Onlinedruckerei Flyeralarm setzt auf Dialogmarketing: Hamburger Startup upgrade! übernommen, Wachstum durch Offline-Aufträge

8. Dezember 2014, 10:11 Uhr | Hintergrund, Meinung, Neues

Vom Onlinedrucker zum Marketing-Dienstleister, so wolle man sich weiterentwickeln – diese Losung gab der neue Geschäftsführer Markus Schmedtmann im Sommer 2014 aus. Nun, mit der Übernahme der Hamburger Marketingservice-Firma upgrade!, zeichnet sich der Kurs schon genauer ab. Bernd Zipper wirft einen Blick hinter die Kulissen.

Schon kurz nachdem der jetzige Flyeralarm-Geschäftsführer Markus Schmedtmann zu der großen deutschen Onlinedruckerei stieß, verlautbarte man am Firmensitz in Würzburg, man wolle sein Geschäftsfeld zum führenden Komplettanbieter für Marketing-Dienstleistungen ausbauen. Mit der Akquise von upgrade! folgt jetzt ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Es gibt nun allerdings etliche Agenturen und Dienstleister, die „ganzheitliches Dialogmarketing“ in ihrem Portfolio aufführen – ich finde, da lohnt ein genauerer Blick auf das, was upgrade! ausmacht und in welchem Umfeld die Firma bislang unterwegs war.

Zunächst ist upgrade! kein unabhängiger Startup, sondern eine Gründung der Hamburger B + S Mailmanagement. Diese Firma ist im Bereich Post-Mailings kein Unbekannter. B + S bringt jährlich bis zu 400 Millionen Mailings in die Briefkästen und hat Kunden wie Banken, Versender und Spendenorganisationen. Im Online Print ist B + S auch schon aktiv. Dafür haben die Hamburger die Tochtergesellschaft b + g mailing.de GmbH gegründet, die mit 60 Mitarbeitern in Schwerin operiert. Die Idee dazu, die Onlinedruckerei für selbst konfigurierbare Print-Mailings zu gründen, kam B + S, so Geschäftsführer Christian Borchert im Februar 2014, „von Vorbildern wie Flyeralarm.“

Die zweite Gründung upgrade! richtet sich jedoch an das anspruchsvollere Dialogmarketing. Zum Konzept der Firma gehören Beratung und Umsetzung von Kampagnen oder auch Teilen davon. Und obwohl ein ganzheitlicher Ansatz mit Kreation, Strategieentwicklung, Produktion, Logistik und Responce-Messung die Leistungen von upgrade! ausmacht, steht Print mit Schwerpunkt Mailings und anderer Print-Marketingprodukte doch im Mittelpunkt. Das kommt jetzt durch die Umbenennung in upgrade! Printmanagement GmbH noch mehr zum Ausdruck (bislang nannte sich die Firma upgrade! Gesellschaft für innovatives Marketing mbH).

Der upgrade!-Geschäftsführer Jörg Schneppenheim ist ein ausgewiesener Kenner dieses Metiers, wirkte er doch direkt zuvor in der Geschäftsleitung von Avarto Mail & Document Solutions. Und die ist eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns, wo auch Flyeralarm-Geschäftsführer Markus Schmedtmann lange Jahre seiner Karriere verbrachte. Man kennt sich. Beide arbeiteten bei der damaligen Avarto direct services Frankfurt GmbH zusammen, Schmedtmann als Geschäftsführer, Schneppenheim als Manager mit Prokura. Und nicht nur das, beide bringen eine „Think-bigger-Philosophie“ in ihre neuen Firmen ein.

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Flyeralarm nutzt die Basis des Onlinedruckgeschäfts, um Kostenvorteile auch für Offline-Aufträge einzusetzen.
– Bernd Zipper

Meiner Einschätzung nach wird auch der Verkäufer bei dieser Firmenübernahme weiter mit Flyeralarm zusammenarbeiten, die ja schon bislang Druckaufträge aus Hamburg vermittelt bekamen. Und damit komme ich zur Flyeralarm-Strategie, wie ich sie sehe. Zunächst ist es kein Geheimnis, dass Flyeralarm neben dem reinen Onlinedruckgeschäft auch die klassische Auftragsgenerierung im höhervolumigen Bereich mit einer eigenen Beratungs- und Vertriebsmannschaft betreibt. Konkurrenzfähig ist man durch den breiten Sockel des Onlinedruckgeschäfts, der einen hohen Automatisierungsgrad und somit Kostenvorteile auch für das klassische Akzidenzgeschäft mit sich bringt. Flyeralarm kennzeichnet zudem, dass die Beteiligungen und Produktionspartner auch selbstständig, in eigenem Namen, akquirieren. Das Druckhaus Mainfranken in der Kooperation mit Schleunungdruck ist so ein Beispiel, und, als zweites Beispiel, die ehemalige Flyeralarm Werbetechnik GmbH operiert jetzt selbstständig als Redfoxprint GmbH. Solch „lose Enden“ sind charakteristisch für den Würzburger Onlinedrucker.

Wie schon angesprochen, bildet der Onlinedruck als Self-Service-Modell die breite Basis und den Kern des Geschäfts von Flyeralarm. Dies wurde horizontal erweitert mit der Einführung der Marke „my Flyeralarm“ und kürzlich erst mit dem 3D-Druckservice für Selfie-Figuren my3D sowie der Website-Baukasten-Firma rukzuk. Der Einkauf von upgrade! ist die erste Akquise in der vertikalen Erweiterung des Geschäfts. Und da bestehen nicht nur gute Kontakte untereinander, sondern auch solche zu Kunden – die man gerne mitnimmt.

Bei all den neueren Aktivitäten sehe ich aber auch die Gefahr, dass sich Deutschlands Branchenprimus im Onlinedruck verzetteln könnte. Manchmal ist eine gute Idee eine gute Idee – aber der Markt dafür noch nicht reif. Denn nicht nur Zögerliche habe ich schon erlebt, sondern auch mehrfach Geschäftsmodelle, die ihrer Zeit zu weit voraus waren.

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