Neue Zahlen: Fotomarkt 2014, Fotobücher gewinnen hinzu, Digitalkameramarkt zerlegt sich

23. Februar 2015, 16:36 Uhr | Neues

Vorneweg: Dem Kameramarkt geht es schlecht. Wurden 2010 noch 8,62 Millionen Digitalkameras verkauft, so sind es 2014 nur noch 4,61 Millionen. Und im Vergleich zum Vorjahr kann man von einem regelrechten Absturz reden. 2013 gingen noch 6,1 Millionen Kameras in Käuferhände. Im Fotomarkt gesamt gibt es aber auch Gewinner. Und die kommen vornehmlich aus der Print-Sparte – wobei Online Print einen erheblichen Anteil daran hat.

(Abb.: pixabay/Unsplash, cc)

(Abb.: pixabay/Unsplash, cc)

Heute hat der Photoindustrie-Verband e.V. seine Zahlen zum deutschen Fotomarkt 2014 veröffentlicht, und die klingen in Kernbereichen dramatisch. Die verkauften Stückzahlen an Digitalkameras stürzten deutlich ab. Gegenüber dem Vorjahr beträgt der Rückgang ein Drittel, die nachgefragten Actioncams sind da übrigens mit eingerechnet. Klar ist ja schon länger, dass die Smartphones mit ihren immer besseren Fotofunktionen dem klassischen Digitalkameramarkt Anteile abjagen. Jetzt sind vom Rückgang aber auch die DSLRs (Digitale Spiegelreflexkameras) betroffen. Die steigende Zahl kompakter Systemkameras konnte das nicht ausgleichen.

Boom vorbei: Die Stückzahlen der verkauften Digitalkameras gehen jetzt deutlich zurück. (Quelle: Photoindustrie-Verband e.V.)

Boom vorbei: Die Stückzahlen der verkauften Digitalkameras gehen jetzt deutlich zurück. (Quelle: Photoindustrie-Verband e.V.)

Neben den Actioncams und Systemkameras sind auch noch hochwertige Kompaktkameras gefragt, ansonsten dümpelt der Markt mit ein paar Ausnahmen beim Zubehör vor sich hin oder schrumpft. Das Fotobuch hingegen zählt weiterhin eindeutig zur Gewinnerseite. Das hat es auch der steigenden Verbreitung von Onlineprint-Angeboten zu verdanken.

Laut Zählung des Verbands ist der Fotobuchmarkt 2014 auf 8,5 Millionen Exemplare gewachsen, um die 600 000 Exemplare mehr als noch 2013. Hier zählt der Verband die Zahlen seiner Bilddienstleister, nicht aber unbedingt aller Anbieter in Deutschland – so mancher Onlineprintshop mit eigener Fotobuchproduktion dürfte nicht in die Zahlen eingehen. Ich schätze daher die Zahlen etwas höher ein, aber der Trend stimmt natürlich.

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Onlineprint von Fotodruckprodukten bleibt ein Wachstumsmarkt, aber die nächsten Herausforderungen kommen schon auf die Anbieter zu.
– Bernd Zipper

Seit längerem beobachte ich auch, wie der Onlineprint im Fotobuchbereich das höherpreisige Segment ausbaut und größere Formate, Sonderformate oder beispielsweise eine bessere Ausstattung oder Bindung offeriert. Die Verbandszahlen gehen auch damit d´accord. Das A3 Format erreicht demnach jetzt schon 19 Prozent Marktanteil und auch das quadratische Format ist mit 17 Prozent Anteil beliebter geworden. Auch die Zahl der Fotobuchseiten steigt an, was ich auch für ein Indiz der steigenden Vertrautheit der Anwender mit Fotobüchern halte.

Konstantes Wachstum: Die Anzahl der gedruckten Fotobücher legt weiterhin zu. (Quelle: Photoindustrie-Verband e.V.)

Konstantes Wachstum: Die Anzahl der gedruckten Fotobücher legt weiterhin zu. (Quelle: Photoindustrie-Verband e.V.)

Mehr Wertschöpfung je Produkt erzielen Online-Anbieter mit noch größeren Formaten, Sonderprodukten wie Grußkarten oder bedruckten Tassen. Hier fließen allerdings nur Zahlen des Bundesverbands der Photo-Großlaboratorien und Futurescore ein, die auch nicht vollständig die Marktzahlen erfassen und Fotodruckprodukte vieler Onlinedruckereien nicht einschließen. Auch die Großlabore haben erkannt, dass Großformate auf Leinwand, hinter Acrylglas oder auf Alu-Dibond (in größeren Onlinedruckshops sind dies fast schon Standard-Druckprodukte) Umsatzwachstum bringen und dabei noch eine ordentliche Marge einbringen.

Im gesamten E-Business Print ist der Print von Fotoprodukten nur einer von vielen wachsenden Bereichen, aber einer den auch andere, die sich im Online Print engagieren, beobachten sollten. Denn dieser Bereich ist am deutlichsten vom Trend zum mobilen Internet betroffen. Eine zunehmende Anzahl an Endgeräten (Smartphones, Tablets) greift auf die Frontends der Shops und Portale zu. Wer hier als Shop-/Portal-Betreiber nicht seine Hausaufgaben macht und mobile Varianten, Verbesserung des UX und Simplifizierung des Onlinekaufs vorantreibt, verliert Anteile und Umsatz. Die mobile Welle rollt aber auch auf die anderen Bereiche des E-Business Print zu, einschließlich dem Geschäftskundensegment.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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