Cimpress jetzt im deutschsprachigen Raum: Der weltgrößte Onlinedrucker übernimmt den österreichischen Marktführer druck.at

18. März 2015, 14:26 Uhr | Neues

Heute sind sich Cimpress (bekannt durch seine Marke Vistaprint) und die druck.at Druck- und Handelsgesellschaft aus Leobersdorf in Österreich über eine Übernahme des Onlinedruckunternehmens durch den Mass Customization Anbieter und weltgrößten Onlinedrucker einig geworden. Zu einem Kaufpreis von 23,3 Millionen Euro geht der österreichische Onlinedrucker zu 100 Prozent in die Hände von Cimpress N.V. Dabei muss auch noch die österreichische dpi Gruppe, die sich erst 2013 an druck.at beteiligte, dem Deal zugestimmt haben. Nach den Übernahmen in Italien, Niederlande, Frankreich und jetzt Österreich wird der deutsche Onlinedruckmarkt nun noch ein Stück weiter mit Cimpress-Produktionsstätten eingekreist.

Produktionsstätte der druck.at (Abb. des Unternehmens)

Produktionsstätte der druck.at (Abb. des Unternehmens)

Das Unternehmen druck.at wurde 2001 von Peter Kolb gegründet und konnte sich in wenigen Jahren zum führenden Anbieter im E-Business Print in Österreich entwickeln. Erst letztes Jahr gab Kolb auf dem Online Print Symposium 2014 in einem Vortrag (siehe dazu auch meinen Nachbericht) einen Einblick in die Unternehmensentwicklung und -ausrichtung sowie die Besonderheiten des österreichischen Druckmarkts. Zuletzt lag der Umsatz bei etwa 34 Millionen Euro pro Jahr, bei einer Umsatzsteigerung von rund 15 Prozent. Heute sind etwa 240 Mitarbeiter bei druck.at beschäftigt und die Firma plant ein weiteres personelles Wachstum um 20 Prozent für dieses Jahr.

Druck.at adressiert vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit einer breit aufgestellten Palette an Druckprodukten. Was meiner Meinung nach Cimpress auch gut in das Konzept passt, ist das etablierte Geschäft von druck.at mit Resellern wie Grafikern, Print Broker und vor allem auch kleineren Druckereien. Besonders letztere will Cimpress als Partner ansprechen.

Peter Kolb, der Unternehmensgründer von druck.at, auf dem letztjährigen Online Print Symposium. (Abb.: Kai Schlender)

Robert Keane, der übrigens nächste Woche auf dem 3. Online Print Symposium die eröffnende Keynote zum Thema „Spezialisierungen und Partnerschaften im Web-to-Print-Markt“ geben wird, hält von der Ausrichtung der Firma von Peter Kolb viel: „Das tiefe Verständnis des Teams von druck.at von der österreichischen Web-to-print-Kundschaft ermöglicht es ihnen, diesen eine sehr gute Qualität, eine schnelle Lieferung und eine ebenso breite wie tiefe Produktpalette anzubieten. Wir planen, ihnen ausgehend von dieser Basis zu helfen und dafür die Skalierungsvorteile von Cimpress einzusetzen, und zweitens die Produktauswahl von druck.at noch deutlich zu vergrößern.“

Peter Kolb dazu: „Wir erwarten, von den globalen Operationen und der Lieferkette von Cimpress zu profitieren, während wir gleichzeitig die Marke druck.at erhalten und uns auf die Bedürfnisse der österreichischen Kunden fokusieren.“

Zipperkopf_ImAugeHabenNeugierig
Sollte Cimpress auch in Deutschland mit einer Akquise aktiv werden, ist der potentielle Kreis der Übernahmekandidaten bereits deutlich umrissen.
– Bernd Zipper

Ich erwarte allerdings, dass druck.at nun als Teil der Operationen von Cimpress auch mehr nach Deutschland liefern wir, beispielsweise nach dem Motto „Bei einem Vistaprint-Affiliate gekauft, bei druck.at gedruckt“. Insgesamt ist festzuhalten, dass Cimpress in Europa eine eindeutige Strategie der Markterweiterung hin zu professionelleren Drucksachen und größeren Auftragsvolumina für B2B verfolgt, während in den USA beispielsweise das ureigene Geschäft mit Mikro-Aufträgen noch einen viel größeren Stellenwert hat.

Mit der Übernahme von druck.at ist nun bereits das vierte Onlineprint-Unternehmen in Jahresfrist von Cimpress eingekauft worden. Erst vor wenigen Wochen erfolgte die Übernahme der französischen Exagroup, letztes Jahr erfolgten kurz hintereinander die Übernahmen von drukwerkdeal (heute Printdeal) in den Niederlande und der großen italienischen Onlinedruckerei Pixartprinting. Allen Übernahmen ist gemeinsam, dass gesunde, wachsende Unternehmen zugekauft wurden, die im vorderen Feld der Marktteilnehmer in ihren jeweiligen Ländern angesiedelt sind – und das Zeug dazu haben, auch international zu expandieren. Dabei bleiben die bestehenden Marken erhalten und die zugekauften Firmen operieren weitgehend eigenständig weiter. Zudem werden diese Firmen an die MCP (Mass Customization Platform) angeschlossen, in die Cimpress gerade hunderte Millionen US-Dollar investiert. Sollte Cimpress nun auch in Deutschland mit einer Akquise aktiv werden, ist der potentielle Kreis der Übernahmekandidaten damit schon deutlich umrissen.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

0 Kommentare


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv