Dann kommen wir halt über den Teich: Amazon und andere US-Firmen eröffnen Cloud Data Center in Deutschland

27. Oktober 2014, 15:18 Uhr | Meinung, Neues

Seit letzter Woche ist das neue Amazon Web Services Data Center in Frankfurt am Main am Netz. Die Gründe für die deutsche Erweiterung der Cloud-Infrastruktur von Amazon sind aber kaum im deutschen Datenschutzrecht zu finden. Vielmehr wird die Cloud-Infrastruktur hierzulande immer wichtiger und dabei auch eine gute Verfügbarkeit und Connectivity. Davon werden auch einige Services für E-Business Print profitieren. Dennoch bleibt die Datenschutzfrage ungeklärt.

(Abb.: Amazon)

(Abb.: Amazon)

Frankfurt am Main hat sich inzwischen schon zu einem Zentrum der europäischen Cloud-Landschaft entwickelt. Hauptsächlich ist dafür die Nähe zum zentralen Internet-Knoten DE-CIX. Mit Amazon Web Services kommt nun einer der Großen der Cloud-Branche nach Irland nun auch nach Deutschland, es entsteht dabei die elfte Cloud-Region des E-Commerce-Riesen. Amazon wird sein volles Paket an Web Services in zwei gespiegelten Rechenzentren anbieten. Die Landschaft der Cloud-Anwendungen ist vielschichtig (von File Hosting bis Virtualisierungen), aber die Medienindustrie nimmt bereits einen prominenten Platz ein. So sind beispielsweise der Axel Springer Verlag und Burda große Kunden bei Amazon Web Services. Übrigens wird von vielen in den USA Springer als feindlich eingestellt gegenüber amerikanischen IT-Firmen wie Google und Amazon wahrgenommen…

SaaS-Lösungen für Onlineprintshops und -portale (siehe dazu unsere EPOS Studie) ist dabei nur ein kleiner Ausschnitt. Darunter sind einige bekannte Anbieter, die schon länger die Data Center von Amazon für ihre Lösungen nutzen. Ich bin nun gespannt, ob nun von diesen Anbietern der Schritt erfolgt, für deutsche Kunden den Frankfurter Standort in Anspruch zu nehmen. Sinnvoll wäre dies, denn von den kürzeren Latenzzeiten können sie gegen Mitbewerbern dann mit einer besseren Performance punkten. Der Lösungsmarkt für E-Business Print ist geprägt von vielen deutschsprachigen Anbietern. Für diese sind die Amazon Web Services auch wegen der globalen Skalierbarkeit interessant, wenn sie ihr Geschäft internationalisieren.

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Der Patriot Act greift für US-Firmen nach wie vor weltweit, soviel zum Datenschutz.
– Bernd Zipper

Aber Amazon ist nicht der Einzige der US-Größen, die es nun in die deutsche Data Center Landschaft zieht. Auch IBM baut schon an seinem Data Center in Frankfurt, Oracle eröffnet dieses Jahr zwei eigene Cloud Data Center in München und Frankfurt, und auch Salesforce kommt mit einem Data Center nach Deutschland. Was alle diese US-Firmen nicht sagen: Die Snowden-Enthüllungen haben das Misstrauen europäischer und besonders deutscher mittelständischer Firmen gegenüber US-Cloud- und SaaS-Anbietern ordentlich befördert. Europäische und deutsche Standorte können dem psychologisch entgegen wirken, außerdem bemühen sich die US-Companies (die sie ja nach wie vor bleiben) die Datenschutzrichtlinien für ihre europäischen Standorte gut zu kommunizieren, wie es nun auch Amazon mit einem Whitepaper zum EU-Datenschutz und einer Datenschutz-Website macht.

Abschließend ist mein Rat an die Lösungsanbieter und deren Kunden im E-Business Print, diese Datenschutzaspekte ebenfalls herauszustellen und transparent darzustellen, wie, bei wem und wie sicher die Daten der Onlinedruck-Kunden gespeichert und verarbeitet werden. Im Übrigen gilt: US-Firmen sehen sich nach wie vor der Sammelwut ihrer Regierungsstellen ausgesetzt, auch außerhalb der USA. Der Patriot Act greift nun mal für US-Firmen weltweit, wie es gerade Microsoft erfährt. Das Datensicherheitsniveau ist in Frankfurt am Main nicht höher als in anderen Regionen, höchstens das (nationale und europäische) Datenschutzrecht-Niveau. Und bekanntlich stellen die USA ihr eigenes Recht über lokale Rechtsprechung…

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