3D-Druck bei Flyeralarm: Neue Marke schafft Komplementärergänzung des bestehenden Geschäfts

7. Oktober 2014, 12:00 Uhr | Hot/Flop, Meinung, Neues, Technik

Ein erstes Zeichen für den Schritt in den 3D-Druck-Bereich war das neue Profilbild von Flyeralarm-CEO Markus Schmedtmann auf LinkedIn. Dieses zeigt ihn als eine 3D-Selfie-Figur, dazu ist der Schriftzug „my3D – powered by Flyeralarm“ zu lesen. Die Onlinedruckfabrik Flyeralarm bietet ab sofort den 3D-Druck an. Für mich ein Anlass, diesen Business Case mal näher zu betrachten – zumal in der (2D)Druckbranche ständig über die Möglichkeiten, Chancen und Potentiale der additiven Fertigung gesprochen wird.

(Abb.: Flyeralarm/my3D)

(Abb.: Flyeralarm/my3D)

Zunächst einmal macht die bestehende Infrastruktur von Flyeralarm mit seinen Stores Sinn bei einem solchen Unterfangen. Die Marke my3D startet nämlich zunächst mit den 3D-Selfies, kleinen Figuren auf Basis einer 360-Grad-Portraitaufnahme, als erstes Produkt. Diese Selfies, auch Mini-me (ja genau, wie aus dem schrägen Austin Powers Movie) genannt, werden von dem Flyeralarm-Inhouse-Startup my3D als Polymergips-Objekte gedruckt. Entsprechende 3D-Drucker wie der ZPrinter 650 sind bereits für relativ niedrige Investitionskosten erhältlich. Benötigt werden aber auch Fotokabinen bzw. 3D-Ganzkörperscanner für die 360-Grad-Ganzkörperaufnahmen, aus denen das 3D-Modell für den Ausdruck am Hauptstandort in Würzburg erstellt wird.

Dafür hat Flyeralarm verschiedene Standorte an der Hand, nämlich in seinen ohnehin vorhandenen Stores. Der erste 3D-Scanner in München-Schwabing ging Anfang Oktober in Betrieb, weitere Standorte in den anderen Flyeralarm-Stores sollen folgen. Das hat den Nebeneffekt, dass die Onlinedruckerei seinen Markennamen stärken kann und mehr im Bewusstsein von Konsumenten verankert. Und sicher wird auch die Marke my3D von der bereits vorhandenen Marketing-Schlagkraft von Flyeralarm profitieren. In Deutschland ist my3D nicht der erste 3D-Selfie-Drucker, aber wohl die erste Marke, hinter der nicht ein Kleinunternehmer sondern eine mittelständische deutsche Firma steht. Geleitet wird der Inhouse-Startup übrigens vom bisherigen Flyeralarm-IT-Leiter der Softwareentwicklung Frank Ruske.

Zipperkopf_erkennend
Das Geschäftsmodell von Flyeralarm für den 3D-Druck wird kaum als Blaupause für andere Druckdienstleister taugen.
– Bernd Zipper

3D-Druck beziehungsweise die additive Fertigung (wie ich das lieber nenne) ist jetzt und in nächster Zeit jedoch alles andere als ein großer Umsatzbringer und wird dies erst recht nicht für kleinere Druckereien und Einsteiger in das E-Business sein. Das Modell von Flyeralarm/my3D wird also kaum als Blaupause für andere funktionieren. Schmedtmann und seine Leute werden das aktuelle Potential selber auch realistisch sehen. Und sie haben zudem Erfahrungen im Bereich sich gerade erst entwickelnder Märkte. Die Mini-me-Figuren sind auch nicht der einzige Ausflug in den 3D-Druck. Bekanntlich ist Flyeralarm Pilotkunde oder besser Erprober des 3D-Bedruck-Prototypen namens Jetmaster Dimension von Heidelberger Druckmaschinen. Diesen Herbst will die Onlinedruckerei auch zu diesem Thema eine Ankündigung machen.

Um es noch einmal zu betonen: Für kleinere Druckereien und Einsteiger in das E-Business besteht kaum eine realistische Chance, mit 3D-Druck wirklich Geld zu verdienen. Noch steht der Aufwand der Datenerzeugung (von Flyeralarm mit 3D-Scannern, vorhandenen Standorten und ausreichender Unternehmensgröße für das „Mittragen“ entsprechender Mitarbeiter gelöst) dem zu sehr entgegen. Auch die optische Präsentation (zum Beispiel bei Sculpteo) und der Online-Marktzugang kosten viel Geld. Ich rechne daher damit, dass vor allem die großen Onlinedruckfabriken ihren Anteil am Markt der additiven Fertigung erobern werden. Dies mag der bvdm anders sehen – eine entsprechende Äußerung hierzu gab es vom Geschäftsführer des bvdm, Herrn Dr. Deimel, auf dem letzten Online Print Symposium – aber ich warne kleinere Drucker dringend davor, diesen risikobehafteten Weg zu beschreiten. Anders betrachte ich es bei den Branchengrößen. Beispielsweise sehe ich bei Cewe mit seiner großen Erfahrung bei Kiosk-Systemen im stationären Handel durchaus die Option eines baldigen Markteintritts. Und Online-Riesen wie Amazon bestellen dieses Feld ebenfalls schon – in diesem Fall aber mit erfahrenen Partnern wie Sculpteo, über die ich auch schon berichtet habe.

Wird die additive Fertigung irgendwann einmal Mainstream, stellen sich auch neue Marktzugänge heraus, die gegebenenfalls von Druckdienstleistern besetzt werden können. Ich sehe dennoch den 3D-Druck beziehungsweise die additive Fertigung als eigenen Produktionszweig – mit kaum mehr Überschneidungen zum (Papierbe)druck als den Namensbestandteil „Druck“.

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