Kommt das im Web rüber? Wie Onlinedruckereien Druckqualität kommunizieren

17. Februar 2015, 11:49 Uhr | Meinung

In Zeiten, als die ersten Druckereien im Web ihre Firmen-Homepages eröffneten, war es eine (Un)Sitte, den eigenen Maschinenpark ausführlich vorzustellen. Was in etwa so ist, als ob Ihre Autowerkstätte sich mit einer Liste aller Werkzeuge und Hersteller-Links der Hebebühnen präsentiert. (Dabei wollen Sie doch nur die Reifen tauschen.) Heute, zwei bis drei Web-Generationen weiter, haben selbst Onlinedruckereien immer noch nicht viel dazu gelernt. Der Maschinenpark und technische Ergüsse nehmen immer noch mehr Raum ein als die Darstellung der Kundenanforderung Nr. 1 – der Produktqualität.

(Abb.: pixabay/stux, cc)

(Abb.: pixabay/stux, cc)

Beispiel Raster: Einige Onlinedruckereien setzen FM- oder AM-Feinraster ein, womit eine bessere Wiedergabe von Fotos, gerasterten Schriften und Farbflächen erzielt wird. Außerdem lassen sich mit feineren Rastern Moiré-Effekte minimieren. Die Mehrzahl der Druckbetriebe macht so etwas nicht, also ließe sich mit dieser Steigerung der Druckqualität eigentlich gut werben.

Doch gut kommuniziert wird das kaum. So stellte eine Berliner Onlinedruckerei Ende 2014 den ganzen Offsetprozess von einem 80er- auf einen 120er-Raster um – dazu gab es aber wohl nur eine Pressemitteilung. Auf der Shop-Website und in den Social-Media-Kanälen ist vom neuen 120er-Raster gar nichts zu lesen. Auch nicht, dass die Firma damit auch weiter den Prozessstandard Offset (zu dem komme ich auch noch) einhält. Und so kommt es, dass allerhöchstens die Konkurrenz via Fachpresse von der höheren Druckqualität Wind bekommen hat, aber nicht die potentielle Kundschaft.

Wenn es dann andere Onlinedruckereien etwas besser machen und auf ihren Shop-Seiten tatsächlich darüber schreiben, dann findet sich das im Lexikon oder irgendwo anders – Hauptsache gut versteckt. Und dann wird man, hat man solche Unterseiten einmal gefunden, damit traktiert, wie sich eine Delta-E-Formel schreibt oder dass sich da etwas amplitudenmoduliert.

Die Produktqualität ist Kriterium Nr. 1 bei der Auswahl eines Onlineshops. (Abb.: Statista, Quellen: ECC Köln, ibi research, 2014)

Die Produktqualität ist Kriterium Nr. 1 bei der Auswahl eines Onlineshops. (Abb.: Statista, Quellen: ECC Köln, ibi research, 2014)

Beispiel PSO: Der Prozessstandard Offset (und manchmal auch der Prozessstandard Digitaldruck) findet sich oft und teils plakativ in Form eines Siegels auf der Startseite von Onlinedruckereien. Die Verbindung zu „Druckqualität“ muss sich der geneigte Onlineleser und potentielle Kunde dann aber auch selber bilden. Viele andere dürften sich denken, der Anbieter halte so etwas wie Verkehrsregeln ein. Der vorgebildete und hauptberufliche Drucksacheneinkäufer wenigstens, der weiß Bescheid. Blöd nur, wenn man den nicht erwischt, weil man ja einen B2C-Shop betreibt oder Kundenkreise im Visier hat, die vom Begriff „Offset“ so viel Ahnung haben wie ich von den Fachbegriffen der japanischen Messerschmiedekunst (wer mich kennt, weiß, dass mich das fasziniert, ich als Hobbykoch aber „nur“ interessierter Laie bin).

