US-Onlinefotodrucker Shutterfly: Gerüchte über Verkauf, Wachstum mit einkalkuliertem Verlust

5. August 2014, 14:41 Uhr | Hintergrund, Meinung, Neues

Die US-Größe im Online-Fotodruck Shutterfly hat das 54ste Quartal in Folge mit Umsatzwachstum beeendet, das allerdings auf Kosten des Ertrags. Jetzt gibt es erstmals Verkaufsgerüchte um das börsennotierte Unternehmen, wie Bloomberg berichtet. Shutterfly will sich angeblich hübsch machen für eine Übernahme durch eine Internet-Größe, Namen wie der von Amazon sind im Gespräch. Bei einer Übernahme wäre ein Markteintritt in Europa die naheliegende Folge.

(Abb.: Shutterfly Homepage 5.8.14)

(Abb.: Shutterfly Homepage 5.8.2014)

Shutterfly und seine Tochterfirmen sind fast ausschließlich im Konsumentengeschäft tätig und haben einen Schwerpunkt auf Personalisierung mit Foto-Produkten wie Fotobücher, Kalender, Grußkarten, Handyhüllen und Tablet-Cases. Bislang produziert das Unternehmen nur in den USA und kam dort 2013 auf einen Jahresumsatz von 783,6 Millionen und in den letzten vier Quartalen auf 829,7 Millionen US-Dollar.

Das Wachstum von Shutterfly hatte nicht nur in letzter Zeit Priorität – auf Kosten des Ertrags, der jetzt wieder einmal negativ ist. Wie ich schon seit längerem beobachte, unterliegt aber das Geschäft von Shutterfly starken saisonalen Schwankungen, ähnlich der Fotobuch-Produktion von Cewe Color. Der Hauptumsatz wird im vierten Jahresquartal erzielt und in dieser Zeit wird auch der (knappe) Jahresgewinn eingefahren, während die drei anderen Quartale mit Verlust und deutlich niedrigeren Umsätzen abgeschlossen werden. So läuft das schon seit Jahren. Die Firma will weiter wachsen und hat gerade erst einen neuen Standort für 329 weitere Vollzeitbeschäftigte plus etliche Teilzeitjobs in Betrieb genommen. Allerdings ist für dieses Geschäftsjahr auch der erste Jahresverlust seit dem Börsengang absehbar.

Seit November 2012 läuft bei Shutterfly, das erst 2006 an die Börse ging, ein Aktienrückkaufprogramm. Für mich ist das ein Indikator, dass das Unternehmen entweder strategische Beteiligungspartner sucht oder sich möglicherweise ganz zum Verkauf stellen will. Nun weiss Bloomberg zu berichten, dass Shutterfly zusammen mit Qatalyst Partners LLC erwägt, einen Käufer zu suchen. Laut der Quellen von Bloomberg sei Shutterfly dabei an Firmen aus dem E-Commerce-Bereich, aber auch Private Equity, interessiert. Der Zeitpunkt könnte nicht schlecht gewählt sein, denn große US-Internetfirmen wie Facebook, Google oder eben Amazon halten Milliardenbeträge für die Übernahme von anderen Firmen bereit.

Zipperkopf_erkennend
Eine Internationalisierung, also Ausweitung des Geschäfts auch auf Europa, ist für ein Unternehmen der Größenordnung von Shutterfly fast zwangsläufig.
– Bernd Zipper

Der potentielle Käufer müsste das dringende Problem der saisonal ungleichen Umsätze ausgleichen können. Drei von vier Quartalen hat das Geschäft von Shutterfly eine Unterauslastung – das kann auf Dauer nicht weiter gut gehen. Die strategischen Erweiterungen bei Mobile E-Commerce und Photo Sharing (Kodak Gallery, Photoccino,…) haben dem bislang auch nicht entgegengewirkt. Dann müsste Shutterfly zusehen, wie mehr Männer als Kunden gewonnen werden. An die 80 Prozent der Kunden sind bislang weiblich. Eine Erweiterung des Geschäfts auf den B2B-Bereich in den umsatzschwächeren Quartalen hat Shutterfly bereits angegangen, bei unter 20 Millionen US-Dollar Umsatz im B2B ist da aber noch viel Luft nach oben. In Europa verfolgen Onlinedrucker mit Konsumentenfokus wie Vistaprint und Cewe Color eigene Strategien der B2B-Geschäftserweiterung, worüber ich hier und hier bereits berichtet habe. Und bei einer E-Business-Firma dieser Größenordnung steht eine Internationalisierung Richtung Asien und Europa fast schon zwangsläufig an. Andere Player wie mimeo.com haben längst ihre Fühler auch auf den europäischen und deutschsprachigen Bereich ausgestreckt.

Um jetzt noch einmal den Namen Amazon hervorzuholen: Dass der weltgrößte E-Retailer sich bereits in Personalisierung bzw. Mass Customization von Produkten ausprobiert, ist längst klar. Erst letzte Woche eröffnete Amazon vorläufig in den USA und in Zusammenarbeit mit Partnern einen 3D-Druckshop mit Editor für Endkunden. Shutterfly´s CEO Jeffrey Housenbold, der übrigens vormals bei Ebay wirkte, äußerte bereits Anfang 2013 seine Befürchtungen hinsichtlich der Internet-Größen einschließlich Amazon: „Die Frage ist, bauen sie ihre eigenen Stores, oder versuchen sie Shutterfly zu kaufen?“ Für zweiteres zeigt sich Shutterfly nun offen.

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