Zielsetzung: Online-Kooperation – Unitedprint mit neuen Angeboten für lokale und regionale Druckanbieter

3. November 2015, 10:22 Uhr | Meinung, Neues

Ali Jason Bazooband, Vorstand Innovation/Marketing bei Unitedprint SE, ist in der Branche wohl bekannt. Seit Anfang 2015 ist er beim Radebeuler Online Printer Unitedprint aktiv und hat große Pläne: Lokale und regionale Drucker sollen ab sofort mit den Partnershops des Online-Anbieters ihren Markt erweitern und künftig landesweit und international operieren. Im Gespräch erläutert er mir seine Pläne.

Ali Jason Bazooband, Marketing-Vorstand bei Unitedprint, im Gespräch (Foto: Bernd Zipper)

Ali Jason Bazooband, Marketing-Vorstand bei Unitedprint, im Gespräch (Foto: Bernd Zipper)

Bernd Zipper: Sie sind seit Januar dieses Jahres bei Unitedprint zuständig für Innovation und Marketing. Diese Position ist für eine Online-Druckerei eher ungewöhnlich. Was kann man in dieser Position bewegen?

Ali Jason Bazooband: Meine Aufgabe ist die Neuentwicklung und der Vertrieb unserer Produkte, Services, Features. Innovationen und Marketing sollte in keinem Unternehmen was ungewöhnliches sein, schon gar nicht im Onlinedruck. Die neun Monate gingen vorbei, als wäre es ein Wimpernschlag. Ich habe mir diese Herausforderung ganz bewusst bei Unitedprint ausgesucht, weil ich damit kalkuliert habe, meine Fähigkeiten und Vorstellungen hier optimal realisieren zu können. Und genau das ist auch eingetreten.

Bernd Zipper: Was ist das Ziel? Internationalisierung, oder in welche Richtung steuert Unitedprint künftig?

Ali Jason Bazooband: Internationalisierung, das ist für mich eine der besonders interessanten Qualitäten an Unitedprint, wird hier schon seit vielen Jahren hochprofessionell gelebt. Viele Unternehmen haben diese Anstrengungen erst noch vor sich. Erst gestern hatte ich ein Gespräch mit einem großen Filialisten, der mich fragte: Könnt ihr Support auf Italienisch und Spanisch machen, habt ihr vor Ort eigene Ländergesellschaften, die auch von dort fakturieren? Alle Fragen mit Ja beantworten zu können, ist schon cool. Internationalisierung liegt im Wesen des Internet und ist kein neuer Trend – natürlich in Kombination mit attraktiven Produkten, Services und Features, bei denen Preis, Produktqualität und Liefergeschwindigkeit stimmen müssen. Wenn man nur 20 oder 25 Prozent der vom Markt gefragten Produktanforderungen anbieten kann, ist es  schwierig zu wachsen. Deshalb ist die Aufgabe nicht nur Internationalisierung an sich, sondern vor allem auch das sehr schnelle Bereitstellen von mehr Produkten, mehr Services, mehr Features. Und dabei vor allem jeden Tag in allen Disziplinen unbedingt attraktiver und besser für unsere Kunden werden zu wollen.

Bernd Zipper: Bedeutet das langfristig das Aufbauen von Produktionen in anderen Ländern oder bleibt die Produktion hier und Unitedprint holt sich die Aufträge nach Deutschland?

Ali Jason Bazooband: Je nachdem, was am sinnvollsten ist. Finden wir zum Beispiel eine Situation vor, in der Kunden nicht länger als zwei oder drei Tage auf ihre Lieferung warten möchten, der Transport von Deutschland zu lange dauert oder extrem teuer wird, dann ist das erstmal ein Handicap, das es zu beseitigen gilt. Es gibt also diesbezüglich keine in Stein gemeißelte Strategie, nach der alles inhouse produziert werden muss. Deshalb können wir auch, wenn es unseren Kunden nutzt, auf die vielen europäischen Spezialisten setzen, die für uns nach unseren hohen Standards produzieren. Dieses Know-how und auch die Kapazität müssen wir daher nicht zwingend ins eigene Haus holen.

Bernd Zipper: Wie stellt sich Unitedprint generell beim Thema Kooperation und Zusammenarbeit auf? Hier scheint sich ein Wandel in der Branche abzuzeichnen.

Ali Jason Bazooband: Das Thema der Kooperation oder Zusammenarbeit generell auszuschließen wäre natürlich absolut praxisfremd und entspricht nicht unserem täglichen Geschäft. Selbst Wettbewerber bestellen bei uns. Wir schauen uns den Markt nicht nach Wettbewerber oder Kunde an. Es sind ganz oft hybride Situationen, die in den Jahren gewachsen sind. Wenn ich mir heute die Kundenliste ansehe, sind auch ganz bekannte Namen dabei, die das gleiche Geschäft wie wir machen. Ein signifikanter Teil unserer Kunden sind Drucker, ob online oder stationär – und wir sind stolz darauf.

Bernd Zipper: Man glaubt ja immer, dass sich die großen Online-Printer gegenseitig ständig „auf den Deckel hauen“. Zumindest in der Vergangenheit ging es ja heiß her. Wird das alles nicht mehr so heiß gegessen wie es gekocht wird?

Ali Jason Bazooband: Ich behaupte, dass es schon damals nicht so heiß herging. Es gibt eben ein paar wenige Spielregeln zu beachten, auf die auch wir Wert legen. Wir setzen auf Kooperation, wenn es unseren Kunden Nutzen bringt, kooperieren aber nicht, wenn es keine Vorteile mit sich bringt oder gar schaden könnte – logisch. Es gibt aber selbstverständlich keine generelle Blockade gegenüber Kooperationen jeglicher Art.

Bernd Zipper: Es gibt da so ein paar Umstände, die Unitedprint in der Vergangenheit als Buhmann dastehen lassen könnten. Es wurde u.a. in Foren darüber diskutiert, dass man für gute Bewertungen Gutscheine bekommt etc.. Das hat schon irgendwie einen komischen Beigeschmack. Haben Sie diese Bad-Guy-Rolle?

Ali Jason Bazooband: Nein, das ist überhaupt kein Thema und entsprach auch zu keinem Zeitpunkt der Realität. Bei uns bekam noch nie ein Kunde ausschließlich für eine gute Bewertung irgendeinen Gutschein. Mir sind die Kunden lieber, die mir sagen, was wir nicht gut machen, damit wir das schnell besser machen können. Wir sind im E-Commerce genauso transparent wie jeder andere auch. Auf Deutsch gesagt kriegen wir auf die Fresse, wenn wir Blödsinn machen sollten, und werden gelobt, wenn wir etwas Gutes tun. Wir alle versuchen hier natürlich, dass wir unseren Kunden immer und zu jeder Zeit helfen, ihn nicht mit verspäteten Lieferungen oder unzureichender Qualität verärgern. Das ist das eine. Und das zweite ist, dass man mit unseriösen Nachhilfen für gute Bewertungen langfristig eh nicht überlebt.

Bernd Zipper: Einer der großen Trends scheint zurzeit zu sein, mit Businesskunden mehr Geschäft zu machen. Oft verlangen die Businesskunden dann speziell konfigurierte Portale. Wie gehen Sie mit solchen Wünschen um?

Ali Jason Bazooband: Das spielt uns eigentlich in die Karten. Wir haben Consumerkunden, wir haben Businesskunden, wir haben Kunden aus dem Familienbereich, versuchen aber zu kanalisieren, die Marken auseinander zu halten und möglichst nicht zu vermischen. Mit Easyprint gehen wir auf die Consumer und kleinen Organisationen zu. Mit print24 bedienen wir eine breite Kundschaft von Wiederverkäufern, professionelle Printproduktioner, Druckereien und Agenturen. Mit DDK PRINT BIG gehen wir auf die professionellen Businesskunden in der Werbetechnik zu. Die Marken unterscheiden sich in der Ansprache und Darstellung. Bei jedem unserer Portale kann unser Kunde aber alle Produkte bestellen und befindet sich ein eigener entwickelter WYSIWYG Editor zum online selbst gestalten. Wir haben uns im Online-Print also ebenfalls sehr frühzeitig und sehr breit und mehrstufig – vor allem eben schon sehr früh international aufgestellt.

Bernd Zipper: Wer sind denn bei dieser breiten Streuung die wichtigsten Kunden?

Ali Jason Bazooband: In den Anfängen von Web-to-Print galten wir Onlinedrucker ja noch als eine Bedrohung für die Drucker bzw. wurden sehr lange gar nicht ernst genommen. Dann wandelte sich der Markt beziehungsweise die Einstellung zu uns und wir waren auf einmal die willkommenen Lieferanten von Druckereien. Das war dann Web-to-Print 2.0 – ich nenne es einfach mal so – und das hat es mit sich gebracht, dass Druck von Druckern bei uns eingekauft und weiterverkauft wurde. Und heute verstehen wir Web-to-Print 3.0 als Partnerplattform. Das heisst, aus den einstigen Web-to-Print 1.0-Zeiten als Wettberber sind im Web-to-Print 2.0 Kunden geworden und jetzt werden wir mit Web-to-Print 3.0 zu Vertriebspartnern. Und das besonders für Druckereien und Agenturen oder Reseller, wie man neudeutsch sagt. Genau für diese Businesskunden haben wir eine Vertriebsplattform unter unserer Marke USS Unitedprint Shop Services geschaffen. Ein Businessmodell, das sowohl das Geschäft unserer Partner als auch unser eigenes Wachstum durch die Nutzung unserer Skalen- und Netzwerkeffekte enorm beschleunigt. Win-Win in der Reinstform könnte man auch sagen. Ich könnte wirklich kein neues Produkt, keinen zusätzlichen Service erfinden, der dermaßen durch die Decke geht, wie eben unsere USS Shops, die jedem potentiellen Partner seinen Wunsch nach seinem eigenen Web-to-Print-Shop binnen Minuten erfüllt, auf diese Weise selbst zum professionellen Onlinedrucker zu werden. Also zusätzlich zu seinem bisherigen lokalen/regionalen stationären Angebot auf einen Schlag hunderte neue Produkte und Services anbieten zu können. Und dann auch noch jederzeit selbst zu entscheiden, ob und was er selbst produziert, die Herstellung zu uns durchstellt oder jemand ganz anderen damit beauftragt. Ist das nicht absolut krass!?!

Bernd Zipper: Trotzdem erst nochmal zurück: Sind individuelle Portale als Closed Shop für Großkunden ein Thema?

Ali Jason Bazooband: Geschlossene Portale sind auch ein Thema, ja, wenn auch nicht das größte Thema. Unser Geschäft basiert nicht auf Geschlossenheit für Privilegierte. Warum sollte das was gut ist nicht offen für alle sein? Ich sehe in unserem Business die wenigen Großkunden nicht. Wir haben hunderttausende Kunden und da gibt es nicht diese zwei, drei Großkunden, wie wir das bei vielen Druckereien kennen. Es ist ja gerade die große Chance der Risikominimierung und Chancenerweiterung für alle, nicht nur auf Großkunden zu zielen sondern letztlich alle Kunden gleich wichtig zu nehmen.

Bernd Zipper: Wettbewerber von Ihnen setzen aber jetzt gerade auf Großkunden und natürlich auf deren persönliche Betreuung. Nicht nur im Key Account, sondern auch während der Produktion. Wie geht Unitedprint mit diesem Thema um?

Ali Jason Bazooband: Was heißt während der Produktion?

Bernd Zipper: Wenn der Kunde noch Rückfragen hat oder spezielle Beratung benötigt. Gibt es einen speziellen Ansprechpartner?

Ali Jason Bazooband: Natürlich haben wir für unsere Kunden einen – und das auch noch gebühren- und kostenfreien – Support, national wie international. Für Kunden in unserem Key Account Programm (ab einem Jahresumsatz von 3.000 Euro) gibt es einen festen Ansprechpartner, der sich persönlich um seine Kunden kümmert. Auch ich habe als oberster Verkäufer täglich Kundenkontakt. Es gibt vielfältige Aufgaben, doch noch eine Datei tauschen, doch noch zu einer anderen Lieferadresse liefern, auch die eine oder andere Verständnisfrage, aber in die Produktion greifen wir nicht mehr ein. Das würde alles in Frage stellen, was wir tun. Wir sind Onlinedrucker – effizient und schnell. Das muss auch so für unsere Kunden bleiben, sonst können die Kunden auch keinen Nutzen für sich selbst erzielen.

Bernd Zipper: Bei unserem Rundgang haben wir im wahrsten Sinne des Wortes eine perfekte Druckfabrik gesehen, also weit weg von einer Manufaktur. Aufgrund Ihres Systems lässt sich eigentlich fast schon von Industrie 4.0 sprechen und einer geradlinigen Produktion. Wie sind die Visionen von Unitedprint, bezogen auf die Produktion der Zukunft?

Ali Jason Bazooband: Weiter automatisieren. Eine Online-Druckerei muss man eigentlich als Verkaufsmaschine powered by IT verstehen. Ob da jetzt eine Druckmaschine steht oder irgendwann einmal eine andere Maschine, mit der wir künftig produzieren können, ist eigentlich egal. Es muss Equipment und Workflow sein, mit dem auch nachhaltig Margen erzielbar sind. Ich sehe eher noch mehr Automatisierung. Wer auf unsere Seiten schaut, sieht zum Beispiel Preise ab fünf Euro. Wir sind also keine Maschinenbauer, die einen Auftrag für zwei Millionen an Land ziehen, sondern abertausende Aufträge für kleines Geld. Und da muss man, um profitabel wachsen zu können – nur darauf kommt es an! – höchst produktiv und effizient arbeiten. Deshalb setzen wir auch auf eigene Softwareentwicklung, weil uns Standardsoftware, die wir dann noch weiterentwickeln müssen, in vielen Dingen hindert. Auch in vertrieblicher Hinsicht. Und genau darum haben wir auch die komplette Eigenentwicklung unserer USS Partnershops selbst realisiert.

Bernd Zipper: Wie ist Ihre persönliche Roadmap, wo soll es hingehen? Als Innovation/Marketingvorstand – ich glaube, diese Position gab es in der Form vorher gar nicht – wird es sicher auch eine eigene Strategie geben?

Ali Jason Bazooband: Ich setze mir nie Fünf- oder Zehnjahresziele, weil wohl niemand so weit nach vorn blicken kann. Ich möchte aber den Unternehmenswert von Unitedprint in drei Jahren auf mehr als 250 Millionen Euro hochschrauben. Dieses Ziel ist sehr konkret und mehr als realistisch.

Bernd Zipper: Trotzdem ein ehrgeiziges Ziel. Wie ist das Volumen im Online-Print in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich überhaupt einzuschätzen? Wird es weiter wachsen?

Ali Jason Bazooband: Ja, absolut. Ich finde es geradezu putzig, wenn suggeriert wird, die Onlineprinter würden schon jetzt den ganzen Druckmarkt beherrschen. Davon sind wir noch ganz weit entfernt. Es ist noch ein Riesenmarkt vorhanden – und der wird durch die Erweiterung unseres Angebots sogar noch deutlich wachsen. Vor zehn Jahren hat doch im Web-to-Print noch niemand ernsthaft daran gedacht Druckprodukte, Fotoprodukte, Textilprodukte, Werbetechnik, Werbemittel, Webservices alles unter einem Dach anzubieten. Und wer weiß, was morgen und übermorgen noch alles dazukommt. Deswegen beteilige ich mich auch nie an Diskussionen um Preise, Kunden und weshalb wer bei wem drucken lässt. Es gibt mehr als genug und es gibt noch ein riesiges Potenzial im DACH-Bereich – und international sowieso.

Bernd Zipper: Wir haben in Deutschland ein paar große Platzhirsche und jede Menge kleinere Unternehmen. Es gibt auch noch immer viele, die jetzt in Online-Print einsteigen möchten. Sehen Sie für kleinere Unternehmen überhaupt noch eine Chance, sich Marktanteile zu sichern?

Ali Jason Bazooband: Absolut, gerade für die beginnt jetzt ein goldenes Zeitalter!

Bernd Zipper: Dann aber nur in der Nische gewinnen, oder?

Ali Jason Bazooband: Nein, nein. Ich möchte noch einmal auf das hinweisen, was ich mit unserem Partnerprogramm USS Partnershops und Web-to-Print 3.0 beschrieben habe. Das machen wir doch deshalb, weil wir mit unserem globalen Angebot selbst niemals ausreichend intensiv und tief genug in lokale Regionen kommen. Print24 und auch der Wettbewerb hat sich bisher im Wesentlichen auf die Oberfläche konzentriert, das entsprechend beworben und auch gesteuert, weil da das meiste abfällt. Aber Fleischer Müller, nennen wir ihn einfach mal so, ist in seiner Region der Platzhirsch, der McDonald’s & Co. das Leben so richtig schwer macht. Genauso sehen wir auch den lokalen/regionalen Drucker und die lokale/regionale Agentur, die ihren Markt im Umkreis von 25 Kilometer perfekt kennen. Davon sind wir selbst gefühlte Lichtjahre entfernt. Zu deren Kunden kämen wir nie so gut und nah wie sie selbst. Jetzt statten wir diese Drucker und Agenturen mit einem enorm mächtigen Werkzeug aus, sprichwörtlich ihren eigenen Markt zu erschließen. Völlig kostenlos, völlig frei – ein Shop mit dem er von heute auf morgen hunderte von zusätzlichen Produkten plus seine eigenen Produkte und Leistungen anbieten kann. Dabei kann er auch völlig frei entscheiden, ob und welche dieser Produkte er selbst produziert oder an Dienstleister (wie wir das dann für ihn sein können aber nicht müssen) vergibt. Für dieses Programm haben wir bereits tausende Voranmeldungen und täglich kommen mehr dazu. Vielleicht realisieren wir in den nächsten Monaten nur einige hundert neue lokale Web-to-Print-Shops. Wenn ich von diesen hunderten Shops am Tag nur zehn Aufträge mit je 100 bis 200 Euro bekomme, kann sich jeder sehr einfach ausrechnen, was das für unsere Shoppartner wie für uns selbst bedeutet. Unsere Mission ist es, der professionelle Web-to-Print-Vertriebsprofi für genau diese lokalen und regionalen Unternehmen zu sein. Think global. Act local. Denn es ist wichtig zu sagen: Es gibt im Online-Print einen Markt für euch, ohne dass ihr selbst investieren und Millionen in Software reinstecken müsst für Frontend, Backend, Editoren, für Produktlinien, die von Druckprodukten über Fotoprodukten, Werbetechnik bis hin zu Textilprodukten gehen. Wir stellen euch kostenlos ein maßgeschneidertes Werkzeug zur Verfügung – weil wir davon überzeugt sind, dass genau dieser lokale und regionale Markt enormes Potenzial hat.

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„Think global. Act local – Unitedprint scheint es ernst zu sein – die Zeichen stehen auf Kooperation und Zusammenarbeit, insbesondere für kleinere Druckanbieter“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Es gibt aber auch andere Anbieter wie etwa „Wir machen Druck“, die ein ähnliches Konzept haben, die auch Partnershops und Partnermodelle anbieten. Wo ist Ihr spezielles Differenzierungsmerkmal? Der Preis oder die Geschwindigkeit?

Ali Jason Bazooband: Es gibt einige mir bekannte Partnermodelle. Ob die so weit verbreitet sind, ist eine andere Geschichte – und warum das nicht so ist, sicherlich auch. Meiner Kenntnis entzieht sich auch, ob diese Angebote kostenlos sind, unseren Produktumfang umfassen, einen Editor für Onlinegestaltung enthalten und unsere Internationalisierung bieten – denn jeder unser Partner wird mit unserem USS Partnershop sofort auch zum Global Player, der seine Produkte in die ganze Welt liefern lassen kann. Was aber viel wichtiger ist: alle anderen Systeme sind nicht Plug and Play. Unser Differenzierungsmerkmal ist eben auch, dass der Kunde ein automatisiertes Onboarding hat inklusive der kompletten Zahlartenakzeptanz. Bei uns ist das ein voll automatisiertes Plug and Play, bei dem jeder einzelne unserer Partner von einem Tag auf den anderen ein professioneller WtP-Anbieter mit hunderten Produkten, Services und Features ist. Sämtliche Entwicklungen, die wir für unsere eigenen Portale seit über zehn Jahren in beträchtlicher Millionenhöhe investiert haben und selbstverständlich zukünftig auch weiterentwickeln werden, stellen wir jedem einzelnen unserer Partner 1:1 zur Verfügung. Und das alles kostenlos! Das ist das eine und das andere ist, dass unser Partner jederzeit frei entscheiden kann, ob er Produkte selbst fertigt oder ob er sie vergibt – und das selbstverständlich zu seinem selbst gewählten Verkaufspreis. Das ist bei anderen wohl eher anders – man stellt die Plattform zur Verfügung, dafür muss auch bei der Firma produziert werden. Nicht bei uns – unsere Partner können entscheiden: das produziert Unitedprint, das kann ein Wettbewerber von Unitedprint herstellen und das produziere ich selbst. Zudem haben unsere Partner die Möglichkeit, zusätzlich ihre eigenen Produkte im gesamten Unitedprint- und USS Partnershop-Netzwerk zu platzieren. Das heißt, wenn wir im Netzwerk einen Partner finden, der tolle Bierdeckel druckt, die keiner der anderen Partner anbietet und wir auch nicht – dann kann er sein Produkt im Netzwerk ergänzen. Dann hat er nicht nur seine lokalen Kunden, die er bedient, sondern das gesamte internationale Netzwerk, das 500 Millionen potentielle Kunden in ganz Europa bedient. Das Netzwerk profitiert also auch vom Know-how der Partner. Je mehr und bessere Partner, desto mehr Know-how und desto mehr Profit für die einzelnen Partner in dem gesamten Netzwerk. Habe ich schon mal erwähnt, wie fasziniert ich selbst davon bin!?!

Bernd Zipper: Aber auch hier sind andere mit ähnlichen Strategien unterwegs. Die Idee des Produktionsnetzwerkes haben andere auch aufgegriffen. Ich frage mich dennoch, wo außer kostenfrei, Plug an Play und der schnellen Realisierung der Unterschied ist? Das finde ich doch auch bei Print4Resellers und anderen Netzwerken im Markt ebenso …

Ali Jason Bazooband: Alle Plattformen erheben initiale Kosten. Wir nicht – null. Alle Entwicklungen, die wir zur Verfügung stellen – und in die wir sehr viel investiert haben, einschließlich unseres Editor zum online Selbstgestalten – stehen gratis für den B2B- und auch den B2C-Markt bereit und das inkl. eigener mobiler Webseite. Das alles sehe ich bei keinem anderen auch nur ansatzweise ermöglicht.

Bernd Zipper: Jetzt könnte man unterstellen, dass das ein prima Lockangebot ist: Der Drucker als Kunde, als Businesskunde, nutzt Ihre Plattform, generiert sein Basisgeschäft da drüber und gerät in eine gewisse Abhängigkeit. Ist das kalkuliert oder der saure Apfel, in den man beißen muss?

Ali Jason Bazooband: Nein, eine Abhängigkeit sehe ich da beim besten Willen nicht. Wir können niemanden zwingen, eine Visitenkarte bei uns zu kaufen, noch erzwingen, dass jemand einen Partnershop bei uns betreibt. Es ist von vornherein alles komplett freigestellt. Der Partner kann meinetwegen mehrgleisig fahren, kann mehrere Topleveldomains haben – so wie wir es bei sehr vielen Marken auch haben. Das ist total frei – und möge dann das bessere Angebot gewinnen. Möge dann aber auch derjenige profitieren, der ihn unterstützt. Das tun wir bei den Webservices, bei der Suchmaschinenoptimierung, bei Google Adwords und so weiter. Auch dafür haben wir unseren UP Campus, in dem wir Partner schulen, weil wir ja auch wollen, dass unsere Partner erfolgreich sind.

Bernd Zipper: Ich muss trotzdem noch einmal auf das Thema Image drauf zu sprechen kommen und wie sich Unitedprint dem Thema stellt. Wir haben im Vorfeld unseres Gesprächs ein wenig recherchiert und sind auf einige Kundenbewertungen zur Liefertreue und zum Reklamationsmanagement gestoßen – de facto einige heftige Beschwerden. Wenn man auf Basis dieser Kundenbewertungen die Kulanzfaktoren von Wettbewerbern und von Ihnen vergleichen würde, schneiden Sie relativ schlecht ab. Wie geht Unitedprint künftig an das Thema heran?

