Innovativ, aber nicht die ersten: Onlinedrucker Flyeralarm offeriert jetzt den 3D-Bedruck ab Auflage 1

25. Februar 2015, 14:28 Uhr | Meinung, Neues, Technik

Flyeralarm steigt nun auch in den 3D-Bedruck, wohlgemerkt Be-Druck und nicht 3D-Druck, ein. Gemeint ist hier also das direkte Bedrucken von dreidimensionalen Objekten. Den 3D-Druck hingegen hat die Firma unter der Marke my3D als eine Art Zwitter zwischen Marketingmaßnahme und Pilotprojekt schon seit einigen Monaten im Portfolio. Dabei ist Flyeralarm beim Direkt-3D-Bedruck nicht der erste. Eine Firma aus Liechtenstein war mit derselben Technik schneller am Markt.

(Abb.: balleristo.com/BVD Druck + Verlag)

(Abb.: balleristo.com/BVD Druck + Verlag)

Seit einigen Tagen findet sich ein neues Angebot im deutschen Shop von Flyeralarm. Bei der Würzburger Firma kann man jetzt online Sportbälle mit einem eigenen Eindruck bestellen. Das gibt es in zwei Ausführungen und wahlweise einem oder zwei Eindrucken je Ball. Und auch noch nur in Schwarzweiß. Zu finden ist das in der Abteilung Werbeartikel, wo es unter anderem auch schon bedruckbare Getränkedosen gibt. Was ist da also so besonders an diesen neuen Produkten?

Understatement? Die Kategorie "Bedruckbare Bälle" bei Flyeralarm.

Understatement? Die Kategorie „Bedruckbare Bälle“ bei Flyeralarm.

Nun, während für Getränkedosen bei Flyeralarm zuerst „flach“ auf Folie gedruckt wird (obwohl das auch kontaktlos im Direktbedruck möglich wäre), werden die Sportbälle direkt bedruckt. Es wird also der kundenindividuelle Druck nicht erst angefertigt und dann auf das Objekt transferiert. Zum Einsatz kommt dabei eine Druckmaschine ausgerechnet von Heidelberger Druckmaschinen, die bislang nur „auf flach“ Druckmaschinen im Angebot hatten. Über diese Maschine, eine Art Inkjet-Roboter namens Jetmaster Dimension, hatte ich bereits im April letzten Jahres berichtet. Damals wurde auch bekannt gegeben, dass Flyeralarm Pilotkunde für die Jetmaster Dimension, die mit lichtechten UV-härtenden Tinten druckt, wird.

Dann folgten Monate des Schweigens, bis vor einigen Tagen „silent“ das Bedruck-Angebot in den Shop aufgenommen wurde. Keine Pressemitteilung, keine Landing Page, und bis gestern nichts in den sozialen Medien weist auf die Neuerung im Shop hin. Ungewöhnlich, denn sonst ist die Firma öffentlich sehr und rasend schnell mitteilungsfreudig (wenn sie die Themen selber setzen kann).

Ich vermute, Flyeralarm launchte den 3D-Bedruck unter dem Eindruck, dass bereits eine andere Firma, ebenfalls mit einer Jetmaster Dimension ausgestattet, einen Onlineshop für individualisierbare Sportbälle eröffnete. Es handelt sich um die gegenüber Flyeralarm vergleichsweise kleine BVD Druck + Verlag AG in Liechtenstein. Die Firma ist seit längerem bereits im Online Print engagiert und setzt dabei XMPie und iWay ein. Im Dezember 2014 schalteten die Liechtensteiner ihren Shop balleristo.com online, der sich ganz auf individualisierbare Fußbälle konzentriert. Mit diesem Shop richtet sich BVD auch erstmals direkt an Konsumenten.

balleristo launchte den Shop gleich im responsiven Design, um auch mobile Shop-Besucher anzusprechen (Abb.: 2sic)

balleristo launchte den Shop gleich im responsiven Design, um auch mobile Shop-Besucher anzusprechen (Abb.: 2sic)

Nun also hat Flyeralarm nachgezogen und (vielleicht früher als geplant) den Bedruck von Sportbällen in ihren Shop aufgenommen. Viel besser finde ich die fokussierte Shop-Site der Liechtensteiner, denn im Massensortiment von Flyeralarm geht der 3D-Bedruck ja fast unter. Das Shop-Konzept von Flyeralarm kann nur bedingt das potentielle Zielpublikum erreichen. Möglicherweise macht man sich in Würzburg und Berlin (wo der Programmierer-Think-Tank von Flyeralarm sitzt) ja schon Gedanken um ein passenderes Mass-Customization-Konzept. Und führt vielleicht „vertikale“ Sondershops ein, wenn die Jetmaster Dimension noch dieses Jahr auch den farbigen Bedruck beherrscht.

