Brauchen wir es? Big Data in der Druck- und Medienbranche, Teil 2

29. September 2014, 11:30 Uhr | Hintergrund, Technik

Big Data betrifft früher oder später jedes Unternehmen in der Druck- und Medienbranche. Für die mittelständisch geprägte Industrie sind die wichtigsten direkten Treiber dafür das Datenwachstum, die Datenanalyse und das Qualitätsmanagement. Doch große Umsatzbereiche werden mit Kunden erzielt, für die Big Data und Data Mining schon jetzt essentiell sind. Druckdienstleister haben dabei die besten Aussichten im E-Business Print.

(Abb.: stux/pixabay, cc)

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Traditionell ist die Druckbranche eine Vervielfältigungsbranche. Sie demokratisierte so seit Gutenbergs Bibeldrucken auf egalitäre Weise Wissen und Informationen. Wo aber heute die Druckindustrie an Umsätzen verliert, ist vorwiegend der massenorientierte Vervielfältigungsbereich. Big Data hingegen befördert alle Arten der Personalisierung, sei es bei der Kundengewinnung, sei es beim personalisierten Druckprodukt. Bei letzterem sind Direct Mail und andere personalisierte Druckprodukte die Anwendungsbereiche, die bereits am weitesten von Big Data betroffen sind. Hier werden für Direct Mail Kampagnen und andere Print-Produkte nicht nur das direkte Responce-Verhalten der Adressierten erfasst, sondern auch Umfelddaten erhoben, die für zukünftige Kundenansprachen genutzt werden. Für die Druckdienstleister gilt es allerdings dabei, die Spielarten der Responce-Techniken auch wirklich zu beherrschen, seien es beispielsweise pQR-Codes, pURLs oder Augmented Reality mit Druckprodukten.

Generell werden alle mit Werbung verknüpften Druckprodukte direkt oder indirekt von Big Data beeinflusst. Bereits heute setzen mehr als die Hälfte der Werbungstreibenden, gemessen am Umsatz bei Druckprodukten, Big Data Analysen bei der Ausrichtung ihrer Werbebotschaften ein. Hier bleibt den Druckdienstleistern jedoch meist eben nur, nachfolgender Dienstleister zu sein.

Ein Bereich jedoch, wo Big Data für das eigene Geschäft massiv an Bedeutung gewinnt, ist E-Business Print. Die großen Onlinedruck-Fabriken dieser Welt befinden sich bereits im Umbruch von Business Intelligence zu Big Data Analysen. Größen wie Vistaprint, Cewe, aber auch kleinere Startups wie bonnyprints aus Berlin verwenden Big Data Analysen, um ihre potentiellen Kunden besser anzusprechen, bessere SEO- und SEM-Maßnahmen zu treffen, und ihr Produktportfolio auf Kundenerwartungen anzupassen. Dass dabei große, kommerzielle Lösungen von SAP, IBM oder Oracle eingesetzt werden müssen, ist nicht gesagt. Vistaprint beispielsweise setzt auf die Open-Source-Projekte Apache Drill und Hadoop.

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Die Anwendung ist relevant, nicht (mehr) die Unternehmensgröße. Big Data ist schon im Einsatz bei E-Business Print Anbietern mit unter 100 Mitarbeitern. – Bernd Zipper

Bei den Zulieferern der Druckindustrie ist Big Data längst angekommen. Nur zwei Beispiele seien genannt: Heidelberger Druckmaschinen setzt Big Data bereits auf verschiedenen Feldern ein, von Supply Management bis in die Produktion. Aktuell arbeitet Heidelberger im Projekt SAKE (Semantische Analyse Komplexer Ereignisse) mit, bei dem industrielle Massendaten in Echtzeit analysiert und zu entscheidungsrelevanten Informationen aufbereitet werden können. So können sich anbahnende Fertigungsfehler und -normabweichungen über Massendaten erkannt und vermieden werden. Heidelberger rüstet sich damit weiter für Industrie 4.0.

Domino Printing Science, Hersteller von Maschinen für Verpackungsdruck, Etiketten, Direct Mail und Adressierung, verwendet in seiner Big Data Analyse das Tool Enterprise Data Integration von Talend. Dabei werden über 400 Datenkonnektoren eingesetzt, die Daten aus Oracle E-Business Suite, Infor, Salesforce und den hauseigenen SQL-Serversystemen integrieren. Die Datenanalyse wird für den Vertrieb, aber auch für die Produktionsprozesse genutzt. Das Unternehmen hat gerade etwas mehr als 2000 Mitarbeiter, ist also von der Personalgröße im Bereich großer Druckdienstleister.

Andere Zulieferer der Druckbranche, und dort vornehmlich des Digitaldrucks, vertreiben an ihre Kunden eigene Big-Data-Lösungen. Allerdings haben sie dabei nicht primär die klassische Druckindustrie im Auge, sondern die Bereiche Managed Document Services und Managed Print Services, und als Kunden große Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Zwei typische Vertreter wären Ricoh und Hewlett-Packard. Generell haben alle relevanten Größen im Bereich Document Output Lösungen zum Umgang mit Big Data im Pflichtenheft.

Big Data ist keine Graswurzel-Bewegung. Die Herausforderungen an Datenspeichervolumen, automatisierte Datenanalysen und IT-Technik überhaupt waren zunächst nur für Großkonzerne stemmbar. Doch nun kommt der Nutzen von Big Data Analysen auch bei den mittelständischen Unternehmen an. Das ist der zunehmenden Bedeutung von Cloud Computing und SaaS-Lösungen zu verdanken. Wer Big Data als Druckunternehmer berücksichtigen will, sollte also nicht nur die unternehmenseigene IT-Landschaft im Blick haben. Medienunternehmen dagegen haben den Vorteil, direkt die Datenquellen für Big Data adressieren zu können. Wenn diese auch noch ein Druckgeschäft betreiben, sind die Synergieeffekte unübersehbar. Dem können reine Druckdienstleister nur im E-Business Print entgegenhalten.

Link zu Teil 1

(Der Text ist auch Teil der Titelgeschichte des Magazins Graphische Revue, Ausgabe 4/2014)

Über den Autoren

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. Er ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus). ---- Founder and CEO of zipcon consulting GmbH, a leading consultancy for the printing and media industry in Central Europe. He initiated the E-Business Print Online Studie (EPOS) and acts - in addition to his consulting activity - as an author, lecturer, speaker and moderator. See his profiles on Xing, LinkedIn and GooglePlus.

1 Kommentar

  1. Antworten

    Jan Lukat

    29. September 2014

    Big Data ist wie die Cloud eine spannende und einfache Sache. Mittlerweile bin ich ein bißchen skeptisch wer für die Sicherheit garantiert. Für mich persönlich nutze ich die Cloud "DropBox" aber über "BoxCryptor". Sensible Mails veschlüssele ich per PGP – leider nicht oft benutzt!


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