Meilenstein: HTML5 ist fertig.

29. Oktober 2014, 15:32 Uhr | Meinung, Neues, Technik

Lange, lange hat es gedauert, bis der bisherige Standard der Web-Sprache HTML jetzt offiziell durch HTML5 abgelöst wurde. Seit gestern ist es soweit, und nun kann man Lösungsanbieter endgültig daran messen, ob sie dem aktuellen Standard folgen. Vier Jahre zuvor hatte Steve Jobs ja bekanntlich Adobe Flash mittels HTML5 „den Krieg erklärt“. Aber HTML5 ist von der Tragweite viel mehr, auch in E-Business Print.


HTML5 Powered with Connectivity / Realtime, CSS3 / Styling, Device Access, Graphics, 3D & Effects, Multimedia, Performance & Integration, Semantics, and Offline & Storage
Mit Hinblick auf die zunehmende Zahl der Nutzer von Mobilgeräten kann man von Glück sagen, dass der Standard schon jetzt fertiggestellt worden ist und nicht wie ursprünglich als Zielmarke geplant im Jahr 2020. Denn HTML5 bietet eine viel universellere Einsatzbreite unabhängig vom Endgerät. Und mit HTML5 für die Struktur, CSS3 für die Darstellung und JavaScript für das Verhalten ist so etwas wie das heilige Interaktiv-Dreigestirn für Webentwickler entstanden. Endanwender werden von dem jetzigen De-facto-Standard wenig Neues mitbekommen, sind doch alle wichtigen Browser bereits HTML5-fähig, einschließlich seiner Audio- und Videofähigkeiten – was einstmals zu den großen Vorteilen von Flash gezählt wurde.

Dabei hätte die Entwicklung auch ganz anders laufen können. Das W3C (World Wide Web Consortium), das jetzt die Empfehlung für HTML5 aussprach und dieses somit zum Standard erhebt, hatte nämlich ursprünglich mal ganz andere Pläne und wollte ein XML-Derivat als nicht abwärtskompatiblen Nachfolger von HTML 4 (bestehend seit 1997) etablieren. Hätte nicht die Web Hypertext Applications Technology Working Group (WHATWG) mit Firefox-Entwickler Mozilla, Apple, Opera und weiteren Mitgliedern bereits an HTML5-Standards gefeilt und das W3C 2007 schließlich diese Bemühungen aufgegriffen, wären bereits bis heute viele Entwicklungen anders gelaufen.

HTML5 ist keine Einzeltechnik, sondern wirkt im Verbund mit vielen anderen Web-Technologien. (Abb.: SirPepe, cc)

HTML5 ist keine Einzeltechnik, sondern wirkt im Verbund mit vielen anderen Web-Technologien. (Abb.: SirPepe, cc)

Sicher, viele Entwickler aus dem Publishing-Bereich hätten lieber mehr auf XHTML oder ähnliche Struktur-doctypes gesetzt, aber speziell für den Bereich E-Business Print sehe ich doch mehr Vorteile auf Seiten von HTML5. Die beachtliche Zahl bereits existierender Online-Editoren (unsere EPOS Studie listet eine ganze Reihe solcher Lösungen in einer eigenen Kategorie) ist schon ein ganz eigenes Marktsegment von Layout-Apps geworden und in der Praxis ist das Zusammenspiel mit Print-Output längst erprobt.

Neben den Online-Editoren für Print-Ausgabe sind auch die Digitalpublishing-Produkte in ihrer heutigen Form ohne HTML5 nicht mehr denkbar. Speziell das Tablet-Publishing, das ja auf Apple-Produkten seinen Anfang nahm und noch heute von hauptsächlich iPads als Endgeräte hat, würde ohne HTML5 ganz anders aussehen, und das nicht nur in mobilen Browsern. (ePub3 als „Package“ nimmt im Gegensatz zu ePub2 HTML5 auf.) Die großen Vorteile beim Web-Publishing: responsive Design, bessere Audio- und Videointegration, einfache Formularerstellung, interaktive Grafiken und nicht zu vergessen die vielen grafischen Effekte, die sich mit HTML5, CSS3 und anderen verbundenen Techniken realisieren lassen.

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Das Potential von HTML5 ist in der Medienindustrie noch gar nicht richtig erkannt worden. – Bernd Zipper

Das Potential von HTML5 sehe ich auch und besonders für Anwendungen der Medienindustrie noch lange nicht ausgeschöpft. Beispielsweise wird die Möglichkeit von Online/Offline-Kombinationen mit lokalem Speicher für HTML5-Inhalte und -Containerdaten wie hochauflösende Bilder noch wenig ausgenutzt. Die Nutzung der Geräte-Hardware, etwa einer Hardwarebeschleunigung am PC oder direkt durch HTML5-Apps für Kamera und Sensoren auf Smartphones, ist ebenfalls kaum umgesetzt. Und viele andere Online-Anwendungsmodelle dürften davon profitieren, Plug-ins oder Apps durch HTML5-Funktionen ersetzbar zu machen. Das nimmt den Anwender die Hürde, vor der Funktionsnutzung erst noch einen Download und eine Installation durchführen zu müssen – so wie es beispielsweise heute noch bei vielen Augmented-Reality-Anwendungen oder zum Erfassen von QR-Codes notwendig ist.

Aber erst einmal wird sich HTML5 weiter etablieren müssen. Noch setzen die gängigen Browser das Funktionspotential von HTML5 nur teilweise um. Auch gängige Onlineshops wie von Magento sind zwar bereits HTML5-fähig, lassen sich hier aber auch noch ausbauen. Version 5.1 von HTML5 ist jedenfalls schon seit heute in Arbeit. Da geht es um Fehlerbeseitigung, aber auch um Digital Rights Management – ein Stichwort, das die Verlagsbranche sicher aufhören lässt. Und dabei wird es spannend, ob bei diesem Thema die WHATWG oder das W3C den größeren Einfluss haben werden. Ebenso geht es in nächster Zukunft um die Frage, wie weit HTML5-Techniken unberührt von Patent- und Lizenzrechten bleiben. Das betrifft in nächster Zukunft insbesondere das jetzige Killer-Feature von HTML5, die Video-Einbindung, bei der Codec-Verwendung.

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1 Kommentar

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    […] Autor: Bernd Zipper Zweitverwendung aus einem Beitrag von beyond-print…>> […]


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