Geldverdienen mit online gedruckten Visitenkarten? Geht das? Und wenn ja, warum?

6. Oktober 2015, 9:02 Uhr | Meinung, Neues

Es gehört, Facebook und allen Online-Tools zum Trotze, weiterhin in Geschäftskreisen zum guten Ton sich bei der ersten Begegnung via Visitenkarte vorzustellen. Aber die meisten Drucker, ja selbst einige Onlinedrucker, scheuen den „hohen Aufwand“ der Produktion und sehen nicht, welche Kundenentwicklungspotentiale im kleinsten, gemeinsam genutzten Druckgut zu erschließen sind. Diesen Umstand haben sich zwei gescheite Österreicher zu Nutze gemacht. Im Jahr 2000 gründeten Kurt J. Egger und Klaus Lerch die Prinux GmbH mit dem simplen Ziel sich durch ein stark fokussiertes Angebot einen möglichst breiten Geschäftskundenstamm aufzubauen.

Im Kern der Handlung standen und stehen Visitenkarten und Geschäftsdrucksachen im B2B-Sektor und der Erfolg gibt den beiden Unternehmern Recht: Mehr als 1.400 Unternehmen und Organisationen nutzen das Prinux-Portal für die Beschaffung ihrer Geschäftsdrucksachen. Soweit so gut, aber ich kann mir vorstellen, dass es auch ein langer Weg war Kunden für diesen neuen Beschaffungsprozess zu begeistern. Gut, wird der geneigte Leser denken, Visitenkarten sind nichts Besonderes, aber damit Geld verdienen? Wie soll das bei all der Kleinteiligkeit gehen? Man braucht ja letztlich hunderte, wenn nicht tausende Bestellungen damit man auf einen grünen Zweig kommt. Dennoch hat es Prinux geschafft: Durch konsequente und vor allem ausdauernde Fokussierung sind die beiden Unternehmer rundweg erfolgreich.

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Aber Egger und Lerch sehen durchaus, dass es wichtig ist sich weiterzuentwickeln, wenn man langfristig gegen den Wettbewerb bestehen will. Daher forschten die cleveren Österreicher gemeinsam mit dem Focus Institut Marketing Research und befragten 100 Unternehmen in D/A/CH über ihrer Gewohnheiten bzgl. der Beschaffung von Visitenkarten.  Die Ergebnisse sind erstaunlich: Nur 29% aller befragten Unternehmen kannten die Möglichkeit Visitenkarte & Co online zu bestellen. Erstaunlich war auch ein weiteres Ergebnis: Der Zeitaufwand für die kleinen Kärtchen ist oft riesengroß. Für jede bestellte Sorte – also pro Paket Visitenkarten für eine/n MitarbeiterIn – wendet jedes zweite Unternehmen mehr als 20 Minuten Arbeitszeit auf. 5 Minuten investiert der einzelne Bedarfsträger, weitere 15 Minuten gehen für das zentrale Sammeln, Weiterleiten, Bestellen, Korrigieren und Freigeben drauf. „Ein erschreckend hoher Aufwand“, meint Kurt Egger, Geschäftsführer des Visitenkartenspezialisten prinux, der die Studie in Auftrag gegeben hat. „Selbst wenn man nur 30 Euro pro Arbeitsstunde ansetzt, bedeutet das interne Beschaffungskosten von 10 Euro pro Visitenkartensorte. Sind leitende Angestellte involviert, kostet der Prozess auch schnell mal 20 oder 30 Euro.“

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„Prinux ist ein gutes Beispiel, dass man im Online-Druck auch mit der Strategiefokussierung Erfolg haben kann.“ – Bernd Zipper

Bestechend ebenso: Fast 60% der befragten Unternehmen machen zwar Sammelbestellungen für Visitenkarten – aber dann bei einer klassischen Druckerei. Die Wartezeit bis genügend einzelne Karten zusammengekommen sind, akzeptierten 38% der Unternehmen. Nur große Unternehmen, jenseits des Mittelstands, haben Online-Druck schon für sich erschlossen: Immerhin 38% der Großen bestellen bei Online-Anbietern, davon wiederum knapp 40% bei Visitenkarten-Spezialisten.

Einig sind sich die Befragten der Prinux-Studie vor allem in einem Bereich: 77% der Unternehmen sind der Meinung, dass die Visitenkarte trotz elektronischer Alternativen auch weiterhin Bestand haben wird. Die Meinung das Visitenkarten künftig „nur mehr für wenige, ausgewählte Personen vergeben werden – oder es Visitenkarten nur noch in definierten Kulturkreisen ausgegeben werden“, vertraten 15% der interviewten Firmen. Bemerkenswert sind die Aussagen bzgl. des „ideellen Wertes“ der Visitenkarte: Während 31% die Karte als relevantes Marketinginstrument sehen, bewerten 28% die Visitenkarte als klaren Imageträger – also als Teil des Firmen CI. Emotionslos sind 27% der Befragten, sie werten die Besuchskarte als reine Ergänzung der Firmendrucksachen, als „Must-have“.

Rolle der Visitenkarten-de

 

Was kann man nun aus diesem Thema „mitnehmen“? Klar, die Visitenkarte ist nicht tot – und auch klar –  wir brauchen die Besuchskarte als Teil einer „formellen“ Vorstellung im Geschäftsbereich, aber eine Erkenntnis drängt sich mir bei der Lektüre der Recherche auf: Das Beschaffungswesen in Bezug auf Visitenkarten hat noch Potential. Ich glaube dass insbesondere in Bezug auf Druckgüte (also Veredelung, Prägung, Letterpress) noch so einiges machbar ist und auch, dass integrierte Online-Services, wie der von Prinux, für kleinere und mittlere Unternehmen nicht nur Kosteneinsparungspotential hat – sondern auch eine smarte Form der kontinuierlichen Beschaffung von Visitenkarten hat. Auch, wenn der Markt, wenn man dem einen oder anderen Onlineshop-Betreiber glauben mag, schon gesättigt erscheint. Lerchl und Egger beweisen es dennoch: Die Visitenkarte lebt und klug produziert kann man sogar Geld damit verdienen.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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