten Teilen entstehen die Umsätze im E-Business Print. Cewe ist also auch ein Onlinedrucker. Ich meine, für Cewe war es entscheidend, schnell und umfassend auch in den Fotobuch-Markt eingestiegen zu sein. Denn nur Fotoabzüge nun digital zu drucken, war schnell nicht ausreichend – und wenig margenträchtig. Inzwischen schrumpft dieser Markt sogar. Die folgende Grafik der Suchanfragen nach dem Stichwort „Fotobuch“ zeigt deutlich, dass Cewe am Anfang eines sich entwickelnden Marktes eingestiegen ist.

Suchanfragen nach dem Stichwort "Fotobuch"

Suchanfragen nach dem Stichwort „Fotobuch“

Interessant an dieser Grafik ist auch, dass sie bereits im Jahr 2006 die deutlichen Jahresende-Spitzen in der Nachfrage zeigt. Während früher analoge Fotoabzüge schnell nach der Sommer-Urlaubssaison geordert wurden, verlagerte sich der Nachfragehöhepunkt nach der Digitalisierung an das Jahresende. In der Tat macht Cewe immer in den ersten zwei Jahresquartalen ein schlechtes Geschäft und verdient seine Brötchen erst in der zweiten Jahreshälfte und vor allem im letzten Quartal so richtig. Die aktuellen Jahre zeigen in der Suchanfragen-Grafik einen Rückgang. Dies ist aber nicht so zu interpretieren, dass die Anzahl produzierter Fotobücher ebenfalls zurückgeht. Vielmehr steigt die Nachfrage weiterhin, wenn auch nun deutlich langsamer als zuvor. Cewe Color ist dabei weiterhin deutlicher Marktführer in Europa, vor Namen wie Albumprinter oder Photobox. Im Wettbewerb auf dem Fotobuch-Markt sind inzwischen einige auf der Strecke geblieben, so meldete Koebcke Ende 2013 Insolvenz an. Andererseits rücken andere Marktteilnehmer etwas näher an Cewe heran: So hat Albumprinter, bekannt über seine europäischen Marken Albelli, Bonusprint, Önskefoto und Allfoto, jetzt die skandinavische Firma FotoKnudsen AS für 13,3 Millionen Euro übernommen. Hinter Albumprinter steht der nicht ganz unbekannte Onlineprint-Riese Vistaprint, der mit diesem Zug signalisiert, das Feld Fotofinishing Print weiter beackern zu wollen. Wie bei den jüngsten europäischen Übernahmen von Onlinedruckereien in Italien und den Niederlande hat sich Albumprinter/Vistaprint erneut eine gesunde und in ihrem Segment national führende Firma einverleibt.

zipperkopf BerdZipper_erkennend Wachstumstreiber Offsetdruck – und das bei einem Fotofinisher. Das geht nur mit einem E-Business Print Modell. – Bernd Zipper

Cewe Color hat inzwischen längst auch andere Fotoprodukte in sein Portfolio aufgenommen, so etwa Fotokalender. Aber auch mit dieser Line Extension sind zum einen die großen Saison-Ungleichheiten bei der Auftragslage geblieben und zum anderen das Ergebnis der börsengehandelten Firma unter Druck geraten. Das digitale Fotofinishing einschließlich Fotobuch und Co. schien immer weniger lohnend. Darauf hat Cewe mit Gründung und Kauf von Onlinedruckereien, die sich an Firmenkunden wenden, reagiert. Die Marken cewe-print und Saxoprint (weniger viaprinto) sollen das Geschäft über das Jahr stabilisieren und auch noch ordentlich wachsen. Besonders mit der Übernahme der Dresdener Saxoprint konnte Cewe hier an Umsatz zulegen. Und der ist nicht nur zugekauft, sondern seit der Übernahme auch noch kräftig gewachsen. Und so kam neben dem Digitaldruck auch der Offsetdruck zu Cewe – als Wachstumstreiber.

Über den Autor

0 Kommentare


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv