Britischer Drucker Pureprint zeigt sich mutig: Komplexe Print-MIS-Installation von Tharstern soll drei Workflows und Web-to-Print verbinden

11. März 2015, 14:50 Uhr | Meinung, Neues, Technik

In Großbritannien ist dem MIS-Anbieter Tharstern ein Auftrag für eine der komplexesten Print-MIS-Installationen weltweit zugefallen. Bei der Firma Pureprint sollen an mehreren Standorten 120 Arbeitsplätze, die Workflow-Systeme von Heidelberg, Kodak und HP sowie die Pureprint-eigene Web-to-Print-Softwarelösung Purity zusammengebracht werden.

(Abb.: Teil eines Anzeigenmotivs von Tharstern)

(Abb.: Teil eines Anzeigenmotivs von Tharstern)

Laut Tharstern ist die Einführung bereits im Gange und soll innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden. Bei Pureprint standen ja die letzte Jahre die Zeichen auf stürmisches Wachstum – von 17 Millionen Pfund Umsatz im Jahr 2010 auf nun fast 60 Millionen Pfund Umsatz. Bei einem solchen Wachstum und der Diversifikation bei den Drucktechniken und damit auch Workflow-Lösungen konnte sich bislang keine einheitliche MIS-Strategie durchsetzen. Das soll nun Tharstern lösen und die Workflows Kodak Prinergy, Heidelberg Prinect Pressroom Manager sowie HP’s SmartStream Production Pro plus das Web-to-Print-System Purity integrieren.

Mit Tharsterns Print-MIS Primo sowie dem Modul Primo Estimate Pro, einem CRM-Modul und einer iPad-App für das Vertriebsteam werden Kalkulationen, Jobverfolgungen, Lagerbestandsaufnahmen, Angebotserstellungen etc durchgeführt. Außerdem sollen Aufträge aus dem Web-to-Print Portal hoch automatisiert und bei gleichzeitiger Kostenkontrolle mit JDF in die Produktion eingeleitet werden. Dort hat Pureprint mehrere Heidelberger im XL-Format, fünf HP-Indigo-Maschinen, Prepress-Equipment von Kodak und mehr im Einsatz, und das an verschiedenen Standorten. Erst im Januar hat sich die Firma auch an der Imprint Group mehrheitsbeteiligt und damit auch den Large-Format-Druck deutlich vergrößert.

Das waren also reichlich hohe Anforderungen an Tharstern, und wie „smooth“ den Briten diese Installation gelingt, dürfte von vielen in der Branche aufmerksam beobachtet werden. Eine ganze Reihe an Druckunternehmen (und speziell solchen, die im Onlinedruck wachsen) zeigen sich abwartend in ihrer MIS-Strategie – was teilweise auch am weltweiten Marktführer in diesem Bereich liegt. Und da werden Neuigkeiten von Alternativen wie Tharstern eben gerne verfolgt. Wie auch immer, der Markt für Print-MIS ist noch lange nicht anbieterseitig eine One-Man-Show, und das ist an sich auch gut so.

Zipperkopf_drandenken
Das Print-MIS der Zukunft ist mit Shopsystemen verbunden und findet im Browser statt.
– Bernd Zipper

Aber die klassischen MIS-Anbieter scheinen den Trend derzeit zu verschlafen. Die einen bieten nur Anbindungen an eigene, wenig umsatzträchtige und nur bedingt E-Business-orientierte Shop-Systeme an, die anderen Anbieter setzen auf kostspielige Anbindungen, zu Lasten des Kunden. Wie lange sich dieses Spielchen noch durchsetzen wird – man darf gespannt sein. Aber eines ist klar: Das Print-MIS der Zukunft ist eng mit E-Sales-Plattformen wie z.B. dem Shopsystem Magento verbunden – und findet vor allem im Browser statt und nicht auf umständlich kommunizierenden Client-Server-Lösungen. Hach, es bleibt spannend…

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Marc Wilgé

    12. März 2015

    da haben die klassischen Systemanbieter tatsächlich den Trend verschlafen, und dies bereits seit Jahren. Nicht nur im Bezug auf die Anbindung sondern auch im Bezug auf die Benutzerfreundlichkeit, sprich Cloud basiertes MIS mit vollem Zugang auch von unterwegs, Bedienung über den Browser und somit auch plattformunabhängig!


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv