Die Trends im E-Business Print 2015

5. Januar 2015, 15:55 Uhr | Hot/Flop

Während die einen noch zaudern, hadern und sich nicht im Online Print engagieren, zeichnet sich in einigen Segmenten des E-Business Print schon ab, dass in absehbarer Zeit eine Marktsättigung eintritt, auf die man sich schon mal einstellen sollte. Doch das heißt bei Weitem noch nicht, der Markt für Onlinedruck sei insgesamt schon gesättigt. Nein, ich sehe viele Potentiale und Entwicklungsmöglichkeiten auch und gerade für kleinere und mittlere Druckdienstleister – und solche, die sich neu als Internet-Drucker aufstellen. Das Wachstum im E-Business Print wird noch Jahre andauern und weiter Bereiche des Offline-Vertriebs substituieren.

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Das Ende März anstehende Online Print Symposium 2015 greift bereits einige der hier von mir versammelten Trends auf. Schon das Motto „Zeit der Entscheidung: Online-Druck – Manufaktur oder Druckfabrik?“ zeigt wichtige kommende Marktentwicklungen auf. Bereits öfters habe ich darauf hingewiesen, dass Geschäftsmodelle der großen Onlinedruckereien kaum in kleinerer Skalierung funktionieren werden und ein Markteintritt teuer wird. Wer aber die Web-Reichweite zu bedienen weiß und seine eigenen Stärken und Differenzierungsmerkmale ausspielen kann, hat nach wie vor gute Aussichten im Online Business.

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Onlinedruck ist nur was für die Großbetriebe? Manche kleine und handwerklich orientierte Druckereien wären ohne das Web heute gar nicht am Markt.
– Bernd Zipper

Ich nenne mal ein fast extremes Beispiel: Es gibt im deutschsprachigen Raum mehrere kleine Druckbetriebe, die sehr handwerklich und mit Technik teils aus den 1920er Jahren arbeiten, aber nur dank des World Wide Web genügend Bekanntheit erreichen, um am Markt erfolgreich zu sein. Anders ausgedrückt: Ohne das Web gäbe es diese Betriebe nicht. Dem gegenüber stehen die Onlinedruckfabriken (die, nebenbei, Lieblingskunden der gebeutelten Druckmaschinenbauer sind); hier ist die Onlinedruckindustrie sehr geprägt von Automatisierung und Prozessoptimierung. Und in Sachen Mass Customization (welches ich hier nicht zum Trend eines einzelnen Jahres ausrufe) fängt eine ganze Branche erst an, sich mit den Internet-Wirkmechanismen vertraut zu machen. Nun aber genug der Einleitung, hier sind meine zwölf Trends im Online Print für 2015:

B2B wird wichtiger
Den großen Kuchen im gesamten E-Business stellt der Bereich Business-to-Business. Schon jetzt ist der B2B-Onlinehandel einschließlich Procurement 30mal größer als B2C. Und noch längst nicht alle Geschäftskunden sind bei der Digitalisierung bereits dabei. Für entsprechende Onlinedruckshops heißt die Aufgabe 2015: Fit sein für E-Procurement.

UXP
User Experience und Usability werden 2015 eine starke Rolle bei neuen Shop-Ausrichtungen und Relaunches spielen. Selbst sehr technisch ausgerichtete Firmen erkennen dabei, dass Emotionen des Kunden eine stärkere Rolle spielen als bislang angenommen.

Mobile
Online Print ist ein Nachzügler in der mobilen Nutzung, vor deren Unterschätzung ich hier auf beyond-print bereits mehrfach gewarnt habe. 2015 kommt aber auch das E-Business Print nicht um die „Mobilisierung“ der Onlinepräsenzen herum.

Aliens
Immer mehr „Branchenfremde“ generieren mit klugen Onlinedruck-Geschäftsmodellen Druckaufträge. Ihr Vorteil: Ihnen fehlen die „Scheuklappen“ der etablierten Drucker.

