Parkscheibe mit Autofinder: Clevere Anwendung eines Druckprodukts mit NFC und einer App

13. August 2014, 15:38 Uhr | Hot/Flop, Meinung, Neues, Technik

Leihwagen, fremde Stadt, eiliger Termin. Da kann es schnell passieren, dass man nach dem Termin nicht mehr weiß, wo genau man sein Auto geparkt hat. Ich gebe zu, das ist mir auch schon passiert. Smartphones bieten mittlerweile reichlich Abhilfe über verschiedene GPS-Anwendungen, mit denen sich das eigene Auto orten lässt. Apps speziell zum Wiederauffinden seines Autos gibt es längst auch. Die meisten verlangen dazu vom Anwender das Öffnen der App und irgendeine Form der Interaktion. Es geht aber auch mit weniger Aufwand, was bereits einige Apps als Option haben. Eine gelungene und komfortabel anwendbare Umsetzung mit NFC, einer Smartphone-App und einem Druckprodukt, die jetzt auch im Finale des Innovationspreises Printstars 2014 steht, gibt es nun als Werbemittel in Form einer Parkscheibe.

Parkscheibe mit integriertem NFC-Tag zur Lokalisierung des PKW (Abb.: PAV)

Parkscheibe in Rückansicht mit integriertem NFC-Tag zur Lokalisierung des PKW (Abb.: PAV)

Die Lösung der Firma PAV aus Lütjensee bei Hamburg besteht aus einer Parkscheibe mit integriertem NFC-Tag und einer selbstentwickelten Android-App namens NFCar. Beides wird bei PAV, die neben normalen Druckdienstleistungen auch Mailings, Card-Lösungen und RFID-Produkte im Angebotsportfolio hat, inhouse hergestellt beziehungsweise programmiert. Wie es für den vergesslichen Autofahrer funktioniert, beschreibt PAV im Google App Store so:

„Halten Sie Ihr Smartphone nach dem Einparken einfach an die Parkscheibe, um Ihren aktuellen Standort sofort automatisch ermitteln und auf Ihrem Gerät speichern zu lassen. So können Sie sich später einfach den gespeicherten Parkplatz auf einer Karte anzeigen lassen und sich, wenn gewünscht, dorthin navigieren lassen. Zusätzlich zum Standort können Sie auch eine Notiz speichern, wie z.B. die Etage und den Treppenhauseingang beim Parken in einem Parkhaus. Sollte die automatische Standortermittlung via GPS einmal nicht möglich sein, z.B. in einer Tiefgarage oder einem Parkhaus, können Sie Ihren Standort auch selbst festlegen und speichern.“

Anweisung zur Standortspeicherung in der App für Erstnutzer.

Anweisung zur Standortspeicherung in der App für Erstnutzer.

Die Vorteile der NFC-Integration in das Papier der Parkscheibe werden ersichtlich, wenn man die Anwendung mit anderen Techniken betrachtet: Würde man einen QR-Code aufdrucken, müsste der Anwender auf seinem Smartphone bereits eine QR-Codescan-App installiert haben, die wiederum dann zum Installieren der passenden Autofinder-App auffordert und danach nutzlos Bedruckfläche auf der Parkscheibe belegt. Die existierenden Bluetooth-Umsetzungen anderer Autofinder-Apps erfordern eine Bluetooth-Gegenstelle im Auto, beispielsweise eine Freisprecheinrichtung.

Der programmierte NFC-Tag sorgt bei der allerersten Anwendung (Smartphone mit aktiviertem NFC an die Parkscheibe halten) zunächst für das Herunterladen der NFCar-App (die alternativ auch normal aus dem Google-Play-Store geladen werden kann). Bei späteren Anwendungen ist beim Verlassen des Autos dann nicht mehr zu tun, als eben das Smartphone wieder an die Parkscheibe zu halten, um die aktuelle Position zu speichern – die Positionsdaten werden dabei nur lokal im Smartphone gespeichert. Ein Aufrufen der App und anschließende Interaktionen sind nur dann notwendig, wenn die App bei einem Standort außerhalb der GPS-Abdeckung, beispielsweise in Parkhäusern, den Standort nicht selbstständig speichern kann. Ist der Standort per GPS lokalisierbar, hat man somit eine barrierefreie Anwendung. Das kommt den immer „bequemeren“ Mobilnutzern entgegen – die wollen schon jetzt möglichst wenig interagieren.

Navigationsansicht der NFCar-App

Navigationsansicht der NFCar-App

Will man später zum Standort des Autos zurückfinden, bietet die App eine Kartennavigation mit eingeblendeter Route an. Wünschenswert wäre eine optionale Erinnerungsfunktion vor Ablaufen einer Parkzeit. In Hinblick auf Fußgänger-Navigation könnte man sicher auch noch zulegen – in Zukunft vielleicht auch mit Augmented Reality? Insgesamt läuft die NFCar-App im Anwenderurteil flüssig und macht einen technisch ausgereiften Eindruck. Pilotkunde ist momentan der Mobilfunkanbieter Vodafone, aber entwickelt wurde das App-NFC-Parkscheibenkombi von PAV, um es als Werbemittel auch für andere Kunden zu vermarkten, wobei wie im Falle Vodafone das Branding als Bedruck der Parkscheibe, aber optional auch in einer Kundenversion der App funktioniert.

Fazit: Ich halte diese Produktschöpfung von PAV für ein gelungenes Beispiel dafür, wie man mit dem Konsumenten im Blick ein besonderes Werbemittel mit Nutzwert entwickeln kann. Übrigens, falls Sie sich jetzt fragen, warum es von der NFCar-App keine iOS-Version gibt: Apples iPhones sind bis dato nicht NFC-fähig.

Über den Autor

1 Kommentar

  1. Antworten

    Marcus Stamer

    13. August 2014

    Hallo Herr Zipper,

    das ist doch mal eine schönes Beispiel für eine gelungen Produktdiversivikation :-)

    Letztendlich ist in der Parkscheibe das gesamte Know-How aus fast 90 Jahren Firmengeschichte von PAV vereint - der klassische Druck, in Kombination mit RFID-Technologie und einer selbst entwickelten App. Einfach mal das Geistkaptial des Unternehmens zusammengeführt und aus bestehenden Komponenten ein neues Produkt kreiert.

    Wir haben inzwischen auch noch weitere Lösungen entwickelt, z. B. einen barrierefreien Brief, b ei dem Ihnen der Inhalt des Schreibens von einer App vorgelesen wird - natürlich Datenschutzkonform.

    Auf alle Fälle ist es wichtig solche Lösungen im Produktportfolio zu haben, um sich interessant zu machen. Denn nur so hat man die Chance mit neuen Interessenten ins Gespräch zu kommen und sehr wichtig - man strahlt Medienkompetenz aus.

    Interessant ist auch auf was für Ideen aus dem Agenturbereich kommen, die Kampagne "Food Link" von Grabarz & Partner ist hierfür ein tolles Beispiel, wie man mit Hilfe der NFC-Technik, Passanten dazu animieren kann, beim Warten an der Bushaltestelle für World Food Programme (WFP) zu spenden.

    Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Monaten viele spannende neue Anwendungen sehen werden, die auf NFC-Technologie basieren.

    Vor allem, wenn das neue iPhone ebenfalls eine NFC-Schnittstelle erhält, wenn man sich auf der Seite www.patentlyapple.com umschaut, dann deutete alles stark darauf hin, dass dies so sein wird.

    Beste Grüße aus Lütjensee

    Marcus Stamer


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv