Schnelle Lieferung: Chancen und Vorteile für Onlinedruckereien

22. Oktober 2015, 10:31 Uhr | Meinung, Neues

Der E-Commerce ist fix: Amazon Prime und Zalando beispielsweise können am Bestelltag liefern. Amazon baut jetzt in Deutschland gar eine eigene Lieferflotte auf, und Zalando will in ausgesuchten Städten mit Partnern innerhalb von 30 Minuten nach Bestelleingang ausliefern. Onlinedrucker hingegen müssen die Produkte erst einmal herstellen, sie haben die bestellte Ware also nicht sofort greifbar auf Lager. Dennoch bemühen sich mittlerweile eine ganze Reihe an Onlinedruckereien um eine schnelle Produktion und Lieferung. Über-Nacht-Druck, Blitzdruck oder Next Day, so wird die schnelle Produktkategorie genannt.

Abb.: Yanks9596, wikimedia, cc

Abb.: Yanks9596, wikimedia, cc

Um ein paar Beispiele zu nennen: Wer bei Saxoprint bis 16:00 Uhr seine Druckdaten abgeliefert hat, kann Druckprodukte aus der Overnight-Kategorie am nächsten Werktag bis 10:30 in den Händen halten. Wer einen Flyeralarm-Store in der Nähe hat, kann sogar noch am selben Tag beliefert werden. Dazu müssen die Druckdaten bis morgens 9:00 Uhr vorliegen; die Druckprodukte können dann ab 17:30 Uhr im Store abgeholt werden. Bei der Blitzdruck-Option von diedruckerei.de wird bei Dateneingang bis 12:00 Uhr noch am selben Tag produziert und versendet und mit Expressversand hat man seine Druckprodukte (darunter seit kurzem auch Broschüren) am nächsten Werktag erhalten.

Hohe Marge

Die Preiszuschläge gegenüber längeren Lieferterminen sind teils beachtlich. 1000 Flyer (A6, 4/4, zweiseitig) kosten mit Overnight bei Saxoprint 124,34 Euro, die nächst schnellere Lieferoption „Next Day“ mit Expressversand kostet hingegen 34,15 Euro. Der Same-Day-Service von Flyeralarm lässt die Flyer schon 291,98 Euro kosten, die zweitschnellste Option „Overnight“ kostet 58,55 Euro. Einen ähnlichen Preis ruft auch diedruckerei.de für die Flyer im Blitzdruck auf, und da die vorgegebene Mengenstaffelung keine 1000 Exemplare zulässt, wählte ich statt dessen 1250 Exemplare, die sich auf 50,60 Euro belaufen.

Dafür ist die Wahl an Standard-Druckprodukten eingeschränkt, ebenso die Wahl der Papiersorten und Staffelung und Höchstmenge der zu druckenden Exemplare. Flyer und Visitenkarten sind übliche Produkte, dazu kommen weitere Produkte hauptsächlich für Geschäftsausstattung. Die Onlinedruckereien planen für die Produktion bestimmte Zeitschienen ein und meist sind bestimmte Druckmaschinen bereits entsprechend gerüstet, so dass nur noch die Sammeldruckplatten getauscht werden müssen.

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„Der Bedarf für eine schnelle Zustellung von Druckprodukten wird immer da sein. Dafür nimmt der Kunde auch Einschränkungen bei der Artikelkonfiguration in Kauf.“  –  Bernd Zipper

Wer oben genannte Preise mit denen der längeren Produktions- und Lieferzeiten vergleicht, erkennt auf den ersten Blick den teils sehr deutlichen Margen-Vorteil der Blitzdruck-Produkte, die doch sehr ähnliche Erstellungskosten haben wie normale Druckprodukte. Aber der Bedarf ist nun mal da: Jemand benötigt schnell Visitenkarten mit dem neuen Firmenlogo, die Veranstaltung am nächsten Abend hat eine wesentliche Programmänderung, während des Messeauftritts sind die Imagebroschüren ausgegangen…

Wer kann online den Schnelldruck anbieten?

Nun sollte man meinen, nur größere Onlinedruckereien mit einem entsprechenden Maschinenpark, hoher Automatisierung und einem ERP-System könnten diesen Bedarf decken. Aber ich sehe auch Chancen für kleinere Onlinedruckereien, die sich beispielsweise verstärkt regional positionieren wie die Online Druckerei Köln – die den Blitzdruck momentan nur für Visitenkarten anbietet (mit Abholung am selben Tag). Auch diejenigen Onlinedruckereien, die sich auf besondere Druckprodukte spezialisiert haben (und entsprechend standardisierte Produktionsprozesse haben) könnten die Chance einer schnellen Warenverfügbarkeit nutzen.

Abb.: Saxoprint

Abb.: Saxoprint

Von kürzeren Lieferzeiten profitieren

Generell sollten sich Onlinedruckshops jedoch schon um kürzere Lieferzeiten für Standarddruckprodukte bemühen. Denn neben einer höheren Marge bietet ein flotterer Versand noch weitere Vorteile. So sinken die Reklamations- und Retourenquoten, je schneller ein Produkt ausgeliefert wird. Kürzere Lieferzeiten korrelieren auch mit einer höheren Kundenzufriedenheit, und das sowohl im B2C wie im B2B. Nicht zu vergessen: Der Kunde vergleicht, und das geht im Web nun mal ziemlich leicht. Und im Zweifel entscheidet er sich dann eher für den Onlinedruckshop mit zwei Werktagen Lieferzeit, anstatt für den mit drei Werktagen. Eine Sendungsverfolgung halte ich dabei für selbstverständlich.

Abschließend möchte ich noch auf den Unterschied zwischen B2C und B2B hinweisen. Die meisten Konsumenten schätzen einen kostenfreien Versand mehr als eine sehr schnelle Lieferzeit (Same Day Delivery). B2B-Kunden legen hingegen mehr Wert auf Verlässlichkeit hinsichtlich des Liefertermins. Lieferkosten werden grundsätzlich akzeptiert. Also: Wer „Fast Delivery“ – es muss ja nicht gleich Same-Day-Delivery sein – anstrebt, kann von einem vorhandenen Kundenbedarf profitieren. Er muss aber die gewohnte Produktqualität einhalten und verlässliche Liefertermine nennen können.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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