Vistaprint erweitert Markt: Individuelle Promo-Artikel für die Welt

8. Juli 2014, 11:55 Uhr | Neues, Technik

Seit kurzem ist der Onlinedruck-Riese Vistaprint mit dezidierten Onlineshops für Promo-Artikel aktiv. In den vorläufig drei Landessprachen Englisch, Spanisch und Französisch können Kunden bereits Artikel aus Segmenten wie Textilien, Taschen, Büroartikel oder Sport/Freizeit ordern. Ich habe mir die Promoartikel-Shops angesehen und mit den Geschäftsmodellen des E-Business Print verglichen. Und es stellt sich die Frage: Lohnt dieser Markt?

Noch sind die Shops für Kunden aus den USA, Großbritannien, Kanada und Frankreich als „Beta“ gekennzeichnet, doch nach meinen Eindrücken steht das Grundgerüst schon. Benannt sind die Shops mit „PromoSpot by vistaprint“ und es ist bereits eine umfassende Produktauswahl vorhanden. Der Editor mit Uploader für Grafikdateien ist der Zielgruppe gemäß sehr einfach gehalten. Ich rechne jedoch mit einem weiteren Funktionalitätsausbau vor allem beim Texteditor. Produkttypische Besonderheiten wurden bereits berücksichtigt: Bei Aufstickereien beispielsweise liefert die Vorschau eine passende „gestickte“ Ansicht. Insgesamt ist das Shopkonzept aber bereits gut durchdacht, auch wenn es noch einige Fehlerquellen gibt. Und es erinnert nicht an einen Onlineprintshop.

Elemente wie die Vorschau einer Stickerei setzt Vistaprint bereits in seinem normalen Onlineshop ein.

Elemente wie die Vorschau einer Stickerei setzt Vistaprint bereits in seinem normalen Onlineshop ein.

Vistaprint wendet sich mit seinen PromoSpot-Shops vornehmlich an Geschäftskunden, klammert dabei bemerkenswerterweise Promoartikel aus dem Schreibwarensegment aus, zumindest in den bestehenden Beta-Shops. Bekanntermaßen steckt Vistaprint viel Geld in Suchmaschinenmarketing, das dürfte bei PromoSpot nicht anders sein. Und mit einigen Produktsegmenten hat die Firma bereits entsprechende Erfahrungen gesammelt, da diese ebenfalls im Vistaprint-Shop angeboten werden. Das gilt insbesondere für den Textildruck und die Textilbestickung. Hier kann Vistaprint in PromoSpot schon bestehende Frontend- und Backend-Techniken (beispielsweise das Rendern der erwähnten Vorschau von Aufstickereien) einsetzen, hat bereits eine Logistik aufgebaut und Erfahrungen im Onlinemarketing gesammelt.

Zipperkopf_Abschätzend
Die Shoplogik im Bereich der Promo-Artikel sollte auch Betreibern von Onlinedruckshops vertraut vorkommen.
– Bernd Zipper

Der Werbeartikelmarkt in Deutschland wird auf 3,4 Milliarden Euro geschätzt, europaweit erreichen die Umsätze etwa 12 Milliarden Euro. Im Unternehmensbereich besonders gefragt sind dabei Schreibwaren, Textilien und Sonderanfertigungen jeglicher Art. Viele der Werbeartikel werden bedruckt und auch in dieser Branche macht sich ein Trend hin zur Individualisierung, beispielsweise zur persönlichen Kundenansprache, bemerkbar. Das sind beides Faktoren, die einem Onlineprint-Business nahekommen. Große Bereiche des Schreibwarensegments sind einfach konfigurierbare Druckprodukte und Individualisierung beziehungsweise Mass Customization ist bei Onlineprintshops mit Editoren gang und gäbe. Insofern ist die Shoplogik auch normalen Druckdienstleistern im B2C- und KMU-Onlinegeschäft recht vertraut.

Als große Mitbewerber der PromoSpot-Shops sehe ich hierzulande beispielsweise Spreadshirt. Die international agierende Firma aus Leipzig ist mit dem T-Shirt-Druck und einem umfassenden Affiliate-Shop-Netzwerk groß geworden und ebenfalls mit Accessoires wie Taschen oder Rucksäcke unterwegs. 2013 erreichte das Unternehmen einen Umsatz von 72 Millionen Euro. Zwar hat Spreadshirt eine starke Ausrichtung auf Konsumenten, aber genügend auf KMU-Kunden spezialisierte Partnershops. Und erst seit kurzer Zeit hat Spreadshirt eine eigene Business-Marke namens Yink für Großkunden am Laufen.

In den USA dürfte Vistaprint im Promo-Bereich eher Firmen wie Cafepress im Auge haben. Die Mass Customization Größe ist zwar mit fast 250 Millionen US-$ Jahresumsatz am Expandieren, aber momentan auch in der Verlustzone. Auch Onlineshops wie der von 4imprint dürften unter Druck kommen. Der Schritt in den Markt der Promotional products ist meiner Meinung nach für Vistaprint ein naheliegender. Es gibt eine gewisse Überschneidung mit dem bereits bestehenden Geschäft, und außerdem hat Vistaprint genau analysiert, wie in diesem Markt der Promo-Artikel Geld verdient werden kann.

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