Mass Customization am Point-of-Sale: Laserbeschriftung im Drogeriemarkt?

29. Juni 2015, 11:07 Uhr | Neues, Technik

Verbraucher „customizen“ ihre personalisierten Produkte künftig selbst. Was via Inkjet-Verfahren wohl bald möglich sein wird, erledigt das junge deutsche Unternehmen markju via Lasergravur schon längst und zwar da wo der Kunde anzutreffen ist, am Point-of-Sale im Laden vor Ort. Den „Fotobuch“-Automaten beim Drogeriemarkt um die Ecke mag sich so mancher Heimanwender kaum noch wegdenken. So einfach wie der Erwerb einer neuen Haartönung oder einer Zahnbürste wird dort seit Jahren das Drucken von Privatbildern „nebenbei“ vom Verbraucher selbst zelebriert. 

Darf´s noch ein Fotobuch sein? Auf Knopfdruck geht die Order vom Automaten direkt an den Fotobuchproduzenten. Das Modell ist bekannt und hat nun, da sich der Verbraucher daran gewöhnt hat, nachhaltigen Erfolg.

Bernd´s Löffel: Personalisiert auf der Co-Reach in Nürnberg durch die Firma markju GmbH.

Bernd´s Löffel: Personalisiert auf der Co-Reach in Nürnberg durch die Firma markju GmbH.

Während die Beauftragung und Steuerung einer externen Produktion via Fotobuchautomat akzeptiert und praktiziert wird, ist die „Produktion“ vor Ort noch nicht erschlossen, bietet aber durchaus Potential. Erste Versuche (man mag sich an verschiedene Modelle von Laserdruckern mit integrierter Buchbindefunktion für den POS erinnern) sind bisher gescheitert. Neue, spannende Projekte, hier könnte man an my3D.de oder in-crystal.de denken, entwickeln sich zwar, aber noch lange nicht so rasant wie von den Initiatoren angedacht (An dieser Stelle möchte ich noch kurz anmerken, dass meine Figur als 3D-Druck deutlich besser zur Geltung kommt!). Über andere, neue Konzepte wie z.B. die Inkjet-Maschine „Jetmaster“ von Heidelberg zur Beschriftung von Fußbällen, habe ich ja bereits an dieser Stelle berichtet.

Im Rahmen der Co-Reach, der Nürnberger Messe für Dialogmarketing, kam es zu einem interessanten Treffen: markju, ein junges Unternehmen aus der Nähe von Stuttgart, das sich mit Laserbeschriftungen beschäftigt, stellte mir und meiner Begleitung sein Konzept vor. Statt eine eigene Produktion zur Laserbeschriftung aufzubauen und seine Produkte online feilzubieten – hat Alexander Sauter mit seinen Mitstreitern ein, wie er es nennt, „ultrakompaktes“ Laserbeschriftungssystem entwickelt. Idee: Die Personalisierung wird am Point-of-Sale vom vorhandenen Personal selbst durchgeführt. So könnten künftig, zum Beispiel direkt neben dem Fotobuch-Automaten im Drogeriemarkt, kleinere Produkte wie z.B. Visitenkarten-Etuis, Kugelschreiber, Memory-Sticks usw. via „markju xone“ (so der Name des Gerätes) sofort beschriftet werden. Damit dies einfach realisierbar ist und auch von Personal ohne Informatikstudium bedient werden kann, hat markju eine eigene Designsoftware für diesen Anwendungszweck entwickelt. Das Konzept überzeugt spontan: Stecker rein, Gerät gestartet, Kugelschreiber einlegen, Software starten, Namen eingeben, drucken und in wenigen Sekunden ist das erste Produkt fertig.

Detailansicht der Laserbeschriftung. Der Schriftzug entsteht allein durch den Farb- oder Oberflächenabtrag und ohne den Einsatz von Farbauftrag.

Detailansicht der Laserbeschriftung. Der Schriftzug entsteht allein durch den Farb- oder Oberflächenabtrag und ohne den Einsatz von Farbauftrag.

