Flyeralarm: CEO wechselt in den Beirat – Gründer übernehmen wieder das operative Ruder

13. Mai 2015, 9:16 Uhr | Hintergrund, Neues

Er war erst ein gutes Jahr im Amt, nun wechselt Markus Schmedtmann vom CEO-Posten in den neu geschaffenen Beirat der Flyeralarm-Gruppe und wird dessen Vorsitzender. Gründer Thorsten Fischer und seine langjährige Geschäfstleitungspartnerin Tanja Hammerl leiten ab 1. Juni 2015 wieder alleinig das operative Geschäft der großen Onlinedruckfabrik. Als Beiratsvorsitzender soll Schmedtmann nun „neue strategische Aufgaben“ verfolgen. Ist das nun ein Abgang auf einen Frühstücksdirektor-Posten oder haben die Würzburger andere Pläne?

Schmedtmann (rechts), Ex-CEO von Flyeralarm, mit der Geschäftsführung Thorsten Fischer und Tanja Hammerl. (Foto: obs/flyeralarm GmbH)

Dass Schmedtmann große Pläne für Flyeralarm hat, ist bekannt. Erst kürzlich suchte er dafür die Öffentlichkeit und machte bekannt, Flyeralarm werde nun auch auf Großkunden zugehen – eine Klientel, die Gründer Thorsten Fischer nicht so gut kennt. Bekannt ist auch die Übernahme des Print-Management-Unternehmens upgrade! aus Hamburg, das sich an eben diese größeren Fische wendet und inzwischen Flyeralarm Printmanagement heißt. Dazu kamen unter Schmedtmanns Ein-Jahres-Ägide auch Geschäftserweiterungen durch Neuerwerbungen wie dem Web-Design-Lösungsanbieter rukzuk und Inhouse-Startups wie dem 3D-Druck von my3D. Neue Produktkategorien wurden eingeführt und unterstützen die neue Ausrichtung auf Komplett-Marketingdienstleistungen. Dass alles haben Gründer Thorsten Fischer und Tanja Hammerl bislang deutlich unterstützt und ich sehe keine Anzeichen für einen Kurswechsel.

Aufmerksame Beobachter werden wie ich auch notiert haben, wie im Flyeralarm-Management eine ganze Reihe neue Posten hinzu kamen – und die Manager dafür wurden teilweise aus Schmedtmanns altem Stall, den Bertelsmann-Konzern und hier insbesondere der Tochter arvato, rekrutiert. Auch die Leitung der Hamburger Print-Management-Firma hat den Stallgeruch von arvato – und früher auch mit Schmedtmann zusammengearbeitet. Hier, bei der jetzigen Flyeralarm Printmanagement, wird Schmedtmann übrigens auch Gesellschafter.
Doch einen Management-Posten bei Flyeralarm hat Schmedtmann nun nicht mehr. Dennoch glaube ich nicht, dass dies eine Art Abgang ist. Die tatsächlichen Pläne der Flyeralarm-Führung enthüllen sich durch diese Management-Rochade jedoch nicht wirklich. Ich finde, da lohnt ein Blick auf die Rolle eines Beirats und dessen Wirkmacht. Zunächst einmal ist in einem GmbH-Konstrukt wie bei der Flyeralarm-Gruppe ein Beirat erst ab 500 Mitarbeitern vorgeschrieben – höchste Zeit also für Flyeralarm, einen solchen zu gründen, nachdem die Mitarbeiterzahl der ersten GmbH der Gruppe nun in dieser Größenordnung liegt.

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„Die Großkunden-Gelüste von Flyeralarm gefallen einigen Kunden gar nicht. Mit der Personalentscheidung kann Schmedtmann da in Deckung gehen und mehr im Hintergrund wirken.“
– Bernd Zipper

Ein Beirat kann von rein beratenden Tätigkeiten bis hin zu Kontrolle bei wichtigen Entscheidungen ganz unterschiedlich großen Einfluss besitzen, je nachdem, ob und wie dies im Gesellschaftervertrag festgelegt ist. Eines geht jedoch nicht: Mitglieder des Beirats dürfen nicht Management-Aufgaben bei der GmbH ausüben. Damit ist Schmedtmann eindeutig raus aus dem operativen Geschäft der Flyeralarm-Gruppe. Gleichzeitig wird er so aus der Schusslinie genommen. Die Großkunden-Gelüste gefallen nämlich einigen Druckereien, die selber bei Flyeralarm Kunde sind und dort kleinere Aufträge abwickeln lassen, gar nicht.

Nun bietet aber ein Beirat auch die Möglichkeit, Kapital-gebende Dritte einzubinden. Das könnte durchaus möglich sein, denn für seine Expansionspläne sowohl bei der Internationalisierung als auch bei der Produktion (da wartet bestimmt schon eine grüne Wiese im Frankenland) und nicht zu vergessen weiteren Firmenzukäufen muss Flyeralarm noch viel Geld in die Hand nehmen. Und grundsätzlich ist ein GmbH-Beirat für Banken und Geldgeber ein positives Signal. Schmedtmann hat übrigens einige gute Verbindungen zu potentiellen Investoren …

Auch eröffnet sich für Flyeralarm die Option, einen Beirat vorbereitend für eine Umwandlung der Gesellschaftsform einzusetzen. Die Flyeralarm-Gruppe macht jetzt über 300 Millionen Umsatz; die jährlichen Umsatzsteigerungen und die stetige Expansion wären eine gute Story für ein „going public“, mit dem sich das Unternehmen Kapital besorgen könnte. So etwas, konkreter die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, sehe ich allerdings eher als mittelfristige Maßnahme, und fix geplant ist das meiner Ansicht nach noch nicht.

Das sich Schmedtmann nicht unbedingt nur Freunde in der Online-Printindustrie gemacht hat ist klar und dementsprechend gibt es auch Meinungen die eher in die Richtung gehen, dass Schmedtmann so „kaltgestellt“ wurde um einem bedeutenden Kundenklientel der Flyeralarm-Gruppe nicht weiter Angst zu machen: Druckern die bei Flyeralarm drucken lassen. Gerade aus dieser Ecke, man mag einen Umsatzanteil von ca. 30% am Gesamtumsatz vermuten, wurde nach den jüngsten Äußerungen des ehemaligen Flyeralarm-CEO, einiges an Unmut laut. So gibt es auch nun die Stimmen die eher eine „Notbremsung“ von Seiten Fischer und Hammerl vermuten. Ich mag mich diesen Spekulationen nicht anschließen.

Klar scheint mir hingegen: Mit der Konstitution des Beirats will Flyeralarm einen Thinktank für strategische Entscheidungen schaffen. Dazu benötigt der Onlinedrucker aber auch branchenfremdes Know-How. Und klar scheint mir auch: Die Rolle von Schmedtmann bei Flyeralarm wird sich in Zukunft weiter verändern, denn der Mann will unternehmerisch tätig sein und nicht nur beraten.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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