Von der Rolle wird (online)gesellschaftsfähig: Auch Laserline bietet ab Herbst Rollenoffsetdruck im Onlinedruckshop an

13. Oktober 2014, 15:45 Uhr | Hintergrund, Neues, Technik

Im Mai diesen Jahres war es für viele Teilnehmer des Online Print Symposiums noch ein ungewöhnliches Thema: Funktioniert ein Onlinedruckshop auch für Rollenoffsetdruck? Die Antwort des Referenten aus dem Haus Bechtle Druck (dierotationsdrucker.de), hier kurzgefasst: Ja. Wurde noch vor einem halben Jahr so ein Engagement im E-Business Print als exotisch betrachtet, so beschäftigen sich heute bereits mehrere Druckunternehmen mit und ohne eigenen Onlinedruckshop mit den Potentialen, die ein Internet-Vertriebsweg für Rollenoffsetdruckprodukte aufweist. Jüngster Beleg ist die Portfolio-Ergänzung von Laserline.

(Abb.: KBA)

(Abb.: KBA)

Für die Rollenoffsetprodukte hat sich der Berliner Onlinedrucker aber nicht selber eine Rotation angeschafft, sondern bietet diese in Kooperation mit seinem Partner Rheinisch-Bergische Druckerei (mit Standorten in Düsseldorf und Wuppertal) an. Die Kooperation macht meiner Meinung nach Sinn. Gerade Rollenoffsetdrucker, die Tageszeitungen fahren, sind an einer Auslastungserhöhung ihrer investitionsintensiven Maschinen interessiert. Begünstigend ist da auch der Umstand, dass Rüstzeiten, Anlaufmakulatur und Inline-Weiterverarbeitung moderner Maschinen schon seit einiger Zeit geringere Auflagen ermöglichen – eine technische Entwicklung, die erst die Produktion vieler kleinerer Magazine, Hauszeitungen und Zeitungsbeilagen im Druck von der Papierrolle ermöglicht.

Auch das Marketing von Markeninhabern kann sich zunehmend mit dem Druckverfahren anfreunden. Die Qualität der Druckprodukte ist vor allem dank feinerer Rasterweiten für viele Zwecke mehr als ausreichend, Endkunden sind an diese bereits seit Jahren durch den normalen Qualitätsstandard von Magazinen und vieler Fachzeitschriften gewohnt. Und die typischen Formate (wie Halbformat, Berliner oder Rheinisches Format) sind in den Augen der Leser ungewöhnlich, weil abweichend von der Masse der Druckprodukt-Formate, die sie sonst so erreichen. (Tageszeitungsleser dürfen jetzt ruhig auf mich schimpfen…)


Der Markt für den Onlinevertrieb von Rollenoffsetdruckprodukten ist unzweifelhaft vorhanden, man muss ihn nur richtig adressieren.
– Bernd Zipper

Ein Markt ist also da, aber es gilt doch einiges zu beachten: Im Vergleich zum normalen Online Print gibt es nämlich einige wesentliche Unterschiede: So operiert man nicht mit Sammelformen, sondern arbeitet mit Auftragsbündelung, also dem Anhängen der Aufträge im Anschluss an andere, passende Aufträge. Im Cold Set funktioniert dies gut. Dem gegenüber sind die Schwierigkeiten im Heat Set in der größeren Zahl gewünschter Papiersorten zu finden, die teilweise lange Lieferzeiten bedingen. Während Bechtle Druck / dierotationsdrucker mit beiden Verfahren arbeitet (auf Colorman 40 und Geoman), setzt das Laserline-Angebot ausschließlich auf wasserlosen Cold Set mit einer KBA Cortina (Abbildung oben) am Düsseldorfer Standort der Rheinisch-Bergischen Druckerei. Dabei wird das Angebot im Rollenoffsetdruck klar auf neun Papiere und sechs Formate eingegrenzt. Bei den Grammaturen geht Bechtle Druck typischerweise bis 60 g/m2 und Laserline bis 80 g/m2.

Einige weitere Unternehmen mit und ohne Onlinedruckshops sind ebenfalls aktiv – beispielsweise Jadedruck aus Wilhelmshaven mit eigenem Shop sowie eine ganze Reihe an Rollenoffsetdrucker als Partner bestehender Onlinedruck-Marken. Der „Gap“, also der Bereich bei Produkten und Auflagenhöhe, in dem sich der Druck von der Rolle auch als Angebot von B2B-Onlinedruckshops lohnt, ist groß genug. Die Technik ist ebenfalls reif genug. Schnelle Auftragswechsel mit Plattenwechselautomaten und weitere Automatisierung sind hinreichend technisch umgesetzt. Ich habe ja schon mehrfach betont, dass es keine Drucksparte gibt, die nicht für das E-Business Print geeignet ist. Nun mögen Skeptiker sagen, dies sei für den Rollenoffsetdruck nur schwer realisierbar. Auch diesem Argument halte ich entgegen: „Going online“ ist auch für Rotationsdrucker nicht schwieriger, die Unterscheidung lautet vielmehr: Richtige oder falsche Strategie und Umsetzung.

Übrigens: Im Editorial des aktuellen Druckspiegel stellt Manfred Werfel, Deputy CEO der WAN-IFRA, anlässlich der heute startenden World Publishing Expo 2014, richtig fest, dass Zeitungsdruckereien in erster Linie Druckereien sind und zunehmend einen erheblichen Teil des Deckungsbeitrags auf dem Druckmarkt erzielen müssen. Ob dabei in den Köpfen der Besucher dieser Veranstaltung für Zeitungsverlage angekommen ist, dass E-Business Print ein, wenn nicht gar der geeignete Weg ist – daran habe ich allerdings so meine Zweifel.

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