Gedruckte Elektronik: Sonnenkraft zum Aufdrucken, temperaturfühlende Verpackung, selbstleuchtende Tapeten

6. März 2015, 13:58 Uhr | Neues, Technik

Diese Woche war in München die Messe LOPEC (Large-area, Organic & Printed Electronics Convention), ein guter Anlass für mich, hier auf beyond-print mal wieder auf die aktuellen Entwicklungen bei gedruckter und organischer Elektronik hinzuweisen. Auf die klassische Druckindustrie kommen Entwicklungen zu, die in wenigen Jahren gedruckte Elektronik zu einer normalen Sparte des Druckprodukte-Angebots machen werden. Besonders unter Beobachtung sind die Möglichkeiten für den Verpackungsdruck, aber auch beispielsweise der dekorative Druck wird gedruckte Elektronik und damit Funktionalität integrieren.

Arjowiggins Creative Paper vertreibt bereits eine für printed electronics geeignete Papierserie , auf Wunsch mit NFC vorgefertigt. (Abb.: Hersteller)

Arjowiggins Creative Paper vertreibt bereits eine für printed electronics geeignete Papierserie , auf Wunsch mit NFC vorgefertigt. (Abb.: Hersteller)

Am bekanntesten ist der Einsatz organischer Elektronik im Display-Bereich. AMOLED-Displays sind heute massenindustrielle Anwendung (Stichwort Smartphone), und aktuell geht die Entwicklung nun weiter in Richtung größerer, biegsamer und faltbarer Displays – was sie auch integrationsfähiger in Druckprodukte macht. Bekanntlich sind ja schon erste Umsetzungen, etwas ein Fotobuch mit Display, auf dem Markt.

Während sich nun viele Augen auch auf die Kombination gedruckter und konventioneller Elektronik (hybride Anwendung) richten, gibt es aber auch eine Fülle von Anwendungen, die die klassische Druckindustrie unmittelbarer betreffen. Ein paar Beispiele habe ich im Folgenden zusammengestellt:

Die französische Firma Arjowiggins Creative Paper entwickelt gerade Produkte mit gedruckter Elektronik zur Marktreife, darunter ein Verpackungskonzept, bei dem via NFC weitere Produktinformationen an ein NFC-fähiges Smartphone in der Nähe weitergegeben werden. Inzwischen wurde ein eigenes Papiersubstrat (optional vorgefertigt mit NFC-Tags) entwickelt, das unter der Marke PowerCoat für die Verwendung mit RFID/NFC vermarktet wird. Auch in der Pipeline: Selbstleuchtende Verpackungen, die so aus dem Regal-Einerlei herausstechen sollen.

Damit sind Arjowiggins nicht die einzigen: Auf der Demo-Line auf der LOPEC waren mehrere Demonstrationen zu sehen, bei denen es hieß „es werde Licht“, darunter auch die selbstleuchtende Visitenkarte. Kurz vor der Marktreife sehe ich auch die selbstleuchtende Tapete oder das Fenster, das abends zum Leuchtkörper wird. Einer der Vorreiter in diesem Bereich OLED-Lightning ist übrigens die Dresdener Firma novaled, die mittlerweile zu Samsung gehört. Speziell die Verpackungsindustrie und die Werber scheinen ganz heiß darauf, elektrolumineszente Elemente auf ihre Produkte zu bringen. Da stelle ich mir dazu schon mal das leitfähige Supermarkt-Regal vor – den auch OLED-Licht braucht eine Stromquelle. Wie wäre es dafür mit einer Kombination aus OLED-Licht und OLED-Solarzellen?

Gedruckte, flexible Solarzellen in dekorativer Form (Abb.: VTT)

Gedruckte, flexible Solarzellen in dekorativer Form (Abb.: VTT)

Denn viel beachtet sind zur Zeit auch die Entwicklungen am VTT Technical Research Centre of Finland, das auf der LOPEC beispielsweise den Massendruck von organischen Solarzellen in dekorativer Form zeigte. Die Solarzellen lassen sich in beliebigen Formen auf Folie drucken. Das VTT ist da nicht alleine unterwegs: Aus Dresden, einem der Zentren der Entwicklung organischer und gedruckter Elektronik, kommt von der Firma Heliatek das marktreife Produkt Heliafilm, das auch transparent auf PET-Folie aufgebracht werden kann. In den nächsten Jahren werden da so einige Dekodruck-Anwendungen für den Gebäudebereich auftauchen.

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Die Anwendungsmöglichkeiten von printed/organic electronics sind so vielfältig, dass sich daraus noch viele Umsetzungen realisieren lassen – auch für die Druckindustrie. – Bernd Zipper

Nicht zu erwähnen vergessen darf ich die norwegische Firma Thin Film, die sich besonders auf Smart-Label-Lösungen mit printed electronics konzentriert. Hier kommt printed electronics beispielsweise beim Markenschutz oder User Engagament zum Einsatz. Beispielsweise wurde gerade erst auf dem Mobile World Congress in Barcelona die „Smart Bottle“ vorgestellt, ein wahrer Marketing-Wunschtraum, der unter anderem (und nicht nur für den Kunden) erfasst, wann eine Flasche angebrochen wird. Auch mit einem per Smartphone mittels NFC auslesbaren Temperatursensor ist Thin Film am Markt. So können beispielsweise Konsumenten überprüfen, ob die Kühlkette bei einem Lebensmittel eingehalten wurde.

Smart Bottle: Via NFC wissen Konsument (und auch Hersteller?), wann eine Flasche angebrochen wird (Abb.: Thin Film)

Smart Bottle: Via NFC wissen Konsument (und auch Hersteller?), wann eine Flasche angebrochen wird (Abb.: Thin Film)

Maschinenbauer, die eine Verbindung zur Druckindustrie haben, sind natürlich auch engagiert. Beispielsweise zeigt sich die Hamburger Firma Kroenert besonders aktiv dabei, printed electronics in ihre Anlagen zum Beschichten und Kaschieren zu integrieren. Deren Maschine LabCo ist bereits seit einigen Jahren auf dem Markt und bei printed electronics und organischer Photovoltaik geeignet für Kleinserien.

Die industriellen Silos beginnen schon seit längerem durchlässiger zu werden. Dabei erfasst printed electronics Branchen wie Automotive, Pharmazie, Gebäudetechnik oder eben auch die Druckindustrie. Kostengünstige Einsatzgebiete, beispielsweise bei RFID/NFC-Anwendungen, sind bereits heute vorhanden – und da möchte ich nicht schon wieder die NFC-Visitenkarte bemühen (obwohl ich auch da ein paar nette Vorschläge hätte…). Vorne ist, wer jetzt auf diesen Grundlagen Ideen umsetzt.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    infinityPV

    13. März 2015

    Die gedruckten Solarzellen Demos in Blattform vom VTT sind schöne Marketingbeispiele mit recht geringen Effizienzen (~1%) und die Zukunft wird zeigen ob solche (diese) Module kaufbar sind. Auf jeden Fall zeigen sie wunderbar, was machbar ist is Sachen gedruckter organischer Solarzellen. Heliatek zeigt erstaunlich guten Fortschritt mit ihren BIPV Integrationsprojekten.

    Wir von infinityPV www.infinityPV.com bieten schon jetzt flexible gedruckte organische Solarzellen an, die jeder direkt bestellen kann. Damit kann man keine Haus mit Strom versorgen, aber sind durchaus integrierbar in kleiner Elektronikprojekte. Ein Individualisierung ist auch machbar dank moderner Drucktechnologien. Schauen sie einfach mal vorbei.


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