Warum sich über Regen aufregen? Prognosen, Roboter und warum ich manchmal Recht habe.

23. Januar 2015, 16:26 Uhr | Meinung

Am Himmel zeichnen sich dunkle Wolken ab, ist jedem klar: es wird bald regnen. Scheint die Sonne und man bricht zum Spaziergang auf, und oft sind Ermahnungen wie „lass uns den Regenschirm mitnehmen“ Grund zu Zwist, Misstrauen, sogar Streit.

Das habe ich oft genug erfahren. Wenn ich – und das war nicht selten – den Mut, die Lust, die Aufgabe hatte, die nächsten Jahre zu beschreiben. Entwicklungen, Trends, Veränderungen. Hatte ich immer recht? Angenommen, Sie hätte eh keine Zeit zur Recherche, könnte ich sagen: ja, so gut wie immer. Dummerweise hatte ich so gut wie immer recht. Wieso eigentlich?

Orakel

Weil ich nicht spekuliert habe. Das können die an der Börse tun. Mein Ding ist das nicht. Ich halte mich da an den sprichwörtlichen Adam Riese und zähle 1 und 1 zusammen. Genauer: 1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1… – eben, indem eins zum anderen kommt, ergibt sich ein neues Ganzes, das weit mehr anders ist als die Veränderung der einzelnen Teile und Faktoren.

Prognosen sind keine Spekulationen. Prognosen sind Logik. In ungezählten Beratungsgesprächen habe ich das gesagt. Nicht immer mit dem Resultat, dass man mich glaubend anblickte. Zu gerne glauben Menschen – und mal unter uns: auch Manager sollen ja Menschen sein – ans Unwahrscheinliche. Falls ihnen nicht gerade die Angst im Nacken sitzt und ins Ohr flüstert: „Bitte, bitte, bloß nichts ändern ….!“

Zipperkopf_MalUeberlegen

Prognosen sind keine Spekulation, keine Kaffesatzleserei, sondern das Ergebnis von Logik und Analyse.
– Bernd Zipper

Da ist die Sache mit dem E-Business-Print. 2009, also vor gut 6 Jahren, war das noch irgendwie futuristisch, um nicht zu sagen, nach Mehrheits-Meinung nur ein Fall für Betriebsverlust-Süchtige oder totale Spinner. Kaum etwas oder gar nichts für etablierte Druckereien. Auch Agenturen, Berater, Institutionen behandelten das Thema tendenziell eher „mit spitzen Fingern“ wie eine heiße Kartoffel. Und mittendrin im Zentrum des Themas der Zipper als Belustigungs-Figur: „2015 wird der Umsatz via Online 10 % oder mehr des Druckumsatzes ausmachen“ (Bezug: Zentraleuropa). Ha-ha-ha. Grinsen. Und Furcht. Mehr als freudige sah ich furchtzerfurchte Gesichter. Weshalb alle mir beweisen wollten, dass ich Unrecht habe.

Hatte ich nicht. 2014 lag der Print-Umsatz via Online, also E-Business-generiert, bei beachtlichen 2,42 Mrd. Euro in den D-A-CH-Ländern. Und das bei einem Gesamtumsatz Print von „nur“ noch knapp 24 Mrd. Euro.

Kaffeesatzlesen? Nein, Logik. Und: Analyse. Weil „über’s Netz bestellen“ zum Normalfall in vielen Bereichen des Privat- und Geschäftslebens geworden ist. Unter anderem. Und, sorry, liebe Druckdienstleister, weil einem eine Bestellplattform nichts aufschwätzt, sondern sachlich bei den Fakten bleibt. Unter anderem. Nicht alle „Vorherseher“ hatten immer recht. Las ich doch vor kurzem, wie kurios daneben sie manchmal lagen. Dabei fand ich diesen Satz einer Analyse sehr bemerkenswert: „Der Kardinalfehler von Trendforschern und Prognosten ist es stets, zu erwarten, die Zukunft funktioniere nach grundsätzlich anderen Spielregeln als die Gegenwart. Oder: Vor lauter Suche nach Veränderung zu vernachlässigen, was alles gleich bleibt.“

1968 glaubte Science-Fiction-Autor James R. Berry, ab ungefähr 2010 wäre der 4 Stunden-Arbeitstag Realität. Nun ja, eine 2 davor, und es stimmt ja auch. Vor allem Richtung Roboterisierung haben viele damalige Zukunftsforscher Abenteuerliches vorhergesagt. Menschen würden durch Maschinen ersetzt. Ich überlasse Ihnen, mit „stimmt“ oder „nicht wahr“ zu urteilen. Oder die These vom Cocooning: wir werden immer einsamer. Statt dessen: Soziale Medien fördern durchaus reale Begegnungen. Post befördert durch Raketen. O ja, wenn Amazon demnächst die Drohnen schickt …

Und Roboter-Sex solle es geben, glaubte Joel Snell 1997. Mit mir und bei mir jedenfalls nicht, dafür bleiben meine Prognosen sexy: Sie mögen manchmal frivol klingen, vielleicht sogar eine Zumutung für manche Hirne sein, bleiben auch zuweilen eher etwas vage, sind aber immer etwas, was ungemein sexy, also attraktiv erscheint – für alle, die sich nicht zum Roboter haben machen lassen. Will sagen: was ich prognostiziere, mag von programmatisch denkenden Menschen mit Skepsis aufgenommen werden. Die, die eher pragmatisch und praxisorientiert denken, widersprechen mir zumindest selten bis nicht …

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