Ich denke natürlich sofort daran, wo man dieses Gerät überall einsetzen könnte und auch Alexander Sauter zeigt sich begeistert: „Unser Flagship-Store-Konzept bietet den Unternehmen die Möglichkeit dem Kunden eine neue besondere Art an Brand Experience am PoS zu bieten und sie erfüllen zeitgleich das Bedürfnis des Kunden nach einem persönlichen, individualisierten (Marken-)Produkt ohne längere Warte- und Lieferzeiten. Durch die designju Software steht der Kunde bereits im Mittelpunkt des Gestaltungsprozesses.“

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„Lässige Laser Lieferanten: markju bringt Laserbeschriftungen an den Point-of-Sale und das mit einem verblüffend einfachen Konzept.“ – Bernd Zipper

Seine Geräte baut Sauter selbst. Und irgendwie kommt da auch der „schwäbische Tüftler“ raus, denn er hat durchaus auch Ideen in Richtung Cloud-Lösungen, schreckt aber auch vor klassischen Ansätzen nicht zurück: „Parallel hierzu soll als weitere Dienstleistung ein Online-Shop etabliert werden, auf welchem vorerst Business-Kunden aus einem Sortiment an ausgewählten Produkten zugreifen, um diese dann individualisiert in sämtlichen Stückzahlen über uns beziehen zu können“, so Alexander Sauter im Gespräch. Der auf dem Tisch stehende Prototyp macht einen durchaus soliden Eindruck, aber kein Wunder: Sauter hat schon seit Jahren Erfahrung im Bau und Entwicklung solcher Geräte. Was ihm auf der einen Seite den Charme des Start-Ups mindert – auf der anderen Seite jedoch auch die Naivität … Er hat klare Ideen und Lösungsansätze.

Wir nutzen natürlich die Gelegenheit und „lasern“ munter weitere Gegenstände. Mit dem System lassen sich Metall, Kunststoffe, Leder – oder, wer es mag, auch Frühstückseier mit Schriftzügen oder Logos versehen. Die Idee der Laserbeschriftung ist dabei nicht neu, aber hoch-effektiv. Mittels eines recht kräftigen Laserstrahls werden die obersten Schichten des zu beschriftenden Materials abgetragen oder besser verdampft. Dadurch entsteht ein Schriftzug allein durch den Farb- oder Oberflächenabtrag und ohne den Einsatz von Farbauftrag. Die Auflösung ist abhängig vom verwendeten Laser. Abweichend zum vorgestellten Verfahren könnte man auch mittels CO2-Laser zum Beispiel Papier bearbeiten oder eben auch im Inneren eines Acrylglasblocks, Abbildungen herstellen. Ich glaube das Video zeigt dies ganz gut. Was mir aber – ungeachtet der unfassbar tollen Maschine (Nein, keine Ironie, einfach Begeisterung) – besonders gefällt ist, dass markju dank der kompakten Bauweise des Gerätes sich neuen Geschäftsmodellen öffnet: Einsatz am Point-of-Sale, Nutzung von Cloud-Services, Leasing-, Click- und Kauflösungen – das Unternehmen geht so gänzlich anders an das Thema heran wie „normale Maschinenbauer“.

Ob die Geräte jedoch wirklich langfristig einen Bedarf am Point-of-Sale befriedigen können, kann und mag ich an dieser Stelle nicht final bewerten. Ich weiß nur, dass der Bedarf an Produkten die via Logo oder Schriftzug „persönlich“ gemacht werden zunimmt. Massiv sogar – wie die aktuelle Duftmarke einer freundlich dreinschauenden, aber wohl recht kurzatmigen, Schlagerdame zeigt. Hier müssen die Anwender nach dem Erwerb ein Schildchen in Auftrag geben und letztlich selbst applizieren. Mit markju könnte dies direkt im Laden passieren … schauen wir mal.

Nun ist es an der Zeit, dass ich mich bei der Messe Nürnberg entschuldige. Nicht nur, dass wir mit fünf Personen das Restaurant kurzerhand zu einem Laserbeschriftungs-Testlabor umfunktioniert haben – nein, ich gestehe, ich habe sogar einen Löffel geklaut. Nun, liebe Messe Nürnberg, da ich weiß, dass Ihr meinen Blog lest: Schickt mir bitte eine Rechnung, damit ich wieder ruhig schlafen kann. Und, bevor Gerüchte aufkommen, nein lieber geneigter Leser – abgeben, werden ich den Löffel auch nicht 😉

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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