Alibaba vor dem Börsengang: Der chinesische E-Commerce-Riese wird die Dominanz US-amerikanischer Internet-Firmen mitbeenden

18. September 2014, 9:33 Uhr | Hintergrund, Hot/Flop, Meinung

Am Freitagnachmittag könnte die chinesische E-Commerce-Handelsplattform Alibaba bei ihrem Börsengang mehr als 25 Milliarden US-Dollar erlösen. Das wäre der größte Börsengang aller Zeiten und andere IPO-Kandidaten wie Rocket Internet sehen dagegen wie kleine Jungs aus. Doch so chinesisch, wie es den Anschein hat, ist das Angebot an Aktionäre von Alibaba nicht.

(Abb.: Alibaba Group)

(Abb.: Alibaba Group)

Das liegt nicht nur daran, dass Bürger der Volksrepublik China keine Aktien von Alibaba erwerben können. Die schon bestehende Anteilseignerstruktur verrät, wie international der Onlinehandelsgigant bereits aufgestellt ist. Zu den großen Teilhabern gehören die japanische Softbank mit aktuell 34 Prozent und Yahoo, die schon ältere Internet-Größe, mit aktuell 24 Prozent.

Alibaba-Gründer und -Chef Jack Ma hat jetzt schon mal angekündigt, nach dem Börsengang in den USA und in Europa schnell expandieren zu wollen. Vor wenigen Monaten klang das noch anders. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage wird sich erst weit nach dem Börsengang beurteilen lassen.

Aber was kommt im Falle einer Expansion da auf uns zu? Das Geschäft von Alibaba ist ein Querschnitt der Modelle von Ebay, Paypal und Amazon – und mehr. Zu den Tochterfirmen zählt eine B2B-Handelsplattform, das Online-Auktionsportal Taobao mit einer halben Milliarde aktiver Kunden (eBay: 193 Millionen), bezahlt wird mit dem aus der Alibaba-Gruppe ausgegliederten Alipay. Letzteres hat bereits 300 Millionen Kunden, zählt aber nicht zu den Assets des Börsengangs. Das sollte man beachten.

Die  schwer durchschaubare Firmenstruktur sollte man auch beachten. Alibaba mischt beispielsweise auch bei bei Online-Touristik oder Lernplattformen mit. Wie bei IT-Riesen im E-Commerce üblich, betreibt Alibaba auch eigene Serverfarmen, bietet Cloud Computing an und hat Logistikunternehmen, in die es zuletzt zehn Milliarden Dollar investierte.

Drittens sollte man beachten, an welchem Unternehmen man denn tatsächlich Anteile erwirbt. Da Ausländer keine Anteile an chinesischen Unternehmen halten dürfen, gibt es eine Tochterfirma auf den Cayman Islands. An dieser erwerben Aktionäre Anteile, und anders als in Hongkong, wo Alibaba schon einmal an der Börse war und sich dann wieder zurückzog, hat die Unternehmensgruppe an der Wallstreet weniger Schwierigkeiten mit diesem Unternehmenskonstrukt. Bei dem können Anteilseigner weniger mitreden als bei börsennotierten Unternehmen aus westlichen Industrieländern.

Was nun aber Alibaba konkret in den westlichen Onlinemärkten bewirken wird, steht noch in den Sternen. Ich glaube jedenfalls, dass Alibaba das Ende der Ära US-amerikanischer E-Commerce-Dominanz mit einläuten wird, mit eigenen Firmen und mit Investitionen in andere Firmen. Das hinterlässt schon jetzt den schalen Beigeschmack, dass europäische E-Commerce-Plattformen sich in Zukunft schwerer tun und auf absehbare Zeit nicht in die erste Liga aufsteigen werden.

Alibaba-CEO Jack Ma auf dem Cover von Forbes, April 2011

Alibaba-CEO Jack Ma auf dem Cover von Forbes, April 2011

Was man aber anhand des Beispiels Alibaba gut erkennen kann, ist der Paradigmenwechsel den E-Business mit sich bringt. Nicht die Maschine (Druckmaschine, Gussmaschine etc.) zählt – sondern die gelungene Umsetzung einer Idee. Und in diese Idee ist konsequent investiert worden – und das von „langer Hand“.

Adaptiert man das Phänomen Alibaba auf die Druckindustrie wird aber noch ein anderer Erfolgsfaktor sichtbar: E-Business-Geschäftsmodelle und -abläufe sind so angelegt, dass sie leicht skaliert werden können, gerne auch in Kooperationen. Und dann wird Gas gegeben. Bei den meisten Druckunternehmern und Verlegern sieht das hierzulande noch anders aus. Da wird gewartet bis man ein Geschäftsmodell kopieren kann, dann vorsichtig investiert – so als ob es noch eine Frage ist ob sich das Internet wirklich durchsetzt. In Sachen Transparenz hält es der ehemalige Englischlehrer allerdings nicht so… verglichen mit Alibaba gebiert sich da beispielsweise Apple als wahres Plappermaul. Unbesehen dessen gilt Jack Ma in E-Businesskreisen jedenfalls längst als der Shootingstar. Sympathisch entwickelt er Ideen, betreut intensiv die chinesische Startup-Szene und lässt damit auch andere wachsen. Einen Alleinherrschaftsanspruch a la Apple und Co. kennt er (noch) nicht. Ma läutet eine neue Ära ein – definitiv.

Übrigens ist Alibaba längst nicht der einzige chinesische Internetgigant. Neben Alibaba gibt es sicher noch 40 volkschinesische Räuber in der bislang so amerikanischen Welt der Internet-Riesen. Merken Sie sich schon mal den Namen Tencent, zum Beispiel.

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