Flash: Zeit zum Abschalten? Kommt drauf an…

5. Februar 2015, 14:31 Uhr | Meinung, Neues, Technik

Bereits viermal mussten Anwender von Adobe Flash das Browser-Plugin in diesem noch jungen Jahr 2015 aktualisieren, eine eindeutig zu hohe Frequenz. Verursacht ist die durch Sicherheitslücken, die seit Januar bereits dreimal Ursache waren. Der einstige Star bei der Online-Darstellung von Bewegtinhalten und Multimedia kommt anscheinend nicht mehr beim Stopfen der Sicherheitslücken hinterher. Browserspiele, die nervige Onlinewerbung, Website-Navigation und nicht zu vergessen Online-Editoren für Druckvorlagen sind nur einige der Bereiche, in denen Flash mal auftrumpfte, nun aber mehr und mehr verschmäht wird. Vor wenigen Tagen hat sich Google entschieden, für die Videos seiner Tochter YouTube künftig HTML5 zum Standard für das Abspielen zu machen. Das könnte nun endgültig das Ende der Flash-Ära einläuten. Ich meine: Zeit wird es ja, aber noch nicht in allen Bereichen.

FlashVerwundbar

Keine Sorge, dies ist nur ein Bildschirmfoto.

 

Neben dem Rauskicken von Flash gibt es auch einige Abwehrmaßnahmen. So deaktiviert Firefox, das in aktueller Version 35+ HTML5 noch ungenügend unterstützt, immerhin das Flash-Addon (Shockwave Flash), wenn es veraltet ist. Ab Version 36 wird HTML5 dann Standard, diese Version ist bereits als Beta verfügbar. Chrome und Safari sind in Sachen HTML5 schon weiter. Ach ja, Auf mobilen Endgeräten sieht es bereits länger düster für Flash aus. Bekanntlich unterstützt iOS es gar nicht (was Apple offenkundig nicht geschadet hat und 2007 noch nicht einmal eine visionäre Entscheidung von Steve Jobs war, der dann 2010 seine „Thoughts on Flash“ veröffentlichte), und Android (abermals Google) mag Flash seit geraumer Zeit zumindest standardmäßig auch nicht mehr. Und natürlich weiß Adobe um den steigenden Anteil mobiler Internet-Nutzung, was bedeutet, dass der Hersteller selber spätestens seit dem Einstellen der Entwicklung der Mobil-Version den Entschluss gefasst hat, Flash irgendwann auslaufen zu lassen.

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Noch ist es nicht soweit. Aber Flash wird in absehbarer Zukunft irrelevant (außer bei Onlinewerbung, was schlecht ist für Onlinewerbung).
– Bernd Zipper

Es scheint: Allenfalls für ältere Browser-Versionen mag Flash noch ein wenig Sinn machen, Sicherheitsrisiko eingeschlossen. Aber ich rate momentan eher zu der Option Click-to-play (nachfragen, ob aktiviert werden soll), die die Browser Chrome, Firefox, Opera und Safari anbieten. In Internet Explorer kann man Shockwave Flash explizit für einzelne Websites zulassen. Warum aber Click-to-play?

Das größte Einfallstor für Schadsoftware via Flash bleiben die Online-Werbenetzwerke. Die Werbung transportiert oft und auch in der aktuellen Sicherheitslücke erst die Schadsoftware auf den Computer des Anwenders (es dauert wie jetzt dann immer ein paar Tage bis zum Erscheinen des nächsten Patches). Perfide dabei ist, dass die Websites, auf die (oder besser bei deren Besuch) Werbung eingespielt wird, dies nicht kontrollieren können. Und je mehr Targeting, umso „atomisierter“ die Werbeinhalte. Mit Click-to-play gibt es dann kein automatisches Abspielen von eingespielter Werbung und der Anwender kann selber entscheiden, welcher Quelle er vertraut. Das ist übrigens in Hinblick auf Flash-Sicherheitslücken sicherer als die Verwendung von Adblock Plus, welches ja bekanntlich Ausnahmen macht. In rein lokaler Anwendung und geschlossenen Umgebungen (Peer-to-peer wie bei Online-Editoren) bleibt Flash ohnehin ziemlich sicher.

Und wie steht es denn um Flash als Technik von Online-Editoren? Letztere hatten schließlich einen großen Anteil am Wachstum des Online-Print-Markts und Flash war da Pioniertechnik. Nun, von den in unserer EPOS Studie vertretenen Lösungen für Online-Print-Anbieter haben aktuell 21 Produkte Flash-basierte Editoren im Programm. In der Regel ist dies aber inzwischen eine Option neben dem bevorzugten HTML5-Editor.

„As you may already know, starting in the middle of 2014 Adobe will begin removing Flash-based extension support in Creative Cloud products, starting with Photoshop CC. If you have any hybrid or regular Flash extensions for InDesign you need to begin migrating them to HTML5 as soon as possible.“
– InDesign SDK Blog von Adobe

Zur Ehrenrettung der RIA-Laufzeitumgebung Flash (oder Flex, Air) muss ich sagen: HTML5 konnte bislang im Layout-Bereich einiges nicht erfüllen, was mit Flash möglich war (hier ein allgemeinerer Vergleich). Anspruchsvollere Editoren wie der Editor von Chili Publish oder der von one2edit mit InDesign Server im Backend benötigten daher mehr Zeit zur Umstellung. Aber das ändert sich nun, HTML5-basierte Editoren werden auch in dieser Liga längst entwickelt oder sind bereits parallel verfügbar und werden momentan funktional ausgebaut. In absehbarer Zeit werden auch die hochfunktionalen Online-Editoren alle auf HTML5 oder eine andere Umgebung umgestellt sein.  Als einer der letzten Sektoren zieht momentan auch der Markt der Fotobuch-Editoren auf HTML5 um.

Also: Panik ist im Online Print mit Frontend-Editoren auf Flash-Basis nicht angesagt, und die Umstellung auf HTML5 im vollen Gange. Aber Adobe täte gut daran, seine Flash-Software besser „abzudichten“, alleine schon um die permanenten negativen Schlagzeilen und die Deinstallation seitens der Anwender zu vermeiden. Neue Features erwartet das Publikum ohnehin nicht mehr, womit der Entwicklungsschwerpunkt Sicherheit bei Flash eigentlich klar sein müsste. Und zwar bis EOL.

(Update 6.2.15: Patch-Update von Flash für alle Plattformen veröffentlicht.)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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