Prognosen zur Internet-Nutzung: Mobile übernimmt

3. November 2014, 16:37 Uhr | Hintergrund, Meinung

Mehrere Studien und Prognosen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass mobile Geräte und so die mobile Internet-Nutzung die von stationären Rechnern gerade überholt. Das hat auch Auswirkungen auf Strategien in allen Bereichen des E-Business – einschließlich der Online-Vermarktung von Print-Produkten.

Besonders eindrücklich ist dies am Vordringen der Smartphones zu sehen. In Gang kam der Markt erst 2007 mit dem ersten iPhone und heute sind bereits 2 Milliarden Smartphones in Benutzung – bei aktuell drei Milliarden Menschen, die einen Online-Zugang haben. 2000 konnten erst 400 Millionen Menschen ins Internet. Die ITU (International Telecommunication Union) rechnet nun mit vier Milliarden Online-Nutzern im Jahr 2020, und genauso vielen Smartphones als Zugangsgeräte. Zu diesem Zeitpunkt werden noch etwa 30 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung keinen Online-Zugang haben.

Der Verband der Mobilnetzbetreiber GSMA sieht damit für das Segment Smartphones das stärkste Wachstum voraus, gefolgt von der Anzahl der Einwahlknoten. Die Anzahl der PCs, sowohl im Büro wie in Privatnutzung wird hingegen stagnieren. 2020 soll es zwei- bis dreimal mehr aktive Smartphones als PCs geben. Dieses rasante Wachstum zeigt sich schon jetzt in Afrika südlich der Sahara. Dort wird die E-Wirtschaft vorrangig von mobilen Endgeräten getragen, während stationäre PCs eine weit geringere Rolle spielen. In manchen ländlichen Gebieten sind Smartphones für den Handel in nicht elektrifizierten Dörfern gang und gäbe. Für die (Post-)Industriestaaten sehen die Verhältnisse natürlich etwas anders aus, hier ist ein Büro ohne PC noch praktisch undenkbar.

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Dramatisch, ist wie sich die Internet-Nutzung Richtung mobile verschieben. Das muss man für sein E-Business im Auge haben.
– Bernd Zipper

Aber direkt dramatisch finde ich, wie sich auch in den entwickelten Ländern die Online-Nutzungszeiten verschieben. In den USA lag vor einem Jahr die Nutzungszeit von mobilem Web und über mobile Apps schon gleichauf mit der stationären Nutzung, heute hat sich das Verhältnis auf bereits 60%/40% verschoben. Dabei sind vor allem mobile Apps der Treiber. Und in Zukunft kommen noch mehrere Sparten von Mobilgeräten wie die Smartwatches hinzu.

Bei Facebook hat sich der Mobil-Umsatz innerhalb zweier Jahre von Null auf heute die Hälfte des Gesamtumsatzes entwickelt. (Abb.: Andreesen Horowitz, Quelle. Facebook)

Bei Facebook hat sich der Mobil-Umsatz innerhalb zweier Jahre von Null auf heute die Hälfte des Gesamtumsatzes entwickelt. (Abb.: Andreesen Horowitz, Quelle. Facebook)

Die großen Gewinner dieser Mobile-Rally heißen Stand heute Google, Apple, Facebook und Amazon oder kurz GAFA. Die Umsätze dieser Firmen zusammengenommen übertrafen 2013 die Umsätze ganzer Branchen wie beispielsweise die der Filmindustrie, der Musikindustrie und der Buchverleger weltweit. (Ohne die Beteiligung obiger Firmen.) Ihre Ökosysteme in der digitalen Wirtschaft wachsen vor allem durch die mobile Internetnutzung. Um aber mal diese Nabelschau ein wenig zu relativieren: Andere Industrien sind noch viel größer. Dieses Jahr erreicht die Pharmaindustrie weltweit einen Umsatz von 1 Billionen US-Dollar. Und die Autoindustrie ist noch größer. Apple machte 2013 170,9 Milliarden US-Dollar Umsatz; Amazon erreicht in den USA gerade einmal ein Prozent des Einzelhandelsvolumens.

Im E-Business sind die GAFA-Firmen dennoch die großen Gewinner. Was E-Business Print daraus lernen kann? Erstens darf man den Stellenwert von Mobile bei der Internet-Nutzung nicht mehr unterschätzen. Wer heute Lösungen für E-Business Print plant und nur stationäre PC als Plattform im Auge hat, verschenkt mit der Zeit auch noch zuwachsende Potentiale. Zweitens zeigt sich durch Mobile befördert der Trend zu einer immer einfacheren Bedienung (wobei ich meine, dass man das besser „Benutzung“ nennen sollte). UX-Design und Usability werden somit auch in B2B-Zielgruppen von zunehmender Bedeutung. Andererseits darf man die vielen vertikalen Segmente für Onlineprint-Produkte im B2C nicht vernachlässigen. Die B2C-Kunden sind mobil mit schlanken Apps zu erreichen, deren Entwicklungsaufwand weiter sinken wird. Und drittens sollte man dringend die Kunden dort abholen, wo sie sich am meisten aufhalten. Der Online-Ort heißt seit spätestens heute „Mobile“.

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2 Kommentare

  1. Antworten

    Gerhard Märtterer

    1. Dezember 2014

    Lieber Herr Zipper,

    die Umsatzzahlen von Apple sind um ein Vielfaches höher. Mir scheint, Ihre Zahl ist entweder der Gewinn oder ein Quartalsumsatz. Wie auch immer: Apple macht 2014 wohl mehr Gewinn als alle Autofirmen dieser Welt zusammen.

    Beste Grüße
    Gerhard Märtterer

    • Antworten

      Michael Schelhorn

      1. Dezember 2014

      Lieber Herr Märtterer,

      Sie haben Recht, die Zahl war ein Quartalsumsatz. 2013 machte Apple 170,9 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Die Autoindustrie fuhr 2013 weltweit laut McKinsey über 100 Milliarden US-Dollar Gewinn ein.


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