Offline-Marketing für Onlinedruckereien: Musterboxen, Leistungsschau-Kataloge, Veredelungsmarke

7. August 2014, 16:00 Uhr | Hintergrund, Hot/Flop

Mag die Druckwelt auch zunehmend online gehen, was ich ja ausdrücklich unterstütze, so lassen sich etliche Druckprodukte in Online-Medien nur eingeschränkt darstellen. Das geht schon beim Papier los (siehe dazu diesen Beitrag auf dem Blog der EPOS Studie), wird aber noch mehr erschwert bei Dreidimensionalität und Haptik von Druckerzeugnissen. Praktisch jeder Onlinedruckshop, der sich an professionelle Kunden wendet, hat daher Papiermuster und Druckbeispiele auf good old paper, damit der Kunde – und dessen Kunden – etwas in der Hand hat. Folgend möchte ich Ihnen vier Beispiele vorstellen, die zeigen, wie (Online)druckereien dies erfolgreich umsetzen:

Wolf-Manufaktur Musterbox

Wolf-Manufaktur Musterbox

Wer sich so auf Druckveredelung konzentriert wie die Wolf-Manufaktur aus Ingelheim, kommt an einer Offline-Präsentation seiner Produktionsmöglichkeiten gar nicht herum. Die besonderen Eigenschaften der druckveredelten Produkte lassen sich in einem Onlinemedium gar nicht hinreichend darstellen. Die Wolf Musterbox ist daher schon seit längerem im Einsatz und hat viel Beachtung und etliche Auszeichnungen (Printstars, red dot design award, IF Communication Design Award, u.a.) einheimsen können. Auf einzelnen Präsentationskarten werden Kombinationen von Veredelungstechniken wie Letterpress, Farbschnitt, Formstanzung, Laserstanzung, partieller UV-Lack, Heißfolienprägung oder Blindprägung dargestellt – auf der Vorderseite mit einer durchgehenden Motivsprache, auf der Rückseite mit Informationen zu den Verfahren. Außerdem enthält die Rückseite einen QR-Code, der zu einer themenspezifischen Unterseite der Wolf-Website führt. Momentan ist die etwa 90 Euro teure Musterbox allerdings ausverkauft.

Blackbox und Whitebox von Laserline

Blackbox und Whitebox von Laserline

Ebenfalls seit Jahren ist Laserline aus Berlin mit abgestimmten Muster-Boxen aktiv. Drei Dinge sind hier besonders auffällig: Laserline betreibt mit seinen Boxes a) Kundenaufklärung, b) indirekte Auftragsgewinnung und c) eine enge Verzahnung mit den Inhalten des Onlinedruckshops. Die Mustermappen gibt es in zwei Varianten. Die Black Box gibt es in einer normalen und einer Premium-Version, die neben wahrlich umfangreichen bedruckten Papierkollektionen (auch hier mit QR-Code zur jeweiligen Position im Onlineshop) noch weitere Materialien wie ein 130-Seiten-Handbuch mit Hinweisen zur Druckdatenerstellung enthält. Will der Laserline-Kunde gegenüber seinen eigenen Kunden mit nicht von Laserline gebrandeten Mustern auftreten, damit diese keine Rückschlüsse auf den Druckdienstleister ziehen kann, bietet das Berliner Unternehmen dafür auch noch eine Whitebox Premium an. Während Laserline die Blackbox „subventioniert“ und für 35,- Euro brutto (55,- Euro Premium) anbietet, kostet die Whitebox Premium 95 Euro. Es gibt auch eine Kombination von Blackbox und Whitebox Premium zu 115 Euro.

Digitaldruck-Katalog 2014/2015 von Colour Connection

Digitaldruck-Katalog 2014/2015 von Colour Connection

Einen deutlich anderen Weg wählte die Digitaldruckerei Colour Connection GmbH aus Frankfurt, die online mit dem Shop printweb.de präsent ist. Hier entschieden sich die Marketing-Verantwortlichen für eine Leistungsschau mit einem kostenfreien Ideen-Katalog, der anhand von über 500 realisierten Kundenprojekten die Vielfalt der produzierbaren Druckprodukte vorführt. Dabei werden auch ganz konkrete, auflagengestaffelte Preisangaben gemacht. Der 270 Seiten starke Digitaldruck-Katalog vermittelt einen guten Eindruck des Leistungsumfangs von Geschäftsausstattung über Broschüren, Werbemittel, Verpackungen, Bücher, Kalender, Etiketten, Großformat bis hin zu starren Bedruckmaterialien. Ach ja, einen Papiermusterfächer und eine Materialmusterbox kann man bei printweb.de aber auch bestellen.

Das "flache" Onlinemedium kann Druckveredelungen wie diese 3D-Spotlackierung nur unzureichend darstellen.

Das „flache“ Onlinemedium kann Druckveredelungen wie diese 3D-Spotlackierung nur unzureichend darstellen.

Musterbox von Dürmeyer Black Label

Musterbox von Dürmeyer Black Label

Mein viertes Beispiel ist eines, bei dem eine Druckerei aus Hamburg eine Veredelungstechnik als Marke in Szene setzt. Bevor ich das hier weiter beschreibe – so eine Markengebung finde ich eine wunderbare Idee. Das gefällt mir besser als eine schnöde, techniklastige Kommunikation und macht das eigene Angebot differenzierbarer. Die Druckerei Dürmeyer hat jedenfalls eine MGI Jet Varnish 3D installiert, mit der sie Druckprodukte mit einer UV Spotlackierung in mehreren Schichten „3D“-veredeln kann. Diese technische Druckveredelungsmöglichkeit, gepaart mit der Kreativität aus der eigenen Druckvorstufe im Umgang damit, vermarktet die Firma als „Dürmeyer Black Label“ (die Versalschreibung erspare ich mir jetzt). Passend dazu haben die Hanseaten eine schwarze Präsentationsbox entwickelt, die Beispiele dieser Veredelungstechnik enthält. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass Dürmeyer das auch noch in einem Onlinedruckshop vermarktet…

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Ralph Hadewm

    8. August 2014

    Und trotzdem bleibt jeder noch so schöne Musterfächer hinter den faszinierenden Möglichkeiten zurück, die das Medium Papier bereithält. Ein immerwährender Wettlauf, den wir jeden Tag verlieren, wenn wieder ein sinnliches, haptisches Produkt auf einem Material entsteht, dass wir bisher noch gar nicht unter den Fingern hatten.

    @ Bernd Zipper: Wann führt der Weg mal in den Frankfurter Osten?


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