Wo Mobile im E-Commerce und bei E-Business Print übernimmt: Zwei Beispiele

21. November 2014, 10:37 Uhr | Hintergrund

Erst kürzlich habe ich hier über die zunehmende Bedeutung mobiler Endgeräte und der mobilen Nutzung geschrieben. Heute möchte ich das Thema mit zwei aktuellen Beispielen aus dem E-Commerce und dem E-Business Print weiter beleuchten. Die Beispiele zeigen auch auf, wo Handelsbedarf für Onlinedruckshops besteht – und ob es solche gibt, die sich bei der Fortentwicklung ihrer Shop-Technik noch beruhigt zurücklehnen können.

Das erste Beispiel führt zu Rakuten Deutschland, die für ihren Marktplatz im September 2014 eine Auswertung der mobilen Zugriffe auf die dort versammelten Onlineshops gemacht haben. Ein Drittel der Zugriffe erfolgt bereits über mobile Endgeräte, 15% der Zugriffe kommen von mobilen Displays ab Full-HD-Auflösung, und 41% der mobilen Zugriffe kommen von Tablets. Innerhalb von zwei Jahren ist der Mobil-Anteil um 250% gestiegen. Rakuten folgert: E-Commerce wird M-Commerce.

M-Commerce wird vor allem im B2C vorangetrieben. Das zeigen die mobilen Zugriffszeiten bei Rakuten. Das größte Mobilgedrängel gibt es ab 18:00 Uhr bis 24:00 Uhr abends mit 42% Zugriffsanteil, während in der Normal-Arbeitszeit (8:00 Uhr bis 18:00 Uhr) der Mobilanteil nur bei 29% lag. Die Wochenenden sind „Shopping-Time“ im M-Commerce. Samstags und Sonntags steigt der Mobilanteil auf 42%. Onlinehandel bedeutet „always on“, 24/7 geöffnet – das gilt natürlich auch im E-Business Print.

Die mobile Konversionsrate auf dem Rakuten-Marktplatz kann mit den Zugriffszahlen jedoch nicht mithalten. Gekauft wird dann doch überwiegend von Desktops und Notebooks aus. Die mobilen Konversionsraten erreichen im Falle von Smartphones gerade mal 41% der Desktop/Notebook-Raten. Bei Tablets sieht es schon etwas besser aus, bei ihnen betragen die Konversionsraten schon 68% der stationären Konversionsraten. Zwei Dinge finde ich dabei noch berücksichtigenswert: International ist der M-Commerce in Deutschland unter den Schlusslichtern zu sehen, aber im europäischen Vergleich Nummer Zwei nach den Briten. Und die so genannte Customer Journey über mehrere Touchpoints wie Plakat, Mobilgerät, Print-Werbung bis hin zum am vorwiegend noch am PC getätigten Kaufabschluss darf man auch nicht unter den Tisch fallen lassen. Apropos Kaufabschluss: Beim mobilen Einkauf liegt neben Musik und Filme mit der Kategorie Buch ein Print-Produkt vorne.

Mobile-optimierter Marktplatz von Spreadshirt

Mobile-optimierter Marktplatz von Spreadshirt

Nähern wir uns nun dem E-Business Print – oder in diesen Fall besser M-Business Print. Ich zähle die Firma Spreadshirt durchaus zu diesem Bereich, werden bei ihnen in Leipzig doch on-demand Kleidung und andere Produkte bedruckt. Die Firma hatte schon vergleichsweise früh erkannt, dass die Bedeutung von M-Commerce bei ihnen stark ansteigen wird, und darauf 2013 zunächst mit einem Touch-fähigen T-Shirt-Designer reagiert. Ergebnis: Inzwischen ist fast die Hälfte der Besucher mit einem mobilen Endgerät unterwegs.

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Auch im E-Business Print: Shops sollten Mobilgeräte-tauglich sein, nach dem Motto „Touch not first, but too“.
– Bernd Zipper

Zum nächsten Weihnachtsgeschäft 2014 sollten dann auch weitere Teile der Plattform „mobile-isiert“ werden. Nach dem Designer waren dafür eine mobile Variante des Marktplatzes sowie eine Mobile-Optimierung des Check-outs dran. Der mobile Marktplatz konzentriert sich mehr auf Bildbotschaften und vermeidet längere Texte. Und er hat ein interessantes Detail, dass die von mir hier bereits erwähnte Customer Journey berücksichtigt: Eine Merkliste hilft dabei, gefundene Produkte später auf dem heimischen Computer wiederzufinden, da viele Kunden ja, wie ebenfalls erwähnt, Kaufabschlüsse lieber an stationären Geräten tätigen. Andererseits ist der mobile Check-out auf nur einer Seite (single-page-check-out) im responsive Design gehalten und einfach zu benutzen.

Seit der Einführung dieser zwei Neuerungen, so berichtet Spreadshirt-Chef Philip Rooke, seien die Bestellungen über mobile Endgeräte bereits um 60% gestiegen. Und zum Weihnachtsgeschäft erwartet er sich einen weiteren Schub von 20 bis 30 Prozent. Ach ja, der vorweihnachtliche Peak im E-Commerce soll voraussichtlich das erste Advents-Wochenende werden. Laut einer Studie von deals.com dürften alleine an diesen zwei Tagen 787 Millionen Euro in die Taschen der deutschen Online-Händler wandern.

Was wir für E-Business Print daraus lernen können? Nun, die Tragweite der mobilen Welle ist im B2B bei Onlinedruckshops gewiss noch nicht so weitreichend wie bei E-Commerce mit Konsumenten. Den M-Commerce sollte man dennoch nicht unterschätzen. Viele Entscheider schauen beispielsweise in Meetings auf das Handy oder Tablet, um einen Beschaffungspreis zu eruieren und dann später zu ordern. Ein Vorreiter im E-Business Print ist hier diedruckerei.de – coole Sache. Der nächste Shop-Launch oder -Relaunch sollte idealerweise geeignet für mobile Endgeräte sein, nach dem Motto „Touch not first, but too“.

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