Veredelung für Onlinedruckshops: Metallfarben drucken bereits ab Auflage Eins

15. Juli 2014, 15:38 Uhr | Hot/Flop, Neues, Technik

Mit diesem Beitrag starte ich heute eine kleine Serie in lockerer Folge über Veredelungsoptionen, die sich für Onlinedruckshops anbieten. Mit Veredelungsoptionen werden Druckprodukte aufgewertet, sind individueller und fallen mehr auf. Oftmals ist das Anbieten von Veredelungsoptionen wegen der Vielfalt der Möglichkeiten, den technischen Besonderheiten und den daraus entstehenden Anforderungen an die gelieferten Druckdaten ein beratungsintensiveres Geschäft als Dienstleistungsangebote mit Standard-Druckprodukten. Betreiber von Onlineprintshops stellt dies vor besondere Herausforderungen. So muss das Veredelungsangebot im Shop oder Druckportal „transportierbar“ sein, dort shoptechnisch funktionieren und auch erläutert werden. Und auch produktionstechnisch muss das Veredelungsverfahren passen. Einer Veredelung einzelner Aufträge im Sammelbogen beispielsweise sind logischerweise enge Grenzen gesetzt. Viele typische Onlinedruckprodukte werden in Kleinauflagen gefertigt, was dem Veredelungsaufwand Grenzen bei der Wirtschaftlichkeit setzt.

Mein heutiger Beitrag widmet sich nun vor allem der gestern offiziell eingeführten DM-Liner (Digital Metal Liner) Transfermaschine des Fürther Heißprägefolientechnik-Herstellers Kurz. Diese Transfermaschine sorgt im Digitaldruck für Metallfarbeffekte in Gold, Silber, Regenbogendiffraktion oder mit holographischen Strukturen. Die Maschine für Bogendruckpapiersubstrate lässt sich auch in Kleinauflagen und Personalisierungen wirtschaftlich einsetzen, kann die digitalen Druck-Präge-Jobs schnell wechseln und ist bei 5 bis 30 Meter/Minute vergleichsweise schnell. Die einsetzbaren Formate reichen von A4 bis 390 mal 500 Millimeter.

Goldene Digital-Meta-Veredelung (Abb.: Kurz)

Goldene Digital-Metal-Veredelung (Abb.: Kurz)

Der Ablauf des Digital-Metal-Verfahrens geht wie folgt: Das Metallic-Design wird mit Trocken- oder Flüssigtoner in einer Digitaldruckmaschine gedruckt, worauf sich im DM-Liner das Aufbringen der Metallic-Folie unter thermischer Einwirkung anschließt. Nach Entfernen der Trägerfilms verbleibt die Metallic-Schicht auf der Trocken-/Flüssigtonerschicht und kann später überdruckt werden. Das weitere Bedrucken ist mit Offset oder Digitaldruck möglich. Als Bedruckstoff sind gestrichene Bilderdruckpapiere und -kartons am besten geeignet. Nicht geeignet sind Substrate aus Kunststoff. Für die Verbrauchsmaterialien bietet Kurz ein „Pay-per-Stamp“-Modell an, bei der nur nach verbrauchter Folie berechnet wird.

Die DM-Liner Transfermaschine (Abb.: Kurz)

Die DM-Liner Transfermaschine (Abb.: Kurz)

In Onlinedruckportalen können die Designvorgaben für den Einsatz des DM-Liners ähnlich kommuniziert werden wie eine partielle Lackierung. Und im breiten Einsatzspektrum bieten sich die Metalldruck-Veredelung für viele Onlineprint-Produkte an, so etwa für Flyer, Broschüren, Grußkarten, Einladungen oder Visitenkarten. Einer der Pionierkunden, mit denen Kurz bei der Entwicklung zusammengearbeitet hat, ist CEWE Color. Am Digitaldruck-Standort Mönchengladbach wurde die DM-Liner-Transferdruckmaschine bereits im Zusammenspiel mit der Fotobuch- und Akzidenzproduktion eingesetzt. Beispielsweise wurde die Coverseite des Magazins Co-Reach auf die Namen der Abonnenten in Metallfarbe personalisiert. Noch nutzt CEWE die Transfermaschine für Druckaufträge von einzelnen Profikunden, ist aber dabei, die Metalleffekte-Optionen für cewe-print sowie Endkunden der CEWE Fotowelt vorzubereiten. Auch bei der Wolf-Gruppe aus Ingelheim ist die Digital-Metal-Technik bereits im Einsatz.

DM-Liner: Ansicht auf der Azsgabeseite (Abb.: Kurz)

DM-Liner: Ansicht auf der Ausgabeseite (Abb.: Kurz)

Metallic-Druckeffekte sind im Angebot von Onlinedruckereien nichts Neues. Es gibt eine ganze Reihe Shops, die Sonderdruckfarben, worunter auch Metallic-Farben fallen, im Angebot haben. Ein paar haben sich sogar darauf spezialisiert. Dabei sind die Rüstzeiten oftmals ein Problem; Auftragsbündelungen führen zu längeren Lieferzeiten. Nur wenige Online-Anbieter setzen auf die herkömmliche Heißfolienprägung.

Inline-Lösungen in Digitaldruckmaschinen sind ebenfalls im Angebot, sowohl bei den Tonerverfahren wie im Inkjet. Metallfarben als weitere Farbstationen zu den Prozessfarben sind bei verschiedenen HP Indigo Modellen möglich, auch die Kodak Nexpress-Systeme (Trockentoner-Verfahren) ermöglichen seit letztem Jahr den Einsatz einer Metallic-Farbe im fünften Farbwerk.

Veredelung für Onlinedruckshops
Zweiter Teil: Der „halbe Farbschnitt“ und Extra-Dicke im Trend
Dritter Teil: 3D-Moiré-Effekt auf transparenten Medien

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Michael Schelhorn

    19. August 2014

    Kurzes Update zu Cewe: Deren Onlinedruckerei Viaprinto bietet Digital Metal mittlerweile im Onlineshop an.


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