Triple Feature: Verpackungsdruck, individuell, online – ein Start-Up hängt die Messlatte höher

14. April 2015, 9:00 Uhr | Hot/Flop, Neues

Die Kombination von Verpackungsdruck, Individualisierung und Web-to-print ist nicht nur auf den ersten Blick eine sehr interessante Kombination. Der Verpackungsdruck zählt zu den Segmenten des Druck-Business, die kontinuierlich wachsen. Immer mehr Kunden wollen auch individualisierte Produkte, die sie am besten selber gestalten beziehungsweise konfigurieren. Und Web-to-print oder auch E-Business Print mit Onlinedruckshops und -portalen ist ebenfalls ein wachsendes Segment der Print-Industrie.

Erste Onlinedruckshops speziell für Verpackungen gibt es bereits, aber die Zugangshürden für Kunden, die nicht aus der grafischen Industrie stammen, sind hoch. Und in der Regel bieten diese Shops auch nur einen Datenupload für fertige Druckdaten an. Ein Start-Up aus Berlin zeigt nun die Integration eines Editors einschließlich einer 3D-Visualisierung der selbst gestalteten Verpackung im Onlinedruckshop. Bernd Zipper hat anlässlich zur Vorbereitung des Shoplaunches mit Julian Jost, CEO und Mitgründer der printmate GmbH, gesprochen.

printed-box

Bernd Zipper: Herr Jost, mit Ihrem Start-Up, dessen Onlineprintshop printmate.de in kurzer Zeit online gehen wird, haben Sie ein ungewöhnliches Geschäftsmodell realisiert. Sie bieten im Web-to-Print den individualisierten Verpackungsdruck an. Wie kam es dazu?

Julian Jost: Ich war vor meiner Gründertätigkeit bei Zalando und dort beim Aufbau des Verpackungsmanagement mit beschäftigt. Uns haben regelmäßig Anfragen von Start-Ups und Kleinversendern erreicht, die wissen wollten, von wem wir die bekannten Zalando-Kartons beziehen. Wir haben diese Anfragen immer sehr ernst genommen und dabei festgestellt, dass sich keiner um kleinere und mittlere Versender kümmert. Gerade Nischenversender und Marktplatzhändler haben aber den starken Wunsch, ihre eigene Marke zu unterstützen und dem Kunden ein Auspackerlebnis zu bieten. Ich habe daher meinen Job gekündigt, um eine Lösung für dieses Problem zu finden. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass Michael Bube, Geschäftsführer von BBPack, sich auch mit dieser Aufgabenstellung auseinandersetzte. BBPack beliefert eine Vielzahl von Onlinehändlern jeder Größe, muss jedoch auch bei den kleineren Auflagen die Anfragenden regelmäßig vertrösten. Wir haben uns daher vor kurzem zusammengetan und gemeinschaftlich die printmate GmbH gegründet.

Julian Jost, Gründer und CEO der printmate GmbH, wirkte zuvor bei Zalando und ist studierter Logistiker.

Julian Jost, Gründer und CEO der printmate GmbH, wirkte zuvor bei Zalando und ist studierter Logistiker.

Zipper: Da sehe ich auch eine Lücke. Einerseits wird dem Verpackungsdruck ja eine vergleichsweise rosige Zukunft vorhergesagt, aber die Online-Effekte des E-Business Print werden dabei noch gar nicht genutzt. Wie gehen Sie das nun an?

Jost: Teil unserer Philosophie ist es, Verpackungen im Onlinehandel aus der Logistikecke wegzuführen und sie als das zu präsentieren, was sie sind: Der erste physische Kontakt zum Kunden, und der emotionalste Moment seines Einkaufserlebnis. Das zeigen in letzter Zeit vermehrt Studien und das deckt sich auch mit unserer Erfahrung. Um diese Möglichkeit auch kleineren Onlinehändlern zu geben muss der Verpackungseinkauf aber neu gedacht werden. Wir investieren daher viel Know-how und Arbeit in die Vision, Verpackungen genau so angenehm und erlebnisreich bestellbar zu machen wie individualisierte Lifestyle-Produkte. Das unterscheidet uns aktuell von der gesamten Verpackungsbranche.

Zipper: Wen haben Sie denn dabei im Auge? Und ab welcher Mindestmenge kann man bestellen?

Jost: Unsere Hauptzielgruppe sind vorerst alle Onlinehändler mit einem Bedarf von unter 10.000 Verpackungen im Jahr. Dies sind vor allem Start-Ups, Dawanda- und eBay-Händler. Aber auch größere Onlinehändler fragen schon bezüglich Sonderaktionen an, und vor allem Marktplätze mit dezentralem Fullfilment sind sehr an einer Closed-Shop-Lösung interessiert.

Wir starten mit einer Mindestbestellmenge von 20 Stück. Dadurch ist das Angebot natürlich auch interessant für Werbeagenturen oder Privatpersonen. Selbst für Hochzeiten wurden wir schon angefragt.

Zipper: Nach dem, was ich jetzt gehört habe, ist an dem Startup keine Druckerei beteiligt…

Jost: Stimmt, wir nutzen ein Netzwerk aus namhaften Verpackungsproduzenten, mit denen wir schon seit Jahren sehr partnerschaftlich zusammenarbeiten. Produziert wird ausschließlich in Deutschland.

Zipper: Mich interessiert natürlich außerdem brennend, welches Shopsystem Sie einsetzen, und die Frage nach der Visualisierung der Produkte im Onlineprintshop. Gerade die Visualisierung von dreidimensionalen und individualisierten Produkten ist ja alles andere als trivial.

Jost: Wir haben in der CloudLab AG einen wunderbaren Partner gefunden, der unsere Vision einer innovativen Onlinedruckerei teilt. Neben dem modernen Shopsystem sind gerade die 3D-Funktionen ihrer Zeit weit voraus.

Zipper: Deutsches Start-Up, deutscher Softwarepartner. Denken Sie eigentlich schon an eine Internationalisierung?

Jost: Wir starten in Deutschland, haben eine Internationalisierung aber im Blick.

Zipper: Planen Sie auch eine Einbindung in andere Shops und Portale, etwa über eine API?

Jost: Es gibt schon Anfragen, welche wir aktuell prüfen. Die Voraussetzung für eine solche Zusammenarbeit ist jedoch, dass der Partner den gleichen Anspruch an das Einkaufserlebnis des Kunden hat wie wir. Dazu gehört z.B. ein bedienungsfreundlicher und moderner Webshop sowie ein professioneller Kundenservice.

Zipper: Meine abschließende Frage: In der deutschen Start-Up-Szene scheint das E-Business Print nicht sonderlich beliebt zu sein. Können Sie anderen Gründungswilligen empfehlen, sich mit dem Onlineprint-Business auseinanderzusetzen?

Jost: Der große Wettbewerb und die Komplexität der Druckindustrie können sehr abschreckend wirken. Allerdings zeigen gerade Nischenanbieter wie kleineprints.de, dass die Branche noch viele Möglichkeiten abseits des Massendrucks bietet.

Zipper: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

 

Kommentar Bernd Zipper

Zipperkopf_GuteNachrichtDas Marktpotential für individualisierte Verpackungen, bestellbar und gestaltbar in Onlinedruckshops, ist eindeutig vorhanden. Denn die Verpackung hat neben seiner Schutzfunktion auch eine Kommunikationsfunktion, die viele Versender noch gar nicht nutzen (sieht man einmal von notwendigen Versandangaben, Lieferschein, etc. ab). Schon der Einsatz des eigenen Firmenlogos ist eher selten. Bereits im April 2014 stellte der ECC Konjunkturindex Handel zu seiner Frage des Monats fest, dass bei 58,8 Prozent der Befragten die Verpackung ausschließlich Schutzfunktion hat. Ich nehme stark an, je kleiner das Unternehmen, umso höher dürfte dieser Anteil sein.

Viele potentielle Kunden würden auch gerne individualisierte Verpackungen für ein Corporate Design und ein Auspack-Erlebnis ihrer Kunden verwenden, finden aber keinen passenden Anbieter für die nachgefragten Stückzahlen – und versenden weiter braun verpackte Ware. Das ist nicht nur im Onlinehandel eine oft ungewollte Konformität, sondern zunehmend auch bei stationären Händlern. Und ich finde, auch Onlinedruckshops sollten sich via eigenen Verpackungsdesigns besser unterscheidbar machen. Es gibt da bereits gute Beispiele, beispielsweise die Verpackungen von Viaprinto (ein „Auspackerlebnis“ zeigt das beyond-print-Video vom Oktober 2013). Und die britische Onlinedruckerei Moo.com ist auch dafür bekannt, ihre Versand- und Umverpackungen ganz bewusst für die Stärkung ihrer eigenen Marke einzusetzen.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Thorsten Winternheimer

    14. April 2015

    Packung24.de geht in eine ähnliche Richtung und wird im Mai live gehen.

    Besonders spannend ist hier die Stanzkontur-Engine. Man kann sich dort online Stanzkonturen für Faltschachteln generieren. Hier kann man schon einmal einen Blick darauf werden: http://www.packung24.de/faltschachtel-erstellen/

    Das Portal ist ein Angebot von www.wolf-ingelheim.de. Entwickelt wird von www.loup-solutions.de

    Stay tuned ;-)


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