Renditeobjekt: Online-Print – Standort: Deutschland

10. September 2015, 11:17 Uhr | Meinung, Neues

Deutschland hat mal wieder die Nase vorn: Online-Print bzw. hocheffektive Druckereien aus Deutschland die Online-Print professionell betreiben, werden von Investoren aus USA und UK zunehmend als Renditegenerator identifiziert. Nur deutsche Investoren verschlafen mal wieder den Anschluss …

Irgendwie hat sich mein Beruf verändert. In den letzten Monaten klingelt in regelmäßigen Abständen das Telefon und eine freundliche Stimme aus dem Ausland fragt höflich nach den Entwicklungen des Online-Print in D/A/CH. Fast einheitlich ist das Credo: Made-in-Germany via Online-Print ist ein Wachstumsmarkt. Gewöhnlich halte ich dann einen kurzen Ad-hoc-Vortrag über die Branche, die aktuellen Entwicklungen und die Top-Akteure im D/A/CH-Markt und deren Geschäftsmodelle. Ziel der Gespräche ist die Vorab-Evaluierung „Lohnt sich ein Investment“ und ob man denn helfen könne. Nun, wir sind Berater in diesem Bereich und helfen gerne – ich verstehe nur nicht warum ich diese Ad-hoc-Präsentationen immer in englischer Sprache halten muss. Scheinbar scheinen deutsche Investoren dem „Braten Online-Print“ nicht zu trauen und lassen sich so von, vielleicht risikofreudigeren, Investoren aus dem englischsprachigen Ausland die Butter vom Brot stehlen.

Deutsche Investoren haben Made-in-Germany via Online-Print nicht auf dem Schirm.

Deutsche Investoren haben Made-in-Germany via Online-Print nicht auf dem Schirm.

Ausgelöst wird dieses Interesse wohl auch durch die aktuellen Marktzahlen die zipcon consulting auf dem Online-Print-Symposium 2015 vorgestellt hat und die jüngst vom bvdm im Jahresbericht 2015 bestätigt wurden: 5,1 Milliarden Euro werden aktuell über Onlineshops, Portale und digitale Beschaffungsplattformen in D/A/CH umgesetzt und der Umsatz von Unternehmen die gescheit in E-Business Print investieren, wächst überproportional mit bis zu 18,8% pro Jahr (Interessant ist dass der bvdm auf die gleichen Zahlen kommt – sogar bis auf´s Komma genau). Grund für das gesteigerte Interesse ist das bereits erfolgreiche Engagement von ausländischen Investoren wie CCL oder TA Associates in Deutschland, das massive Investment von Intercorp in den Niederlanden, aber auch die rege Informationsarbeit von Cimpress und anderen großen Online-Printern, die das Thema auf internationaler Bühne positionieren und so den Markt wachrütteln.

Im Gespräch mit dem freundlichen Herrn aus den USA (der Anrufer ist meist männlich, warum weiß ich auch nicht) – werden dann auch schnell die Schlüsselfaktoren klar, warum Deutschland so interessant ist:

  • berechenbare Druckqualität „Made in Germany“
  • stabile Unternehmen
  • aktuelle E-Business-Architekturen
  • messbare E-Sales-Erfolge
  • gute, ausgebildete Fachkräfte, und (für Investoren besonders wichtig)
  • ein guter Abnehmermarkt mit einer gescheiten Zahlungsmoral
  • solide Renditeaussichten
  • skalierbare Unternehmensgröße

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„Während das Ausland fleißig in deutschen Online-Print investiert – verpennen deutsche Investoren die Chancen.“

All das macht deutschsprachige E-Business Print Unternehmen interessant. Und nur das wir uns nicht missverstehen: Das Interesse der Investoren gilt nicht den vielen Druckern im Land die weiterhin „offline“ produzieren – vielmehr ist der freundliche Herr am Telefon auf der Suche nach geeigneten, zukunftssicheren Renditeobjekten die o.g.  Faktoren auf sich vereinigen.

Sehr interessant für mich ist dabei zu beobachten, dass es nicht immer um das Thema „Commidity-Printing“ geht – sprich: Drucksachen für die Masse. Sondern zunehmend Nischen interessant werden, in denen sich durch Spezialisierung, Fachlichkeit und gesunde Preise gute Renditen erwirtschaften lassen. Hier entwickelt sich auch ein Interesse an kleineren Unternehmen.

Und was passiert in Deutschland von Seiten deutscher Investoren: Nichts. Mal abgesehen von den wenigen wirklich großen Online-Printern mit einem Umsatz von deutlich mehr als 50 Millionen Euro die fleißig investieren, wird von vielen Druckern immer noch gern Geld für eine Druckmaschine ausgegeben – Software oder gar das Internet darf aber weiterhin nichts kosten. Ein agiles Einwerben von potentiellen deutschsprachigen Investoren scheitert oft an der üblen Wahrnehmung der Druckindustrie im Inland und dem altbackenen Selbstverständnis der Druckindustrie in D/A/CH. „Innovation = Maschine = Umsatz“ ist scheinbar noch immer eine in die Netzhaut von Druckunternehmern eingebrannte Formel, von der niemand abrücken mag. Dieses Selbstbild spiegelt sich auch in der Gesellschaft wieder: Banken, Presse und Allgemeinheit sehen das Berufsbild Drucker eher als aussterbende Spezies.

Der bvdm. bestätigt die Zahlen von zipcon consulting (Quelle: bvdm. Jahresbericht 2014/2015 , Seite 16)

Der bvdm. bestätigt die Zahlen von zipcon consulting (Quelle: bvdm. Jahresbericht 2014/2015 , Seite 16)

Und ich weiß wovon ich rede. Jedes Mal wenn ich mit der Presse wie z.B. Wirtschaftswoche oder Handelsblatt spreche, muss ich erklären was Onlinedruck von konventionellen Druck unterscheidet und ernte ungläubiges Erstaunen bezüglich der Umsatzgröße dieses Marktes. Wohlgemerkt: Von den Redakteuren, die auch noch weiterhin ihre Zeitung drucken lassen 😉

Ich glaube die Druckindustrie in D/A/CH und die vielen Online-Printer in Deutschland müssen lernen ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern sich zu erneuern und neue E-Business-Architekturen zu nutzen (mit einem xyz-Shop für ein paar Euro im Monat, damit ist es nicht mehr getan). Die Zeit der Geheimniskrämerei ist vorbei – wer wirklich wachsen möchte, sollte zeigen was er kann, wo er hin will und vor allem transparent kommunizieren. Dann klappt´s auch mit dem Investor.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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