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Liefere gute Produktqualität und rede darüber.
– Bernd Zipper

Wenn ich nun in einem Onlineshop mit Konfigurator für mein individuelles Kasumi, dem japanischen Küchenmesser, stöbere, dann will ich nicht zuerst Fachmann für Metallurgie werden müssen. Sollte da etwas über die Einhaltung einer der vielen Normen der Stahlindustrie stehen, habe ich davon NULL Nutzen, weil sie mir schlichtweg nichts sagen. So geht es auch vielen Besuchern von Onlineprintshops, wenn sie auf der Startseite „ISO 12647“ ohne weitere (und verständliche) Erläuterung lesen.

Oder ein zweites Beispiel: Kaufe ich online customized Sportschuhe, will ich nicht von Abriebkoeffizienten der verwendeten Sohlenmaterialmischung gelangweilt werden. Sondern ich will eine gute Beschreibung des Produkts und der einzelnen Komponenten, aus denen ich mir mein Kasumi oder mein Paar Nordic-Walking-Schuhe zusammenstellen kann. Detailfotos und generell eine gute Produktfotografie möchte ich auch nicht vermissen. Schematische Darstellungen helfen mir da nur bedingt und bei bestimmten Fragestellungen. Und wenn mir auch noch andere Kunden, die im Shop konfiguriert und geordert haben, etwas über die Produktqualität verraten – umso besser.

Neben der objektiven Produktqualität sind Usability von Shop und der Produktgestaltung/konfiguration entscheidend. Dabei ist die Attraktivität messbar. (Abb.: User Interface Design GmbH)

Neben der objektiven Produktqualität sind Usability von Shop und der Produktgestaltung/konfiguration entscheidend. Dabei ist die Attraktivität messbar. (Abb.: User Interface Design GmbH)

Mein eigenes Kaufverhalten lässt sich durchaus mit den Ergebnissen vieler Umfragen in Einklang bringen. Als wichtigste Kriterien für die Wahl eines Onlineshops erweisen sich dabei aus Kundensicht als Nummer Eins die Produktqualität, gefolgt von einer guten Produktbeschreibung. Und zu der gehört auch eine gute Produktfotografie. Verkaufspsychologisch betrachtet darf man hier auch noch die Dimension „Emotionalität“ hinzufügen, und das nicht nur im B2C, sondern auch im B2B. Zudem lassen sich Produkte nach Attraktivität messen, beispielsweise nach dem Ansatz von Marc Hassenzahl, Michael Burmester und Kollegen nach pragmatischen (klar, nützlich,…) und hedonischen (interessant, auffallend,…) Qualitäten.

Es gibt also noch einiges zu optimieren in der deutschsprachigen Landschaft der Onlineprintshops. Ein guter Startpunkt wäre beispielsweise der Vortrag von Photo Professional Simone Naumann auf dem Online Print Symposium 2015 zum Thema Ansprüche an Produktfotografie für den Onlineverkauf von Print.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Marc

    18. Februar 2015

    meines Erachtens sind Qualität + Preis + Lieferzeit relevant, wobei jeder Einsatzzweck und Kunde andere Priorität hat - eine pauschale Aussage wie "Kundenanforderung Nr. 1 – der Produktqualität." ist daher auch nicht "ganz korrekt".
    (... denn evtl. muss die Werbung nur aufs Papier)

    Die Anbieterseite ist tatsächlich so wie von Ihnen beschrieben, der Preis ist der catcher, evtl. noch schnelle Lieferzeit - wobei die Qualitätsverbesserungen unter gehen.
    Wobei man sich bei der Lieferzeit teilweise frägt, warum so schnell, denn bei ausreichender Kunden-/Auftraggeberplanung, ist entsprechender Vorlauf vorhanden nur kann dieser in den Systemen nicht hinterlegt werden. In der Regel wird binnen 10 Tage produziert und sodann evtl. je nach Druckerei eingelagert - nur warum?
    Wenn der Auftrag erst in 3 Monaten (Eingang Kunde) zur Verfügung stehen muss, wäre eine Bündelung im Zeitraum von 2,5 Monaten für die Druckerei und den Kunden evtl. sinnvoller.
    Auch das haben die Druckereien noch nicht verstanden/berücksichtigt.


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