Dynamische Templates
Das kundenseitige Befüllen von Templates verabschiedet sich von starren Designvorgaben. Dabei werden Echtzeit-Datenströme ebenso genutzt wie Einbindungen von Content- und Asset-Managementsystemen Dritter. „Flüssige“ Designregeln, wie sie Kunden bereits von den Screen-Darstellungen der verschiedenen Internet-Endgeräte gewohnt sind, tragen diese Entwicklung mit.

Druckfabrik
Vom Wide Format bis zum Klein-Label decken Onlinedruckfabriken ein immer breiteres Spektrum an Standarddrucksachen ab. Entscheidend ist die fortschreitende Automatisierung der Prozesse. 2015 wird sich das in deutlichen weiteren Investitionen der großen Marktteilnehmer ausdrücken.

Sicherheit von Kundendaten
Die Daten, die Druckkunden über ihre eigenen Kunden haben, werden von Onlinedruckern zunehmend zielgerichtet verwendet werden – Stichwort Print-Targeting. Das machen die Druckkunden aber nur dann mit, wenn der Druckdienstleister den sicheren Umgang mit Kundendaten beherrscht.

Embedded Procurement
Neben der W2P-Integration in das eigene MIS machen sich Druckdienstleister weiter schlau in Sachen ERP, um als Dienstleister besser bei ihren Kunden (und deren SAP, Oracle, Postgre SQL,…) anzudocken.

Datengetriebenes Marketing
Im Internet entstehen Werbenetzwerke, die datengetrieben Kunden gezielter ansprechen. Ziel: Der Werbende ahnt nicht mehr, wo sein potentieller Kunde ist, sondern er weiß es. Das ist einerseits nachteilig für Print, weil die Agenturen noch fast nur auf die Digitalkanäle schauen. Andererseits bestehen durch die gezielte Ansprache auch Chancen für Print als hochwertiges Werbemedium. Onlineprint mit VDP und einer Vernetzung mit Marketing-Automatisierung profitiert hiervon am meisten.

Internationalisierung
Der deutschsprachige Onlinedruckmarkt aus DACH ist in einer guten Position für die Internationalisierung von Onlineshops. Die Euro-Währungsunion ist dabei einer der Vorteile, die zentrale Lage in Europa ein Plus für die Logistik. Und hohe Standards im Druckprozess, Herzblut-Mitarbeiter und nicht zuletzt eine lebendige Szene an Softwarefirmen für Lösungen im E-Business Print schaffen weitere gute Rahmenbedingungen für eine Internationalisierung des Onlinedruckgeschäfts.

Spezialisierung
Der generelle Akzidenzdrucksachen-Shop ist so wenig unterscheidbar wie viele Offline-Druckereien auch. Im Online Print etablieren sich nun eher Spezialisierungen, sei es in vertikale Märkte, mit einem besonderen Produktfokus oder anderen Differenzierungen vom Rest der Marktteilnehmer.

Kooperation und Partnerschaft
Der moderne Onlinedrucker hat keine Probleme, mit den Dienstleistungen anderer Kollegenbetriebe auch zu handeln. Onlinedruck-Netzwerke und Synergie-Partnerschaften erweitern das Spektrum des Online-Angebots. Im Schulterschluss beispielsweise mit Kreativagenturen werden 2015 vermehrt Full-Service-Marketinglösungen angeboten werden.

Das ist nun meine Sortierung der Trends 2015 für E-Business Print. Ich erachte alle zwölf Trends als nahezu gleich wichtig. Mein Vorschlag: Sortieren Sie doch einmal die Trends nach Ihrer eigenen Priorität. Ach ja, beyond-print hat eine Kommentarfunktion, die beispielsweise dafür gut sein kann, den anderen Lesern und mir mitzuteilen, welchen Ihrer wichtigen Trends ich möglicherweise übersehen habe.

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