EFI kauft MIS/ERP-Anbieter DiMS!: Die Strategie, mit Schlüsselsoftware bei möglichst vielen Druckdienstleistern präsent zu sein

16. September 2014, 12:07 Uhr | Meinung, Neues

Mit dem Neuerwerb des niederländischen MIS/ERP-Anbieters DiMS! hat sich EFI nun den elften Anbieter aus diesem Bereich einverleibt. Durch dieses Zukauf-Wachstum wird EFI damit nun endgültig zur Milliarden-Dollar-Company. Diese Marke ist ein wichtiger Schritt, weil viele institutionelle Anleger börsennotierte Firmen erst ab dem Mid-Cap-Bereich wahrnehmen. Für die Druckindustrie bedeutet dieser Schritt aber, dass EFI omnipräsenter wird. Dahinter steckt ein Plan.

(Abb.: DiMS!)

(Abb.: DiMS!)

DiMS! ist ein alter Bekannter in der grafischen Szene. Bereits seit 1986, damals noch mit Datenorganisations- und File-Transfer-Lösungen, ist die niederländische Firma aktiv. Ich kann mich noch gut an die ersten Messeauftritte erinnern, als DiMS.NET! in seiner ersten Form vorgestellt wurde. Inzwischen ist DiMS! längst als MIS/ERP-Anbieter unterwegs und hat einen Schwerpunkt bei Druckdienstleistern im Verpackungsdruck gefunden. Nach Alphagraph, GamSys, Lector, Metrics Sistemas, Pace Systems, printLeader, Prism, Rhapso, Streamline und Technique erweckt der erneute Erwerb eines MIS/ERP-Anbieters den Eindruck, dass EFI den Anbietermarkt für Management Information Systems und Enterprise Resource Planing für das Print-Gewerbe leerkauft. Die Einkaufstour dürfte noch nicht zu Ende sein.

Erst kürzlich erweiterte EFI sein Interesse zwar auch auf Kunden, die außerhalb der Druckindustrie stehen, und kaufte mit Blick auf Marketers die Berliner Firma Direct Smile mit ihren Bildpersonalisierungslösungen. Doch im Fokus stehen MIS/ERP-Lösungsanbieter für die Druckindustrie. Übrigens habe ich den starken Eindruck, dass EFI sich gerne deutsche Anbieter zulegt – siehe beispielsweise Lector. Trotz der Portfolio-Erweiterung: Ich sehe eindeutig die Strategie bei EFI, sich zum „Google der Druckindustrie“ zu entwickeln: allgegenwärtig und unverzichtbar. Und das nicht nur durch Zukäufe sondern auch durch Partnerschaften, etwa mit:

Adobe, Atlas, Axeda, Canon, Cisco Systems, DANKA, Datalogics, ENCAD, Epson, Fujifilm, Fuji Xerox, Garderos, GENICOM, Gestetner, Heidelberg, Hewlett-Packard, IBM, IKON, Interlink, Konica Minolta, KPG, Kodak, Lanier, Litho Supplies, Microsoft, Mita, Mitsubishi, Nashuatec, Objectif Lune, Océ, Oki Data, Pageflex, Pitney Bowes, Presstek, Research in Motion, Ricoh, Screen USA, Sharp, STSN, Tekgraf Toshiba, Troy Systems, XANTE, Xerox.

Bietet sich die Möglichkeit, ein Frontend für ein kommendes Drucksystem anzubieten, ist EFI meist unter den ersten, die „Hier“ sagen. Beleg dafür ist die Anfang 2014 verkündete Partnerschaft mit Landa Nano Printing, deren ersten Prototyp-Maschinen erst im zweiten Halbjahr 2015 zum Einsatz kommen sollen.

Dem stelle ich hier mal eine Liste der wichtigen Mitbewerber von EFI gegenüber:

Canon, Hewlett-Packard, Kodak, Mimaki, Xerox.

Daneben gibt es natürlich noch eine große Liste vieler kleiner Mitbewerber in stark abgegrenzten Segmenten. Im Zweifel kauft EFI hier ein.

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Der Großtanker EFI könnte unbeweglicher werden. Bei Lösungen für E-Business Print kommt die Firma schon länger nicht mehr vom Fleck. – Bernd Zipper

MIS/ERP steht jedoch besonders im Fokus von EFI. Schließlich sind dies die „Kontrollsysteme“ der Druckereien, sozusagen die Softwareausstattung der Steuerbrücke. Dort, wo die Kapitäne stehen, ist EFI so nebenher dann auch nahe am Entscheider. Wenn EFIs Strategie („Konsolidierung des MIS/ERP-Markts“) aufgeht, kommt die Firma immer mehr in die Lage, Preise durchzusetzen und Technologien zu dominieren.

Und genau das ist die Gefahr: EFI kann durch den gezielten Einkauf von Unternehmen die MIS/ERP für Print herstellen, irgendwann den Quasi-Standard abbilden und dem Markt Preise vorgeben. Dass hier nicht zwingend auf die Bedürfnisse, Sorgen und Nöte der Anwender eingegangen wird, haben die bisherigen Aufkäufe gezeigt.

Und noch eine Gefahr steht im Raum: Bei aller Sympathie, die ich dem Unternehmen entgegenbringe, so richtig innovativ ist zur Zeit kaum eines der EFI-Softwareprodukte. Der Markt der Online Print-Anwendungen wird sträflich vernachlässigt – die von EFI angebotenen Tools sind absolut Web-to-Print 1.0 und im Kanon der E-Business Angebote in der echten Welt nicht auf Dauer wettbewerbsfähig. Landingpages? SEO-Optimierung auf Produktebene? Responsive Design? Hier muss EFI nacharbeiten – und vor allem E-Business- und E-Commerce-Knowhow erwerben. Dies erzähle ich den Jungs von EFI aber auch schon seit Jahren…

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