NFC: Akzeptanz steht und fällt nicht nur mit Mobile Payment

1. Juli 2014, 16:51 Uhr | Hintergrund, Meinung, Neues, Technik

Aktuelle Entwicklungen im Bereich Near Field Communication (NFC) stimmen mich zuversichtlich, dass alleine durch die Breite der Anwendungen diese kontaktlose Kommunikationstechnik sich etablieren wird. Haupttreiber der Entwicklung bleiben aber Smartphones und mobile Zahlungsmethoden mittels NFC. Das alleine reicht aber nicht, um NFC aus Konsumentensicht annehmbar zu machen. Auch für die Druckindustrie zeichnen sich Entwicklungen ab, die NFC als printed electronics für verschiedenste Applikationen interessanter machen. Das Hauptmomentum für den Durchbruch von NFC könnte aber aus China kommen.

Mobile Payment – die digitale Geldbörse im Smartphone – und NFC sind miteinander eng verknüpft und vielen scheint es, als ob die digital wallet der einzige Daseinszweck dieser Technologie sei. Da sich bis heute ein Standard für das mobile Bezahlen nicht wirklich etablieren konnte, wurde der NFC-Markt schon fast als ein wenig eingeschlafen betrachtet. Erschwerend für die Akzeptanz von NFC kommt hinzu, dass sich Apple allen Anschein nach gegen NFC entschieden hat. Es gab wenig Anzeichen, dass der iPhone/iPad-Hersteller irgendwann NFC in seine Mobilgeräte integrieren wird. Es gab. (Mehr weiter unten, wenn in China…)

Dabei hat sich NFC in Konsumentenhänden längst Anwendungen jenseits des mobilen Zahlens erobern können:

  • Die klassische Anwendung ist der Austausch von Daten zwischen zwei NFC-fähigen Smartphones. Die beiden Mobiltelefone werden dabei aneinandergehalten und tauschen miteinander vCards der Besitzer, Fotos, Videos oder Musik aus.
  • Statt Geräte-Kopplung per Bluetooth lassen sich zwei Devices auch mittels NFC koppeln, beispielsweise ein Headset mit dem Smartphone oder der Fernseher mit dem Tablet. Im wachsenden Markt der Wearables mit Fitnessarmbändern, intelligenten Laufschuhen und so fort wird das NFC-Koppeln noch häufiger eingesetzt.
  • Durchaus häufige Anwendung findet bereits das Steuern von Smartphone-Einstellungen via NFC-Tags. Diese erteilen dem Smartphone beispielsweise den Befehl, beim Betreten der Wohnung das WLAN zu aktivieren und es beim Verlassen wieder zu deaktivieren. Oder mittels Befehl vom selbst programmierten NFC-Tag wird Bluetooth und Internetradio-Streaming eingeschaltet, die Musik kommt dann aus einem Bluetooth-Lautsprecher.
  • Mobile Printing kommt gerade in Fahrt, die großen Hersteller von Office- und Home-Druckern verbauen in immer mehr Geräte die NFC-Chips.

Und nun kriegt NFC auch bei Mobile Payment so langsam Schwung. Zunächst einmal muss dafür ja auch erst einmal eine Infrastruktur entstehen – und für Sicherheit beim Zahlungsvorgang gesorgt werden. Letzteres scheint nun durch Host Card Emulation (HCE) bei NFC gelöst zu sein. HCE sorgt für den geschützten Bereich, der für einen gesicherten Zahlungsverkehr nötig ist. Google als Entwickler des Android-Betriebssystems hat HCE nun als Standard in der Android-Version 4.4 (Kitkat) implementiert. Das reicht aus, um nun Payment-Größen wie Paypal, MasterCard und Visa zur Unterstützung zu bewegen.

Zipperkopf_GuteNachricht
Setzt erst einmal Apple mit dem profitabelsten mobilen Ökosystem auf NFC, dürfte sich diese Kontaktlos-Technik endgültig etabliert haben.
– Bernd Zipper

Weltweit gesehen wird vor allem in der Volksrepublik China das Mobile Payment mittels NFC gepusht. Asien ist ohnehin an der Spitze des Mobile Payment und dabei ist China, alleine durch die schiere Masse der mobilen Internetnutzer, weit vorne zu sehen. Chinas Union Pay, die Kreditkartenorganisation dieses Landes (die mehr als ein Dutzend Banken in China vernetzt), setzt nun auf NFC als Payment-Basistechnik, unter anderem an über 3 Millionen POS-Standorten. Und hier kommt wieder Apple ins Spiel. Der iPhone-Hersteller hat nämlich mit China Union Pay einen Vertrag geschlossen, demnach die chinesische Payment-Software auf den iPhones in Passbook arbeiten soll. Es ist also damit zu rechnen, dass Apple mit dem iPhone 6 nun doch NFC einführt. Und setzt erst einmal Apple mit dem profitabelsten mobilen Ökosystem auf NFC, dürfte sich diese Kontaktlos-Technik endgültig etabliert haben.

Gegenüber der ergänzenden, komplementären und gegensätzlichen Technik iBeacons/BLE (je nach Einsatz und Standpunkt) hat NFC den Vorteil, dass „Sender“ ohne eigene Stromversorgung auskommen können. Die nötige Energie zur Datenübertragung liefert das Gegengerät. Dafür ist der „Kontakthof“ gerade mal bis zu 4 Zentimeter groß. Eine größere Distanz unterbricht die Datenübertragung. Für gedrucktes NFC ist die Unabhängigkeit von einer Stromversorgung allerdings ein begünstigender Umstand, und hier liegen auch Chancen für die Druckindustrie in der nächsten Zukunft. Verfahren mit per Inkjet gedruckten NFC-Antennen sind längst in der Entwicklung beziehungsweise in der Einführung. Andere Anwendungen mit NFC als printed electronics verleihen Funktionalitäten wie beispielsweise die Temperaturmessung. Und die bislang eingeführten NFC-Lösungen für Druckanwendungen – beispielsweise die vielzitierten Visitenkarten – werden durch die steigende Akzeptanz in den Massen-Anwendungsfeldern ebenfalls populärer werden.

Übrigens: Ein britischer Onlinedrucker konzipiert bereits verschiedene Druckprodukte mit NFC für Konsumenten und Small Business Kunden, die mit „coolen Anwendungen“ überzeugt werden sollen – konfigurierbar und personalisierbar im Onlineprintshop.

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