Online- und Offline-Vermarktung: Hamburger Druckerei kreiert mit 3D-Lack eigene Marken für B2B und B2C

10. November 2014, 15:57 Uhr | Hot/Flop, Meinung, Neues, Technik

Seit die Hamburger Druckerei Dürmeyer in die Veredelungstechnik 3D-Lack investiert hat, gibt sie bei der Vermarktung so richtig Gas. Wie der Druckdienstleister dabei Eigenmarken aufbaut, ist bemerkenswert für Unternehmen dieser Größe. Es fehlte eigentlich nur noch der Einstieg in das E-Business Print mit einem Open Shop.

3D-UV-Druck, hier fotografisch in Szene gesetzt (Abb.: Dürmeyer GmbH)

3D-UV-Druck, hier fotografisch für die Marke Dürmeyer Black Label in Szene gesetzt (Abb.: Dürmeyer GmbH)

Auf die Veredelungstechnik von Dürmeyer hatte ich bereits in einem Beitrag vom August dieses Jahres hingewiesen. Anstatt technisch schnöde und spröde über die Möglichkeiten der frisch installierten MGI Jet Varnish 3D zu kommunizieren, machte Dürmeyer gleich auf Marke und vermarktet seither die Veredelungstechnik 3D-Lack gegenüber den B2B-Kunden als Dürmeyer Black Label online (z.B. dieser PDF-Link), offline und mit einer Direct-Mailing-Konzept namens Black Box. Damit konnte die Firma prompt einen Print-Stars-Award einheimsen und wurde in der Kategorie Direct Mailing auf den ersten Platz gewählt.

Ich finde diesen Ansatz der Kommunikation seiner Produkte sehr empfehlenswert. Viele Druckereien arbeiten hart daran, eigene Print-Mehrwert-Umsetzungen anbieten zu können, nur an dem In-Szene-Setzen fehlt es oft. Sicher, der Außendienst ist mit Musterdruckprodukten unterwegs, aber der kann nicht die Breite eines potentiellen Publikums ansprechen. Ein optisch gelungener Auftritt – hier online wie offline – sorgt zudem für das Weiterkommunizieren durch Dritte. Der haptische Mehrwert wird durch die Fotografie auf der Website bereits herausgestellt und durch die Black Box erfahrbar. Produktioner und Technikaffine finden ja trotzdem noch ihre technischen Eckwerte auf der Website.

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Marken machen Druckereien unterscheidbar, müssen aber auch penetriert werden. Das ist vielen Druckereien, die ihre Produkte direkt vermarkten (wollen), noch fremd.
– Bernd Zipper

Nun kündigt Dürmeyer auch den Schritt an, den ich noch am Gesamtauftritt vermisst habe. Die Firma steigt noch dieses Jahr in das „offene“ E-Business Print mit einem eigenen Webshop ein (einen closed shop für B2B hatte Dürmeyer schon früher aufgesetzt). Mit zwei Offsetmaschinen und einer Indigo 5500 war klar, dass man sich nicht mit einem normalen Drucksachen-Shop gegen Onlinedruckfabriken positioniert. Ein kleines Team hat deshalb eine Nische gesucht und im Juli definiert. Ergebnis: Es gibt eine Online- und Offline-Direktvermarktung eigener Druckprodukte für den B2C-Markt, also für die Endkonsumenten. Die Produkte sind nicht vom Kunden gestaltet, sondern aus einer eigenen Kollektion, und vermarktet werden Kunstdrucke.

Pop-Art-Kunstdrucke mit 3D-Lackveredelung sind die erste Kollektion der Dürmeyer-Eigenmarke Art&Glory (Abb.: Dürmeyer GmbH)

Pop-Art-Kunstdrucke mit 3D-Lackveredelung sind die erste Kollektion der Dürmeyer-Eigenmarke Art&Glory (Abb.: Dürmeyer GmbH)

Das „Alleinstellungsmerkmal“ im bereits gut besetzten Kunstdruck- und Postermarkt ist wiederum die Veredelung, wobei Dürmeyer die gedruckte Kunst erst mit einer Softtouch-Folie kaschiert und mit dem partiellen 3D-Lack in unterschiedlichen Schichtstärken akzentuiert. Motto ist „Kunst zum Anfassen“ und dies wird unter der Marke „Art & Glory“ vermarktet. Die erste Kollektion mit Pop-Art-Motiven ist bereits offline/stationär seit letztem Samstag in einem ersten Einzelhandels-Laden in Hamburg zu Endverkaufspreisen ab 50,00 Euro verfügbar. Weitere Kollektionen, so etwa City-Motive, werden nun folgen. Und im Dezember steht der Launch des Onlineshops an, etwas spät für das diesjährige Weihnachtsgeschäft, aber mit genügend Vorlaufzeit für das nächste Jahresendgeschäft. Unter der Marke Art & Glory sollen in Zukunft auch andere Formate von Postkarten bis Poster vermarktet werden.

Angesichts der nötigen Vorstufen-Arbeit an der 3D-Lack-Veredelung macht diese Art der B2C-Vermarktung anstatt einer Kunden-Individualisierung Sinn, da sich bei Konsumenten akzeptable Preise (und die entsprechende Einzelhandelsmarge) nur in entsprechenden Auflagen erzielen lassen. Dennoch können Endkunden wie im B2B-Kanal individuelle Auftragsanfragen an Art & Glory richten. Und drittens rechne ich damit, dass der stationäre Handel sowie andere Wiederverkäufer über den Webshop und/oder in anderer Form ebenfalls adressiert werden.

Der Schritt in den Endkunden-Direktvertrieb und gleichzeitig das B2C E-Business ist sicherlich ein Wagnis. Dürmeyers Rezept ist aber ein gutes Beispiel für das unternehmerische Wagen und zugleich Durchbrechen des Silo-Denkens, das zu viele Druckdienstleister haben – manche sagen dazu auch (vielleicht treffender) Scheuklappen. Vom ehemaligen Forschungsminister Heinz Riesenhuber gibt es zu diesen risikoscheuen Nicht-Unternehmern ein treffendes Zitat: „Wer sein Leben so einrichtet, dass er niemals auf die Schnauze fallen kann, der kann nur auf dem Bauch kriechen.“

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