Onlinedruckgigant Cimpress kreist Deutschland weiter ein: Übernahme der französischen Exagroup

2. März 2015, 15:29 Uhr | Meinung, Neues

Der weltgrößte Onlinedrucker Cimpress ist weiter auf Akquise-Kurs. Nachdem in Europa im letzen Jahr bereits große Onlinedruckereien in Italien und den Niederlande übernommen wurden, greift Cimpress N.V. (ehemals Vistaprint N.V.) jetzt in Frankreich zu. Das übernommene Unternehmen namens Exagroup SAS war in letzter Zeit selber auf Expansionskurs. Wegen deren Geschäftsmodells sind viele weitere Druckunternehmen mittelbar von dem Zukauf betroffen.

Stand der Exagroup-Marke Exaprint auf der Messe Salon C!Print 2015

Stand der Exagroup-Marke Exaprint auf der Messe Salon C!Print 2015

Diesesmal hat sich Cimpress nicht eine einzelne Onlinedruckerei zugekauft, sondern mit der Übernahme der Exagroup gleich ein Druckerei-Netzwerk zugelegt. Die Exagroup SAS mit Sitz in Mauguio bei Montpellier ist schon länger einer der führenden französischen Marktteilnehmer im Web-to-Print. Zwar hat sie eine eigene Produktion, beispielsweise Offset mit Heidelberger XL 75 Maschinen und auch solchen von Komori und KBA, und inzwischen an die 160 Mitarbeiter (vor vier Jahren waren es noch 40 Mitarbeiter). Seit einigen Jahren wurde das Portal namens Exaprint aber auf ein Netzwerk-Konzept umgestellt, bei dem Produktionspartner eigene Druckprodukte beisteuern können und ausschließlich an andere grafische Betriebe verkauft wird. So wurde beispielsweise der Bereich Etiketten kräftig ausgebaut – und ein Large-Format-Anbieter kann seinen Kunden auch den Etikettendruck anbieten.

Außerdem hat Exagroup selber international schon seine Geschäfte ausgeweitet und wurde nach Spanien und Italien auch in Großbritannien als Exaprint UK aktiv – was dort übrigens große Beachtung fand. Partner im Netzwerk können ihr eigenes Portfolio mit den White-Label-Produkten anderer Partner ausbauen. Dabei hat das Exagroup-Netzwerk auch immer solche Druckereien im Auge, die selber die Onlinedruckerei-typischen Kleinauflagen selber nicht wirtschaftlich produzieren können. Neben der Marke Exaprint betreibt die Exagroup auch die Reseller-Portale PrintyShop und Pure Impression.

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Man darf gespannt verfolgen, wie sich die Produktionspartner des Exagroup-Netzwerks nun verhalten werden.
– Bernd Zipper

Nun investiert Cimpress also in ein solches Partner-Netzwerk und legt dafür zunächst 91,5 Millionen Euro für 70 Prozent Anteile auf den Tisch. Je nach „Performance“ will man die restlichen 30 Prozent im Jahr 2019 zu einem Preis zwischen 39 und 47 Millionen Euro übernehmen. Damit liegt der Deal in einer ähnlichen Größenordnung wie die Übernahme von Pixartprinting aus Italien.

Ich hatte Exaprint schon länger auf dem Radar, und es gab Anzeichen, dass sich dieses Netzwerk auch in Deutschland etablieren will. Im deutschsprachigen Raum operieren auch andere Onlinedruck-Netzwerke, die sich die Mergers & Acquisations Abteilung von Cimpress sicherlich auch genauer angesehen haben dürften. Den besten Match machte aber wohl Exaprint.

Cimpress will nun im Laufe der nächsten Jahre das Produktportfolio der Exaprint-Gruppe in die eigene Mass-Customization-Plattform einspeisen, in die die Firma gerade beträchtliche Summen investiert (siehe dazu auch mein Interview mit dem Cimpress-Gründer). Ich bin nun gespannt, wie die White-Label-Produktionspartner der Exagroup die neuen Eigentumsverhältnisse aufnehmen. Und zweitens bin ich auf die Reaktionen der deutschsprachigen Onlinedruckereien gespannt, die ja nicht im Exagroup-Netzwerk engagiert sind. Der deutschsprachige Markt wird in Zukunft jedenfalls mehr Druck aus dem europäischen Ausland zu spüren bekommen. Mit der Exagroup, mit Pixartprinting und der niederländischen drukwerkdeal (die People & Print Group, die selber weitere europäische Shops vorbereiten und sich Anfang 2015 in Printdeal umbenannt haben) stehen drei Marken im europäischen Wettbewerb, die das Cimpress-eigene Produktspektrum nach oben erweitern.

Übrigens wird der Cimpress-Gründer und CEO Robert Keane auf dem Online Print Symposium 2015 Ende diesen Monats die eröffnende Keynote halten, und zwar zu dem Thema „Spezialisierungen und Partnerschaften im Web-to-Print-Markt“. Das Thema hat ja nun eine besondere Aktualität…

(Update 3.3.2015)
Wie der CEO von Exaprint in La Tribune anlässlich der Übernahme äußerte, stehe nun die Expansion nach Deutschland und anderer nordeuropäischer Länder an.

 

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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