API als Geschäftsmodell für Druckaufträge im E-Business Print – zwei Beispiele

14. August 2014, 15:56 Uhr | Hintergrund, Technik

Für E-Business Print Lösungen gibt es viele API-Einbindungen für die unterschiedlichsten Zwecke: Zahlungssysteme, Fotobibliotheken-Einbindung oder die Integration eines Web-to-Print-Systems in eine Shop-Lösung. Ein paar dieser API-Lösungen haben die Besonderheit, dass der API-Anbieter damit selber Druckaufträge generiert. Vor allem bei Fotodruckprodukten findet man solche API-Druckdienstleister, von denen ich hier zwei vorstelle.

API steht für Application Programming Interface, auf Deutsch Programmierschnittstelle. Damit lassen sich die Dienste eines Softwaresystems einer anderen Softwarelösung auf Quelltextebene zur Verfügung stellen. Bei den in der EPOS Studie vertretenen Softwarelösungen sind API-Schnittstellen zur Drittlösungsintegration und zur eigenen Anbindung praktisch Standard. Schon früh begannen auch Fotogrößen wie Kodak oder Fujifilm damit, APIs für E-Commerce, Desktop-Programme und Mobile Apps anzubieten, die Druckaufträge für ihre eigenen Fotofinishing-Werke (die man heute mit Fug und Recht auch als Digitaldrucker bezeichnen kann) generieren. Die hier vorgestellten Firmen sind jedoch weit kleinere Unternehmen und somit ein Beispiel dafür, dass auch normale Druckdienstleister und Serviceanbieter über eine API Aufträge an Land ziehen können.

(Abb.: CanvasPop)

(Abb.: CanvasPop)

Mein erstes Beispiel ist die amerikanische Firma CanvasPop, die Fotoprodukte vom normalen Fotoabzug bis hin zu großformatigen Leinwand-Bildern druckt. Über die im letzten Jahr gestartete Photo Printing API konnte diese Firma schon Partner wie 500px.com oder den Anbieter der Photo Toaster App für sich gewinnen. In andere Anwendungen integriert, ermöglicht die API den Endanwendern, eigene Bilddateien zum Drucken hochzuladen. Dabei konzentriert sich CanvasPop auf größerformatige Produkte.

Wer die API in seine Lösung integriert, kann dies vollkommen kostenfrei tun und wird an erzielten Umsätzen mit einer Transaktionsgebühr belastet. Seine Marge auf die CanvasPop-Preise kann er dabei frei wählen. Das ist nicht nur für mobile Apps und Webservices möglich, auch die Blogging-Plattform WordPress, auf der viele Fotografen-Blogs vertreten sind, wird mit einem WordPress-Plugin unterstützt. CanvasPop übernimmt die komplette Abwicklung einschließlich Zahlungsabwicklung, Rechnungs- und Produktversand. Auch Endkunden aus Deutschland werden beliefert.

Laut Paul Brohman, dem Chefentwickler von CanvasPop, habe man dafür hauptsächlich die Anbieter mobiler Apps (iOS und Android) im Auge. Die API beschreibt er als eine Mischlösung zwischen einer puren API und einem SaaS-Modell. Aktuell arbeiten die Entwickler daran, den Integrationsaufwand für Partner auf unter eine Stunde zu verkürzen sowie die Schnittstelle komplett auf REST umzustellen.

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Mit dem API-Modell knabbern jetzt schon viele kleine Davids am Geschäftsmodell der Goliaths wie Snapfish und Shutterfly.
– Bernd Zipper

Aus Großbritannien stammt mein zweites Beispiel, das Startup Pwinty, dessen Geschäftsmodell komplett auf API-Integration beruht. Das 2012 gegründete Unternehmen ist sozusagen der „man in the middle“, denn die API leitet Fotodruckaufträge an Produktionsstandorte großer Fotofinisher weiter. Die API-Lösung ist komplett White Label, was bedeutet, dass der Endkunde nichts vom Druckabwicklungspartner der API-Integratoren erfährt. Pwintly beziehungsweise dessen Druckpartner liefern zur Zeit in 15 Länder in Westeuropa und dazu in den USA, Kanada und Australien. API-Integratoren können bei Pwinty zwischen einem eigenen Checkout-Prozess oder einem von Pwintly bereitgestellten Checkout wählen.

Das Erstaunliche an Pwintly ist, dass der Startup bis vor kurzem ein Ein-Mann-Unternehmen war. Der Gründer Tom Gallard hat es geschafft, ins Geschäft mit den großen Fotofinishern zu kommen. Die nämlich sind erst dann interessiert, wenn ein gewisses Umsatzvolumen garantiert ist. In Großbritannien und den USA konnte Gallard aber schnell Integrationspartner finden, die den Print Service in ihre E-Commerce-Lösungen und Apps einbanden, darunter der Posterpersonalisierungs-Anbieter posterhaste.com, instaprnt.com aus den USA oder 23snaps.com. Im Juli wurde auch die Hochzeitsfoto-App WedPics, die monatlich zwei Millionen Fotodrucke generiert, Integrator der API. Und vor drei Wochen starte Pwintly die Website Frameorama, die vor allem dazu dient, Interessenten zu zeigen, wie der Print Service sich integrieren lässt. Ähnlich Pwintly ist übrigens auch Peecho aus den Niederlande unterwegs, deren Simple Print API beispielsweise beim Digital-Publisher Isuu integriert ist. Peecho lässt unter anderem bei Cewe Color und RPI Print drucken.

Ich kann mir B2B2C-Geschäftsmodelle per API gut für eine Reihe weiterer Druckprodukte vorstellen. Und das betrifft nicht nur den Markt für Fotodruckprodukte. Bei letzterem sehe ich nun viele kleine Davids am Geschäft der alten Goliaths wie Snapfish oder Shutterfly knabbern – entgegen dem Trend der Marktkonzentration im E-Business für Fotofinishing.

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Salvatore

    19. Mai 2016

    Great post, thanks for sharing!


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