Vistaprint auf Kursänderung: Relaunch der Onlinedruck-Websites, Änderung der Produktschwerpunkte und kommende Neuerungen

4. September 2014, 14:31 Uhr | Hintergrund, Meinung, Neues

Diese Woche war das Rollout des neuen Looks auf den internationalen Websites des Onlinedruck-Riesen Vistaprint. Schon auf den ersten Blick wird deutlich: Die börsengehandelte Onlinedruckfabrik will sich ein seriöseres Auftreten zulegen und weg vom Billiganbieter-Image, das sich historisch und durch viele Rabatte und Gutscheine bei Internetnutzern gebildet hat. Doch der Relaunch ist nur der Auftakt zu weiteren Änderungen, die jetzt bald folgen werden.

AufmVistaRedesign

Das Redesign jedenfalls war schon mal sehr gründlich. Augenfällig ist das neue Logo, das als grafischen Bestandteil ein „V“ aus Blau- und Cyantönen hat. Die neue Grundform des Logos eignet sich auch besser zur Verwendung in Sozialen Netzwerken.  Dazu kommt die Wortmarke, die in allen Ländershops vereinheitlicht wurde und nicht mehr die Landesendungen (etwa „.de“) enthält. Vistaprint hat also sein umfangreiches Website-Redesign mit einem neuen Markenauftritt zusammengefasst. Zu den wichtigen weiteren Änderungen zählt das Flat Design. Den Stellenwert von Flat Designs für Onlinedruckportale und -shops hatte übrigens im Januar diesen Jahres die Redaktion unserer EPOS Studie in einem Blogbeitrag betrachtet. Und eine ausführliche Betrachtung des neuen Webdesigns gibt es auf Webdesign Tagebuch bereits auch schon.

Weitere Änderungen, die bereits jetzt ausgespielt werden, sind überarbeitete Design-Galerien und erweiterte Papieroptionen, die je nach Land/Kontinent etwas unterschiedlich eingebunden werden. Hier ist sichtbar, dass Vistaprint nicht nur die eigene Marke und das Webdesign, sondern auch seine Produkte qualitativ aufwertet. Ich bin gespannt, ob die Firma dem noch einen landestypischen Stempel aufdrücken wird. Meine Kritik am Auftritt von Vistaprint war ja bisher, dass landestypische Besonderheiten und Käufervorlieben zu wenig berücksichtigt wurden.

An der Produktmatrix hat sich bis jetzt nicht viel getan. Die Schwerpunkte sind wie zuletzt schon Visitenkarten, Marketingmaterial/Geschäftsausstattung, Karten und Einladungen sowie Fotoprodukte. Dazu kommt die Rubrik Homepages und eine variable Rubrik, die zwischen Sonderangeboten und saisonalen Promotions wie etwa im Weihnachtsgeschäft wechselt. Der neue Claim „Alles für Ihr Marketing“ direkt über dem Logo weist bereits auf die geänderte Kundenausrichtung hin.

Zipperkopf_ZweiDinge_v2
Der neue Claim „Alles für Ihr Marketing“ dürfte wohl kaum Privatkunden ansprechen. Die will Vistaprint sicher nicht verlieren, aber die Marschrichtung ist klar.
– Bernd Zipper

Denn auch hier wird sich einiges ändern. Laut den Informationen, die ich aus einer E-Mail von Trynka Shineman (bei Vistaprint seit Juli 2014 verantwortlich für das globale Wachstum und Marketing) an ausgewählte US-Kunden habe, sollen demnächst hunderte Promotionartikel und Außenwerbeprodukte in die Vistaprint-Shops aufgenommen werden. Erst kürzlich startete Vistaprint eigene Promotionartikel-Shops unter dem Namen Promospot, über die ich bereits in einem Beitrag berichtet habe. Dort kann man sich schon mal einen Eindruck davon verschaffen, welche Promoartikel demnächst auch auf den Vistaprint-Websites auftauchen werden.

Die Editor-Funktionen in den Shops werden in nächster Zeit ebenfalls überarbeitet. Vistaprint bietet sowohl Formulareditoren für vordesignte Templates wie auch einen grafischen Editor – und beiden sieht man an, dass sie vom Konzept her schon älter sind. Und auch an der Vereinfachung des Check-Outs arbeitet Vistaprint. Die letzten Meter in Onlineshops sind im E-Commerce ohnehin gerade ein Thema, und viele Lösungen zielen darauf ab, Abbrüche beim Check-Out zu minimieren. Welche Vereinfachung dies genau sein wird, lässt die E-Mail von Trynka Shineman im Unklaren. Denkbar wäre aber eine Vereinfachung über den Zahlungsanbieter Klarna, dessen Lösung Klarna Checkout erst kürzlich gelauncht wurde (meinen beyond-print-Beitrag dazu finden Sie hier). Vistaprint ist bereits einer der Kunden des Zahlungsproviders.

Hinsichtlich seiner lokalen Präsenzen wird Vistaprint es schwieriger haben, seine Angebote in gewohnter Form auszuspielen. Das machte solange kaum Probleme, wie der Onlinedrucker einen klaren Fokus auf Privatanwender und Microbusiness hatte. Nun wird aber das Produktangebot nach oben ausgeweitet und Vistaprint nimmt zunehmend kleinere KMUs ins Auge. In Europa sieht sich die Firma dabei mit dem Problem konfrontiert, nicht auch noch im Markt seiner beiden erst dieses Jahr erworbenen B2B-Onlinedruckereien in Italien und den Niederlande zu räubern. Die sollen nämlich selber europaweit expandieren. In den nächsten zwei Jahren wird die niederländische Vistaprint-Tochter People&Print Group mit der Marke Printdeal.com (momentan wird die URL auf deren Marke drukwerkdeal.nl umgeleitet) weitere Shops in Europa eröffnen, und da dürfte Störfeuer aus dem eigenen Haus ungelegen kommen.

Über den Autor

0 Kommentare


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv