Veredelung für Onlinedruckshops, Teil 2: Der „halbe Farbschnitt“ und Extra-Dicke im Trend

11. August 2014, 14:44 Uhr | Hot/Flop, Technik

Im zweiten Teil meiner Serie über geht es um eine Veredelung, die streng genommen keine ist, aber dennoch edel aussieht. Seit einem guten Jahr erfreuen sich besonders dicke Visitenkarten mit mehreren verschiedenfarbigen Schichten zunehmender Beliebtheit. Der Name des dabei verwendeten Papiers selber ist eher den Anbietern bekannt, die die damit angebotenen Onlinedruck-Produkte teilweise unter eigenem Namen vermarkten. Bei zwei Marken ist dabei „Luxe“ dabei Namensbestandteil. Was hinter diesem Trendprodukt steckt, erfahren Sie im Folgenden.

((Abb.: moo.com)

((Abb.: moo.com)

Seit es Mitte letzten Jahres auch einen Vertriebspartner im deutschsprachigen Raum gibt, sind Produkte mit den Papieren der Multiloft-Reihe zunehmend auch hiesigen Onlinedruckshops zu finden. Doch die Geschichte dieses Papierprodukts begann bereits früher in einer britisch-amerikanischen Kooperation mit drei Beteiligten. Die US-Firmen Convertible Solutions und Mohawk entwickeln ab 2010 eine Sandwich-Lösung, bei der drei, vier oder mehr Papier- und Insertschichten nach dem Druck direkt in der Schneidmaschine durch den Druck mit dem Pressbalken miteinander verklebt werden.

Auf diese Weise kann man das fertige Produkt mit einem Farbkern, bestehend aus den auf Anpressdruck selbstklebenden Inserts, versehen. Der ist natürlich erst bei höheren Grammaturen so richtig augenfällig, weshalb die Multiloft-Papiere zusammen ein Flächengewicht von 600 Gramm/qm und mehr erreichen können – mehr als doppelt so viel wie bei üblichen Visitenkarten. In der Produktion ist dabei keine zusätzliche Fertigungsstation nötig, lediglich beim Schneiden (mit mindestens 3 Tonnen Andruck) empfiehlt Convertible Solutions Doppelschnitte. Dieses Video zeigt den Produktionsablauf:

Als Multiloft dann langsam vermarktungsfähig wird, kommt der britische Onlinedrucker moo.com ins Spiel. Der testet die farbigen Inserts mit verschiedenen Papieren beim Drucken auf einer HP Indigo und beim Beschneiden, überlegt sich eine Vermarktungsstrategie und bringt schließlich Anfang 2013 für seine Visitenkarten die Marke „Luxe“ heraus. Die Marke bietet standardisiert ein Visitenkartenformat, eine Papiersorte (Mohawk Superfine) und vier Kernfarben an. Später kommen noch weitere Druckformate (Minicards, Briefpapier, Postkarten, Briefkarten) hinzu. Angesichts der vielen Kombinationsmöglichkeiten, beispielsweise sind beim europäischen Vertriebspartner dreizehn Farben für die Inserts wählbar, erscheint dieses Angebot ein wenig knapp, ist aber wohl zugunsten einer möglichst automatisierten Produktion, Sammelbogen-Tauglichkeit und schnellen Lieferbarkeit zusammengestallt worden. Ein Einführungsvideo von moo.com zu den Luxe-Visitenkarten erklärt das Produkt nun ganz ohne viel technischen Schnickschnack und ohne auf den Druck- und Weiterverarbeitungsprozess einzugehen:

Binnen weniger Wochen werden die Luxe-Visitenkarten in den europäischen moo-Shops ein beliebtes Produkt, was natürlich auch anderen Onlinedruckern auffällt. Schon bald wird daher auch in Onlinedruckereien im deutschsprachigen Raum mit diesem Sandwich-Papier probeproduziert, drei Monate später taucht das erste Angebot einer deutschen Onlinedruckerei im Web auf. Auch diese versieht das Produkt mit einem Markennamen und lässt diesen Mitte 2013 als Wortmarke schützen. Manche Anbieter führen das Produkt nur in einer Basiskonfiguration, andere bieten mehrere Kernfarben und verschiedene Papiere an.

Ausgeschöpft ist das Thema meiner Ansicht nach aber noch nicht. Und so richtig offensiv vermarktet bislang auch nur moo.com das Produkt. Die Variations- und Kombinationsmöglichkeiten sehe ich bei keinem Onlineprintshop auch nur annähernd für ein Alleinstellungsmerkmal (etwa in Abgrenzung zu moo.com) genutzt und ich habe noch kein Angebot gesehen, dass weiße Inserts mit farbigen Papieren oder solchen mit besonderer Oberflächenveredelung kombiniert. Es wäre also noch reichlich Gelegenheit zur Differenzierung des eigenen Angebots mit der Multiloft-Lösung.

Veredelung für Onlinedruckshops
Erster Teil: Metallfarbe drucken bereits ab Auflage 1
Dritter Teil: 3D-Moiré-Effekt auf transparenten Medien

Über den Autoren

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. Er ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus). ---- Founder and CEO of zipcon consulting GmbH, a leading consultancy for the printing and media industry in Central Europe. He initiated the E-Business Print Online Studie (EPOS) and acts - in addition to his consulting activity - as an author, lecturer, speaker and moderator. See his profiles on Xing, LinkedIn and GooglePlus.

0 Kommentare


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Hinterlasse eine Antwort


*

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2014 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv