Standortbestimmung E-Business Print

24. März 2015, 17:52 Uhr | Meinung, Neues

Am Donnerstag startet das dritte Online Print Symposium, ich bin schon auf dem Weg nach München/Unterschleißheim, dem Veranstaltungsort. Dieses Jahr dürfen wir als Veranstalter (der bvdm, die Fogra und meine Firma zipcon consulting) uns auf die bisher höchste Teilnehmerzahl freuen – über 220 Geschäftsführer, Manager und Entscheider werden kommen. Zur Zeit gibt es mehrere Neuigkeiten, die mich im Vorfeld dieses Leit-Events des E-Business Print veranlassen, auf die aktuellen Entwicklungen in der Onlinedruckindustrie hinzuweisen.

Steuerstand einer Heidelberger Speedmaster SM 102 (Abb.: wikicommons, cc)

Steuerstand einer Heidelberger Speedmaster SM 102 (Abb.: wikicommons, cc)

Zunächst darf ich mir aber erlauben, den Stellenwert des E-Business Print in der Druckindustrie allgemein zu betonen. Bekanntlich ist die Druckbranche selber unter Druck, als Wirtschaftszweig ist sie in den letzten Jahren geschrumpft, und die Unternehmen kämpfen mit oft mit der Auslastung ihrer Maschinen. Die Digitalisierung der Wirtschaft lässt auch die Druckindustrie nicht außen vor, und damit findet eine Verschiebung der Geschäftsmodelle statt.

Die Druckbranche formiert sich um. Die herkömmlichen Geschäftsmodelle einer Druckerei können nur immer weniger Bedarf abdecken. Zwar gibt es weiter den Ansatz, möglichst kostengünstig zu vervielfältigen, doch an dem partizipieren nur noch immer größere, spezialisiertere und sehr automatisiert arbeitende Unternehmen. Ein Teil davon bewegt sich schon seit Jahren im Bereich Online Print – und möchte mehr vom Kuchen.

Das ist ein Trend, der die ganze Druckindustrie betrifft. Online Print ist nicht nur eine Spielart für Kunden, die sonst nie bei einer Druckerei vorgesprochen hätten, sondern ein aktiver Teil des Wandels der Druckindustrie. Es ist kein Geheimnis, dass Onlinedruckereien nicht komplett mit Aufträgen via Onlineshop ausgelastet werden. Bei der Berliner Laserline, eigentlich als reine Onlinedruckerei positioniert, beispielsweise sind ein Viertel der Aufträge nicht im Onlineshop generiert. Und bemerkenswert finde ich dabei, dass ein hoher Anteil der Kunden aus der Berliner Region stammt. Flyeralarm kaufte sich kürzlich einen Print-Broker ein, der offline größere Auftragsvolumina generiert. Es geht also nicht mehr um die Unterscheidung Online oder Offline, sondern im Vertrieb der Druckdienstleistungen (und mehr) um Multichannel.

Die Mehrheit der Druckdienstleister hinkt dieser Entwicklung hinterher. Dabei ist es jetzt Zeit, sich zu positionieren. Meiner Ansicht nach wird sich die Druckbranche stark in zwei Richtungen ausprägen. Da gibt es dann zum einen die großen, sehr automatisiert und prozessoptimiert arbeitenden Druckfabriken. Die schauen schon längst nicht mehr nur auf die Kleinaufträge, sondern setzen ihre Skalierungseffekte auch für stattliche Auflagenzahlen ein.

Zipperkopf_DasIstJaMalGut
Online Print ist schon lange kein Nebenschauplatz. Nein, hier spielt die Musik.
– Bernd Zipper

Und es bleibt ein großes Stück vom Kuchen für die, die sich spezialisieren können. Das ist nicht zu unterschätzen. Ein paar Start-Ups aus Deutschland, die sich in die ach so marode Druckindustrie gewagt haben, und zwar durchweg mit Online-Vermarktung, machen es bereits heute vor. Da darf ich mal festhalten: Für die sind Maschinen keine heilige Kuh, sondern Mittel zum Zweck.

Wer über bleibt, ist der Commodity-Anbieter, der im Prinzip alles drucken kann, aber nirgendwo besonders glänzt. Das zeigt sich in der wirtschaftlichen Realität heute schon, wo viele kleinere Unternehmen ihre Pforten schliessen. Diese Unternehmensausrichtung wird in Zukunft noch mehr unter Druck von den großen Druckfabriken und den Lösungsspezialisten stehen.

Schon heute wird über eine Konsolidierung der Onlinedruckbranche geredet. Wirtschaftlich heißt das nichts anderes als Aggregation – Unternehmen werden zusammengefasst. In der Tat passiert das um Deutschland herum besonders durch die Aktivitäten von Cimpress, die in Italien, den Niederlande, in Frankreich und zuletzt in Österreich erfolgreiche Onlinedruckereien aufgekauft haben. So riesig Cimpress auch erscheinen mag, führende deutsche Onlinedruckereien mögen wohl ein Hausnummer zu teuer für dieses Unternehmen sein. Daneben sehe ich aber auch eine wachsende Bedeutung von Druckerei-Netzwerken, sozusagen ein „Print Broker 2.0“.

Online generierte Aufträge für die Druckbranche haben mittlerweile einen stattlichen Anteil von über 2,5 Milliarden Euro im deutschsprachigen Raum. Alleine die 15 größten Onlinededruckereien kommen dabei auf etwa 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Und das sind nur die Zahlen aus den Open Shops. Closed Shops eingerechnet, hier gehe ich von konservativ geschätzten 2,6 Milliarden Euro aus, ist Online Print heute schon kein Nebenschauplatz. Nein, hier spielt die Musik.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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