Curiyo auf beyond-print testen, Katalog-Belebung, Meteo Terrorismo und Balsam für Print-Affine

1. August 2014, 14:38 Uhr | Hot/Flop, Meinung, Neues

Auf dem Mars soll der Curiosity-Nachfolger bald mit der Sauerstoff-Produktion anfangen, auf beyond-print können Sie einstweilen schon jetzt das namensähnliche Curiyo testen. Außerdem: Es gibt jetzt ein Proof-of-concept, dass mit Amazon der größte Online-Retailer auch das Zeug zum Onlineprintshop hat. Und: Print-Kataloge haben ein digital angereichertes Revival. Dies und mehr in den Links zum Wochenende.

Zeitungsverleger hätten gerne einen geschlossenen Kosmos ihrer Online-Titel im Internet, damit die Leser zwar möglicherweise über Google zu ihnen finden, aber dann doch bitte da bleiben und nicht woanders hin navigieren. USA Today probiert dafür seit kurzem eine Browser-App namens Curiyo in ausgewählten Artikeln aus. Die App ermöglicht auf einen langen Klick auf ein beliebiges Wort, Zusatzinformationen zum betreffenden Begriff in einem Popup-Fenster auf der Website einzublenden. Zugegriffen wird dabei auf enzyklopedische Web-Inhalte ebenso wie auf dynamischen Content wie von Google News oder aus Twitter-Streams. Mit den so bereitgestellten Zusatzinfos versucht USA Today, die Leser länger auf der Website zu halten. Das Ganze ist sehr dezent gehalten: Auf Mouse-over-Aktionen wird nur bei getaggten Begriffen ein kleines Fragezeichen eingeblendet, aber auch auf das Taggen kann man bei normalen Websites verzichten. Für Blogger gibt es von Curiyo auch ein WordPress-Plugin, das wir zum Ausprobieren auf beyond-print.de installiert haben. Falls Sie beispielsweise nicht wissen, was Abibliophobia ist, klicken Sie doch einmal lang auf das Wort.

Amazon3DDruckshop

Amazon hat in den USA einen eigenen Shop für individualisierte 3D-Druck-Produkte gestartet. In einem Online-Editor können Nutzer Eigenschaften wie Form und Farbgestaltung individualisieren sowie bei einzelnen Produkten auch eigene Aufdrucke definieren. Zum Start stellt der Shop etwas über 200 Produkte bereit, das Angebot soll aber zügig weiter ausgebaut werden. Gefertigt werden die 3D-Druck-Produkte dann bei 3D-Druckfabriken wie Sculpteo, Mixee Labs oder 3DLT. Ich finde, was Amazon für 3D-Produkte umsetzen kann, könnte ohne weiteres auch für einfache (2D) Drucksachen passieren.

Katalog-Belebung: Gedruckte Kataloge wurden ja schon wiederholt totgesagt – jetzt sind sie eine der Lieblingsspielwiesen für Augmented-Reality-Anwendungen. In Großbritannien hat der dortige große Off- und Online-Retailer Argos aus der Home Retail Group seinen gedruckten Katalog mit seiner App mittels AR-Technik verknüpft. Für über 300 Produkte werden durch einen Katalog-Scan mit der neuen App-Funktion Argos Scan AR-Inhalte wie 3D-Modelle, Videos und mehr für Tablets und Smartphones angeboten. In der Reichweite dürfte dies eines der größten AR-Projekte in Großbritannien sein, die App ist bereits über 8 Millionen mal installiert worden. Für die AR-Umsetzung wurde das SDK von HP Aurasma eingesetzt. Derweil ist die nächste Ausgabe der Ikea-App mit AR-Technik für den Ikea-Katalog 2015 mitten in der Fertigstellung und soll noch diesen Monat erscheinen. Welche neuen Funktionen sie zu bieten hat, weiss locationinsider zu berichten. Und um das ganze AR-Thema noch abzurunden: Nora Burgard von Meedia hat acht schöne Beispiele in Text und Video dafür zusammengestellt, wie Printmedien mit Augmented Reality (und Immersive Journalism) Brücken in die digitale Welt schlagen.

Meteo-Terrorismo: Das Digitale ist gerne das Feindbild traditioneller Geschäfte. Das finden jetzt auch italienische Badeorte, die sich durch die Wetter-Apps um einen Teil ihrer Gäste gebracht sehen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Selbst wenn es nur un pochino regnet, blieben so manche Bedefreunde aus (die italienischen Museen wird es hingegen freuen). Nun will mit Riccione der erste Badeort digital dagegen halten und seine eigene, sonnige Wetter-App auf den Markt bringen.

Balsam für Print-Affine: Thomas Koch kommentiert in W&V eine brandeins-Debatte um Online-Werbung. Online-Werbung soll stören und nerven? Tut sie, ja. Nur weiter so, dann dürfen Print (und TV) sich „in aller Gelassenheit wieder zurücklehnen“. Ich bin aber dennoch der Meinung, dass sich die Druckindustrie strategisch vom Werbegeschäft unabhängiger machen muss.

In den letzten Wochenend-News hatte ich einen reichlich misslungenen t3n-Artikel über aussterbende Berufe aufgegriffen, demnach zu diesen die Drucker gehören. Diese Woche will ich da nochmal mit zwei Links dagegen halten: print.de schreibt über Nachwuchsmangel in der Druckindustrie und der Swiss Job Index weiß für die Eidgenossen zu berichten, dass gegen den allgemeinen Trend mehr Stellen in der Verlags- und Druckbranche ausgeschrieben sind.

Sonntag, den 3. August, um 10:14 Uhr jährt es sich übrigens zum 30sten mal, dass die erste E-Mail in Deutschland eintraf. Auch von beyond-print können Sie E-Mails erhalten: Mein Newsletter lässt sich hier bestellen.

 

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