User Engagement mit Rückkanälen für Print: Hat der hässliche QR-Code mit diesen Alternativen ausgedient?

7. Januar 2015, 16:43 Uhr | Hot/Flop, Neues, Technik

Druckdienstleister sollten noch weiter umdenken und begreifen, dass Print zwar ein wichtiger, aber eben nur einer der Kommunikationskanäle ist. Betrachtet man diese mit den Augen der Werbewirtschaft, so heißt das, bei nicht unbedingt gestiegenen Werbebudgets müssen die vorhandenen Etats effizienter auf die verschiedenen Werbe-/Kommunikationskanäle verteilt werden. Heute werden dabei die Mega-Nachteile von Print im Verglich zu Digital-Kanälen so benannt: Streuverluste, mangelnde Möglichkeiten zur Erfolgsmessung, schlechte Verzahnung mit anderen Kanälen. Auch jenseits von Werbung steht meiner Meinung nach bei Print-Produkten immer mehr die Notwendigkeit an, diese in dieser Hinsicht fitter zu machen, etwa beim Verpackungsdruck. Aber bitte möglichst nicht mit dem QR-Code. Dieses hässliche Entlein wird nicht mehr schöner.

Eignet sich eher als TV-Rauschen als in Print: QR-Code

 

Als klassisches Instrument hat sich der QR-Code, der ja immerhin seit 1994 im Einsatz ist, bewährt. Seit einigen Jahren kann man ihn durchaus als etabliert bezeichnen. Viele Endanwender wissen aufgrund seines eindeutigen (= hässlichen) Aussehens um seine Funktion und wie er genutzt wird. Doch während die einen noch den großen Durchbruch erwarten, gibt es erste Stimmen, die den QR-Code bereits in der Besenkammer der Responce-Techniken verschwinden sehen. Dass der QR-Code ein Smartphone oder Tablet benötigt, ist ein immer weniger wichtiges Argument, aber die Interaktion wird oft als zu umständlich bewertet.

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QR-Codes sind unschön, umständlich und für User Engagement ungenügend.
– Bernd Zipper

Und jetzt werde ich mal deutlich: Generell finde ich QR hässlich und es ist mir nicht verständlich, dass Werbetreibende Millionen ausgeben, Proofs anfordern und Color-Matchen bis die Luft brennt, um sich dann so hässliche QR-Codes in die Anzeige zu „integrieren“. Oder die TV-Oberschlauen, die jetzt QR-Codes bei Kochsendungen einblenden – ich zücke da garantiert nicht mein Smartphone.

So oder so, es ist besser – und für Druckdienstleister möglicherweise einträglicher – sich mit den Alternativen zum QR-Code zu beschäftigen. Im Folgenden habe ich einige bestehende und kommende Responce-Möglichkeiten für Print zusammengetragen:

Keep it simple
Eine einfache Sache ist die Verwendung einer „sprechenden“ und kurzen URL; einem Weblink, den sich der Leser leicht merken kann. Das geht auch mit Short-URLs wie bei bit.ly, die man selber benennen kann (beispielsweise hat das Impressum unsere EPOS Studie die Short-URL bit.ly/eposimpressum). Aus Druckkatalogen werden gerne Produktnummern verwendet, die den Leser beispielsweise im zugehörigen Onlineshop zur Produktseite führen. Viele im Versandhandel verwenden dies erfolgreich, wieso also nicht auch in anderen Anwendungen einsetzen? Und dann wäre da noch der SMS-Shortcode – das klingt zwar nach old school und nicht gerade sexy, funktioniert aber in geeigneten Anwendungsfällen auch.

Barcodes
Strichcodes (EAN, UPC,…) können zweitgenutzt werden, um nicht auch noch zusätzlich Platz auf dem Druckprodukt für den QR-Code zu verwenden / verschwenden.

Personalisierung mit pURLs
Wenn Werbebudgets ohnehin zielgerichteter verwendet werden sollen, sind pURLs (personalisierte URLs), ob sie nun in einem QR-Code „versteckt“ oder direkt ausgeschrieben gedruckt werden, ein hervorragendes Responce-Mittel. Deren Generierung sollte in Bereichen wie Direct Mail zu den Pflichtfunktionen einer Softwarelösung gehören.

Bilderkennung
QR-Codes werden oft auch als hässlich und mitunter auch nicht vereinbar mit dem Print-Design wahrgenommen. Hier greifen Bilderkennungstechnologien wie Clickable Paper von Ricoh, von Shortcut, oder auch die Bilderkennung, die von Augmented-Reality-Apps verwendet werden. Die Bilderkennungstechniken funktionieren mit den eigentlichen Inhalten des Print-Produkts und benötigen kein Extra-Element.

Smart Ink
Während Augmented Reality Anwendungen ebenso wie Clickable Paper eine vom User zu installierende App voraussetzen (und damit eine ähnliche Barriere wie QR-Codes aufbauen), verspricht die Zukunft von Printed Electronics und Smart Ink (noch ein Buzzword gefällig: Interactive Ink) eine einfachere Anwendererfahrung. Bereits seit einigen Jahren entwickelt T-ink eine unsichtbar mitdruckende leitfähige Farbe unter dem Namen Touchcode. Hier wird einfach ein mobiles Endgerät auf das Print-Produkt gehalten, um die Interaktivität zu starten.

NFC
Bei NFC und andere Printed Electronics sind schon viele weitere Hersteller wie etwa Thinfilm, HP, Canon oder Xerox engagiert, die hier genannten beispielsweise im NFC Forum. Die Kern- und Wachstumsmärkte sind momentan aber eher Touch Displays, Touch Panels, Smart Cards, Solarpanels und andere nicht gerade typische Druckprodukte, wenn man einmal von Smart Labels absieht. Das könnte sich jedoch schnell ändern, wenn es nach meiner Abschätzung schon bald massentauglichere Anwendungen mit normalen Inkjet-Digitaldruckmaschinen geben wird. Den Druckdienstleistern dürfte dies am ehesten zusagen, erzielen sie hierbei doch eine höhere Wertschöpfung als beim einfachen Aufdrucken eines QR-Codes.

Mein heißer Kandidat als Print-Rückkanal der Zukunft ist NFC. NFC wird leichter in Druckprodukte integrierbar, ist breit auf mobilen Endgeräten mit Android und iOS vertreten, ist beispielsweise mit Wifi koppelbar und hat ein unvergleichbar großes Einsatzfeld. Das wird das Ding, auch wenn Apple trotz später NFC-Integration sich immer noch anstellt wie eine launische Diva und NFC bislang nur mit ApplePay integriert.

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