Mobile-to-Print: Onlineprintservices für Fotos von Smartphones und Tablets

2. September 2014, 15:51 Uhr | Hintergrund, Hot/Flop, Neues

Der Urlaub ist vorbei, das Smartphone gefüllt mit Aufnahmen, und damit der Bedarf da, Fotos auch als Ausdruck in der Hand zu halten. Diesen Markt haben viele Onlineprint-Anbieter im Auge und bieten dafür eigens Apps an, aus denen die Druckaufträge lanciert werden können. Wer als Anbieter gegen die Angebote der großen Namen wie Fujifilm, Cewe Color, der Schweizer iFolor oder Discounter-Namen wie Aldi ankommen will, sollte sich besser ein etwas anderes Geschäftsmodell überlegen. Und so gibt es reichlich Apps aus dem Bereich Mobile-to-Print, die sich ihren eigenen Schwerpunkt – und möglichst Alleinstellungsmerkmal – gesucht haben. Beispielsweise finden sich Fotodruck-Apps für alle relevanten Sozialen Netzwerke. Die meisten Mobile-to-Print Apps verwenden jedoch die Aufnahmen der Nutzer auf ihren Smartphones oder Tablets. Und der Markt gibt viele Differenzierungsmöglichkeiten her, wie die folgenden drei Beispiele zeigen:

(Abb.: Whitewall Media GmbH)

(Abb.: Whitewall Media GmbH)

Mit der Aussage „Fotos in Galeriequalität“ will sich die Whitewall Media GmbH sehr eindeutig über die Wertigkeit der Onlineprint-Produkte positionieren. Ende letzten Jahres brachte die Firma, die vornehmlich Großformat-Fotoprints macht, die iPhone- und iPad-App „Whitewall Fotolabor“ heraus, die in Zusammenarbeit mit der Berliner Agentur Smart Mobile Factory entwickelt wurde. Die App hat eine ganze Reihe an Besonderheiten für die Produktkonfiguration: So sind beispielsweise Passpartouts, Rahmungen oder Druck auf Alu-Dibond möglich. Für Großformat-Ausdrucke wie Panoramen von 2,5 Meter Breite muss die Bildauflösung der Smartphone-Aufnahmen selbstredend skaliert werden – inwieweit das auf Kosten der Bildqualität geht, habe ich nicht ausprobiert. Aber ich sehe für Mobile-to-Print doch eine gewisse Obergrenze für druckbare Bildgrößen, zumindest was orginäre Smartphone-Aufnahmen betrifft. Die App-Anwendung jedenfalls ist reichlich einfach: Aufnahme auswählen, Produkt auswählen, Format und Größe festlegen, bestellen…
Mein Eindruck: Bei den hochpreisigen Produkten von Whitewall lohnt eine App-Entwicklung auch bei kleineren Order-Zahlen. Bei der typischen Klientel der Firma dürfte sogar die Beschränkung auf die iOS-Plattform vertretbar sein. Ein vergleichbar hoher Anteil entfällt auf iPad-Nutzer – viele Profi- und Hobbyfotografen haben eine Auswahl ihrer Digitalkamera-Aufnahmen auf dem iPad.

(Abb.: Polagram)

(Abb.: Polagram)

Aus Nancy in Frankreich stammt das 2012 von drei Fotografen gegründete Unternehmen Polagram. Wie der Name nahelegt, konzentriert sich das Unternehmen vornehmlich auf Fotodrucke im Polaroid-Stil. Die meisten der angebotenen Fotoprodukte sind demnach im Bildausschnitt quadratisch, daneben gibt es andere Formate mit den klassischen Bildformaten. Zu den Fotoprodukten zählen auch bedruckte Smartphone-Hüllen für iPhone und Samsung Galaxy, Fotobücher und Geschenkboxen. Polagram liefert in 40 Länder weltweit und mein Verdacht ist, dass die Firma hauptsächlich eine weibliche Kundschaft ansprechen will: Die Produkte erreichen die Kunden in einer pinkfarbenen Verpackung. Auch die Gestaltung der übersichtlichen App für iOS und Android richtet sich an eine eher feminine Kundschaft. Der Orderprozess verläuft schnell und unkompliziert. Eigene Drucktechnik verwenden die Franzosen übrigens nicht, sie haben Verträge mit international vertretenen Fotofinishern geschlossen.
Mein Eindruck: Polagram hat ein stringentes Konzept und eine Fokusierung auf weibliche Käufer. Das spiegelt sich auch in den angebotenen Produkten wieder. Die französische Firma stellte ihren Service sehr schnell in vielen Ländern bereit, um eine kritische Umsatzhöhe zu erreichen, kann aber eine verhältnismäßig schnelle Lieferfrist einhalten. Der Polaroid-Stil hat ja schon andere App-Entwickler auf den Plan gerufen, beispielsweise Printic. Das bedeutet, dass man sich bereits in dieser Ausrichtung differenzieren muss.

(Abb.: Groovebokk/Dot Graphics)

(Abb.: Groovebook/Dot Graphics)

In den USA gibt es ein sehr gewagtes Geschäftsmodell, bei dem Anwender von ihren Smartphone-Aufnahmen monatlich Ausdrucke von 100 Fotos für drei Dollar monatliche Abo-Gebühr einschließlich Lieferkosten erhalten. Die monatliche Lieferung von Groovebook besteht aus einem Fotobuch, deren einseitig bedruckten Seiten zum Herausnehmen perforiert sind. Die Groovebook-App gibt es für iOS und Android und sie wurde fast ein halbes Millionen Mal installiert. Die App ist im Prinzip ein reiner Uploader mit Registrierungsservice. Hinter Groovebook steht ein kleines Familienunternehmen namens Dot Graphics, die die Fotobücher auch im eigenen Haus produzieren. Bei 82 Cent Versandkosten und Kosten für die Verpackung verbleiben etwa 2 Cent pro Foto an Umsatz. Die Umsatzsituation sieht besser aus, wenn in einem Monat nachgeordert wird, beispielsweise bei Fotos von Veranstaltungen. Das allerdings wird auf der Website kaum herausgestellt.
Mein Eindruck: Für Konsumenten ohne besondere Gestaltungs- und Formatwünsche ist das Groovebook-Angebot sicherlich interessant, für den Betreiber beruht das Geschäftsmodell darauf, schnell eine kostendeckende Größenordnung an Abonnements zu erhalten. Dot Graphics gab diesen Break-even gegenüber Investoren mit etwa 30 000 aktive Abonnenten an. Zudem ist dieses Mobile-to-Print Geschäft sehr stark auf die USA zugeschnitten und dürfte sich nur schwer in anderen Ländern adaptieren lassen.

Der Reihe nach habe ich hier ein höherpreisiges, ein mittelpreisiges und ein niedrigpreisiges Angebot im Mobile-to-Print vorgestellt. Reziprok dazu verhalten sich die notwendigen Nutzerzahlen, um so einen App-Shop in die schwarzen Zahlen zu bringen. Bei meinem ersten Beispiel Whitewall darf man aber auch annehmen, dass hier die App-Entwicklung sich nicht alleine aus Verkäufen direkt über die App refinanzieren soll. Vom professionellen Online-Vermarkter Whitewall wird die App sicher auch als einer von mehreren Touchpoints seiner Kunden betrachtet.

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