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Neue Drucktechnik, gepaart mit Online Print Vertrieb – anders geht´s nicht.
– Bernd Zipper

Nun zitiere ich mal aus einer Pressemitteilung von Heidelberger Druckmaschinen, die schon vieles über zukünftige Anwendungsgebiete der Technologie in der Jetmaster Dimension verrät: „Heidelberg hat die Jetmaster Dimension auf Basis der Inkjettechnologie zum individuellen Bedrucken von dreidimensionalen Objekten im Frühjahr des vergangenen Jahres erstmals vorgestellt und dieses Verfahren als „4D-Druck“ bezeichnet. Damit können Massenartikel künftig günstiger, flexibler und schneller individuell gestaltet werden. Gerade bei Massenware, wie beispielsweise Sportartikeln, Schuhen, Möbeln oder Autos suchen Endverbraucher zunehmend nach individuellen Gestaltungsmöglichkeiten.“ Hat hier jemand Druck auf Papier entdeckt? Nein, im Fokus stehen Konsumgüter statt Bogen und Rolle.

Und weiter: „Für all diese Anwendungsbereiche ist der Inkjetdruck das am besten geeignete Verfahren, da mit ihm das kontaktlose und hochqualitative Bedrucken der unterschiedlichsten Oberflächen in vielen Farbvarianten möglich ist. So wird über Robotersysteme künftig auch das Aufdrucken großflächiger Werbebotschaften, beispielsweise auf Flugzeuge, LKWs, Busse oder Straßenbahnen, möglich sein, wofür heute teure und zeitaufwändige Lösungen mit Folien notwendig sind.“ Das bedeutet: Der direkte 3D-Bedruck wird mindestens für die Werbetechniker und den Verpackungsdruck disruptiv und eröffnet gleichzeitig neue Chancen für Drucker – besonders wenn sie sich online engagieren.

Die Jetmaster Dimension bei BVD Druck + Verlag (Abb. von der BVD-Facebookseite)

Die Jetmaster Dimension bei BVD Druck + Verlag (Abb. von der BVD-Facebbookseite)

In Sachen 3D-Bedruck ist Heidelberger übrigens nicht alleine auf weiter Flur. Generell sieht die Inkjet-Technik schnelle Adaptionen in vielen Anwendungsbereichen. Die Verpackungsindustrie beispielsweise ist geradezu erschüttert angesichts der vielen Inkjet-Innovationen, die da auf sie zurollen. Und der Schweizer Maschinenhersteller Wifag-Polytype etwa stellt sich strategisch und in der laufenden Entwicklung auch immer mehr auf den kontaktlosen Inkjet-Bedruck von dreidimensionalen Produkten ein.

Abschließend möchte ich dieses noch festhalten: Auch wenn die ersten Angebote etwas unspektakulär wirken, der Jahreswechsel 2014/2015 markiert eine Zäsur in der Druckindustrie. Der kontaktlose 3D-Bedruck per Inkjet ist da – und hat in meinen Augen mehr Potential für die Druckindustrie als der ach so gehypte 3D-Druck. Der Traditionshersteller Heidelberger bringt ein komplett neues Druckmaschinenkonzept (Inkjet, Robotik, 3D-Bedruck) in produzierende Betriebe. Die haben gleich Kostenvorteile gegenüber den herkömmlichen Verfahren der individuellen Bedruckung von Sportbällen in Kleinauflage bis runter zur Auflage 1. Und beide Pilotbetriebe starten den Vertrieb im Onlinekanal. Bemerkenswert, Online Print ist mal wieder vorne.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Marc

    25. Februar 2015

    Im Ausland kann alles möglich bedruckt werden, wo man hier vergeblich sucht.
    Bspw. Obst mit Firmenlogo (Druck oder Aufkleber) bzw. Eier mit Wunschdruck usw.


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