Ali Jason Bazooband: Auch sollte man hier klar sagen, dass der weitaus größerer Teil positive Bewertungen sind. Kritik gibt es überall, hilft nur, dass wir besser werden. Wichtig dabei ist doch, dass wir jede einzelne ernst nehmen. Ich lese über VW gerade so einiges, trotzdem ist das eine TOP Marke und ein TOP Produkt, was die da bauen. Wir haben eine ganz klare Stärke: das ist unsere Produktqualität und unsere Lieferpünktlichkeit. Die Bewertungen, die Sie angesprochen haben, sind relativ neu und kommen daher, weil wir unheimlich viele Jobs bekommen haben, auf die wir nicht vorbereitet waren. So ist das eben manchmal bei überproportionalen Wachstumswellen. Gerade auch bei Jobs im hochvolumigen Bereich, wo teilweise ganze Schichten mit ein paar wenigen Bestellungen aufgefüllt waren und andere Jobs liegen bleiben mussten. Shit happens und ärgert uns selbst am meisten. Aber das ist längst abgestellt.

Ali Jason Bazooband: „Wir sind Pure Player im Onlineprint. Und das bleiben wir auch konsequent.“ (Foto: Bernd Zipper)

Ali Jason Bazooband: „Wir sind Pure Player im Onlineprint. Und das bleiben wir auch konsequent.“ (Foto: Bernd Zipper)

Bernd Zipper: Ich möchte noch einmal auf die Eingangsfrage zurückkommen, wie die Key-Account-Strategie bei Unitedprint aussieht.

Ali Jason Bazooband: Key Account stellt sich bei uns als Online-Printer im Grunde genommen ganz anders dar als bei einer „normalen“ Firma. Eigentlich müssten ja alle Kunden Key Account sein. Nur haben wir hunderttausende von Kunden, die für kleinste Beträge Bestellungen aufgeben. Wir könnten also gar nicht so viele Mitarbeiter einstellen, wie wir wollten. Das würde uns ganz nebenbei auch kein Kunde bezahlen. Aber es gibt nun einmal Key Accounts. Das sind bei uns Kunden ab 3.000 Euro Jahresvolumen. Das ist nicht viel, trotzdem kommen sie schon in den Genuss des Key-Account-Status mit Rabatten und dem persönlichen Service eines Mitarbeiters. Der Key Account landet eben nicht im Callcenter, wo unser Support im Übrigen nicht nur kostenlos ist, sondern vor allem auch super Arbeit leistet. Für die Key Accounts haben wir noch weitere und besondere Features installiert. Weil sich der Kunde anders behandelt fühlen will, einen Vorteil haben möchte, außer dem günstigeren Preis. Wir haben immer wieder neue Services und Programme für unsere Key Accounts. Z.B. unser EFS Programm (Express for Standard), bei dem unsere Key Accounts Expresslieferungen zum Standardpreis erhalten. Darüber hinaus können sie durch unser europaweit eingeführtes „Später zahlen“ – (Laterpay), mit 30, 60, 90 Tagen auf Rechnung zahlen, was natürlich besonders in der Druckindustrie eine komfortable Sache ist.

Bernd Zipper: Andere Wettbewerber setzen, um Key Accounts und Firmen zu generieren, die dauerhaft als Stammkunde bestellen, auf Layoutservice, eine unmittelbare Betreuung, auf Stores vor Ort und so weiter. Glauben Sie, dass ein standardisiertes Web-to-Print 3.0 Portal ausreicht?

Ali Jason Bazooband: Wir sind Onlinedrucker und tun alles in unserer Macht stehende, unseren Kunden eine große Vielfalt an attraktiven Produkten, höchste Produktqualität, schnellste Lieferzeiten und den bestmöglichen Preis zu bieten. Glauben Sie mir, damit haben wir schon mal gut zu tun. Alle anderen Geschichten, wie individuellen Gestaltungsservice, würden dieses System ad absurdum führen – abgesehen davon sind das Kernleistungen unserer Kunden, die sie besser beherrschen als wir und die wir ihnen schon gar nicht streitig machen wollen. Wir sind Pure Player im Onlineprint. Und das bleiben wir auch konsequent.

Bernd Zipper: Gutes Schlusswort. Dankeschön.

Ali Jason Bazooband: Danke.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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